Fußball

Ein königsblauer Weihnachtsmann

Gut gelaunt bei seinem Fanclub-Besuch in Güntersleben: der Schalker Profi Heiko Westermann. Foto: FOTO Uwe Beck

Vor dem Klublokal hält ein Bus. Ein paar Männer mit blauen Schals, blauen Mützen und blauen Trikots steigen aus. Auf den Rücken haben sie die Namen Bordon, Kuranyi oder Pander beflockt. Es sieht aus, als hätte der TSV Güntersleben in ein paar Stunden den FC Schalke 04 zu Gast zum Freundschaftsspiel. Und die Fans sind schon mal vorgefahren. Königsblau auf Station.

Schalke ist wirklich hier. Zumindest einer der Spieler. Heiko Westermann, 24 Jahre, 82 Bundesligaspiele, sieben Tore und zwei Einsätze in der U21-Nationalmannschaft. Vergangenen Sommer war er von Bielefeld ins Revier gewechselt. Und nun ist er auf Fanclub-Besuch da. Die Günterslebener „Jahn-Wölfe 92“ empfangen ihn, und andere Fanklubs aus Franken sind dazu gestoßen, aus Kronach, Volkach, Zapfendorf. Deswegen der Bus.

Überall hängen Schalker Fahnen, es gibt Schalke-Servietten und sogar eine Torte mit dem Vereins-Emblem. Natürlich wäre ein Kuranyi hier lieber gesehen – oder ein Kristajic, der könnte von den Discos erzählen, die er nachts besucht und dafür vom Verein sanktioniert wird. Aber Westermann ist gekommen. Ein unauffälliger und solider Profi. „Wir sind froh, dass zu uns überhaupt einer kommt“, sagt Fanklub-Vorsitzender Christian Wolf (32): „Vielleicht wird er ja noch prominent.“ Der Mann, für den die Schalker 2,7 Millionen Euro Ablöse bezahlt haben, tritt ein wie ein Riese. 1,90 Meter, breite Schultern, kantiges Gesicht. Man sieht ihm an, dass er Verteidiger ist. So muss ein Verteidiger ausschauen. Als könnte alles von seinem Körper abprallen. Der italienische Wirt des Klubheims traut sich vorzutreten. „Bitte, wenn Sie gegen Luca Toni in der Rückrunde spielen, machen Sie ihn nicht kaputt. Wir brauchen ihn im Sommer.“ Die Szene wirkt. Westermanns Statur beeindruckt.

Westermann ist gebürtiger Unterfranke, er stammt aus Alzenau und verrät sich mit seinem rollenden R. Ein paar Tage vorher noch bestritt er ein Vorbereitungsspiel mit den Königsblauen in Magdeburg, hielt seinen wuchtigen Schädel hin und köpfte ein Tor. Nun ist er hier in Güntersleben, mit großer, schwarzer Tasche, vollgepackt mit Fan-Artikeln. Wie ein Schalker Weihnachtsmann. Fan-Nähe, Fan-Pflege. Dazu sind solche Besuche da. Voriges Jahr schaute Roy Makaay in Veitshöchheim vorbei. Fanklubs sollen für ihre Treue belohnt werden. Güntersleben hatte bislang viel Glück: 2001 kam Andreas Möller, 2004 Dario Rodriguez, nun Westermann.

Fan-Nähe also. Ein seltsames Wort. Profis gelten heute als Söldner. Westermann sagt, er sei anders. Er sagt es nicht wörtlich. Aber als einige Fans mutig sind und ihn auf die Problematik der Entfremdung ansprechen, sagt er: „Also, ich werfe mein Trikot fast immer in den Fanblock. Ich kann aber nur eines pro Spiel werfen.“ Und als er am Schluss gebeten wird, Autogramme zu schreiben, vergisst er nicht hinzuzufügen: „Ich habe genug Zeit.“

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