FUSSBALL: BAYERNLIGA FRAUEN

Fehlersuche in Frickenhausen

Frickenhausens Candida Schwarz spielt den Ball, als sich ihr die Moosburgerin Sonja Reiter nähert.
Frickenhausens Candida Schwarz spielt den Ball, als sich ihr die Moosburgerin Sonja Reiter nähert. Foto: Hans Will

Ganz am Ende, als die Sache gelaufen war, machten sie auf dem Rasen noch schnell ein Foto. Kleine Erinnerung an einen Tag, der sich unter der gleißenden Herbstsonne wie Urlaub anfühlte, aber bei den Fußballerinnen des TSV Frickenhausen kaum im Langzeitgedächtnis landen dürfte. Gernot Haubenthal blinzelte in den stahlblauen Himmel und packte seine Eindrücke der vorangegangenen 90 Minuten in eine ebenso kurze wie prägnante Formel. „Scheißspiel!“ Näher mochte sich der Mann, den man auf dem später gemachten Foto als Randerscheinung im Hintergrund verschwinden sieht, zunächst nicht einlassen.

Fotoserie

TSV Frickenhausen - FC Moosburg

zur Fotoansicht

Nun hatte dieses unter dem Banner der Bayernliga ausgeflaggte Fußball-Spiel gegen den FC Moosburg immerhin den Charme, dass es seine Mannschaft mit 2:1 (1:1) gewonnen hatte. „Nächster Heimsieg“, war am Abend auf der Facebookseite des TSV neben dem Foto der jubelnden Spielerinnen zu lesen. Haubenthal nahm zwar das Ergebnis zur Kenntnis, aber die allgemeine Euphorie mochte er unmittelbar nach Abpfiff nicht teilen. „Aus so einem Spiel musst du deutlich mehr herausholen“, stellte er treffend fest.

Dass Frickenhausen mit dem ganzen Reichtum seiner Möglichkeiten allzu verschwenderisch umsprang, dass es am Ende nur zu zwei Treffern reichte (der eine als Geschenk in Form eines Eigentors), ließ sich mit Blick auf die drei Punkte noch verschmerzen. Was sich die Mannschaft aber an leichten Aussetzern und Lässigkeiten leistete, kann einen Trainer schon einmal ernüchtern.

Bei all den Stoppfehlern, Fehlpässen, verzogenen Flanken, schlechten Laufwegen und harmlosen Schüssen hätte nicht mal das Technische Hilfswerk noch weitergewusst. Das traf im Übrigen auch auf den Gegner zu, der in den ersten Minuten noch staunte, wie leicht das hier alles ging. Frickenhausen kämpfte mal wieder mit den Tücken des Anfangs, stand mit seiner Dreierkette bisweilen in Eins-zu-eins-Situationen gegen die angriffslustige Moosburger Elf.

Wie leicht das schief gehen kann, war schon nach vier Minuten zu besichtigen: Da verlor Candida Schwarz auf der linken Abwehrseite den Ball, Sonja Reiter lief allein aufs Tor zu – und setzte ihren Schuss ins lange Eck knapp vorbei. Drei Minuten später lag der Ball im Netz. Lisa Mair war so frei gewesen, aus rund 23 Metern abzuziehen, Julia Kohl im Frickenhäuser Tor streckte sich erfolglos nach dem flatternden Flugobjekt, das rechts neben dem Pfosten auf halber Höhe einschlug.

Nun wuchs der Widerstand des TSV, aber die Idee, Überzahl im Zentrum zu schaffen und so die Kontrolle über das Spiel zu gewinnen, verfing nicht. Das Mittelfeld geriet zu einer Art Tabuzone, auf die keines der Teams Herrschaftsansprüche anmeldete, und so flog der Ball meist planlos von einer Seite des Feldes auf die andere.

Gefährlich wurde es, wenn die Frickenhäuserinnen mal Fahrt aufnahmen und die Handlung rasch in die gegnerische Hälfte verlagerten, wie in der zwölften Minute, als Anna Thormann nach einem Konter über Sandra Abersfelder aus zentraler Position vergab. Das 1:1 entsprang keiner derart raffinierten Lösung, sondern einer simplen Standardsequenz: Den Eckball von Pauline Großer lenkte Katrin Bauer ins eigene Netz (18.).

„Macht nichts!“, rief Moosburgs Trainer Sepp Blumoser. Doch da irrte er gewaltig, denn der Ausgleich traf seine Truppe wie den Ballon die Nadel: Mit einem Stich war die Luft raus. Frickenhausen kontrollierte die Partie nun nach Kräften, besaß allein durch Abersfelder drei herausragende Chancen, die beste kurz vor der Halbzeit: Ihr erster Schuss aus trefflicher Lage wurde geblockt und ihr zweiter landete an der Latte.

Für Moosburg war somit zur Pause nichts verloren, und vielleicht war es das, was die Mannschaft noch einmal beflügelte. Sie rannte, sie kämpfte, sie drängte den Gegner zurück. „Wir waren aggressiv und haben Frickenhausen keinen Meter Platz gelassen“, so Blumoser. Alles richtig, nur steckte in den Vorstößen keine Substanz. Moosburg genoss eine geschenkte Überlegenheit, die mit Souveränität nur wenig zu tun hatte. Aus dem Powerplay erwuchs zudem keine einzige gefahrvolle Aktion. Mitten in diese Sturm-und-Drang-Periode der Gäste hinein platzte Frickenhausens nächster Wirkungstreffer.

Sandra Abersfelder war mal wieder nicht zu halten auf der rechten Seite von Annika Lindhorst, einfach unwiderstehlich, wie sie sich durchsetzte, den Ball nach innen flankte und Katrin Hauck fand, die aus nächster Nähe zum 2:1 abschloss (67.). Abersfelder war kurz darauf allzu gnädig mit dem Gegner, als sie frei vor dem Tor auf den erfolgreichen Abschluss verzichtete (74.). Moosburgs Mittel blieben zu limitiert, um noch die Wende hinzukriegen.

„Aber wie soll das werden in den nächsten Spielen“, fragte Gernot Haubenthal bang, „wenn wir uns gegen so einen Gegner schon so schwertun?“

Das Spiel in der Statistik

TSV Frickenhausen – FC Moosburg 2:1 (1:1)

Frickenhausen: Julia Kohl; Sabine Müller, Candida Schwarz, Katharina Other, Katrin Hauck (79. Sarah Schmidt), Simone Barthel, Pauline Großer, Anna Thormann (88. Johanna Roll), Romina Kuffner, Sophia Dietze, Sandra Abersfelder (76. Sarah Wintzheimer).

Moosbach: Christina Kink; Katrin Bauer, Annika Lindhorst, Stephanie Müller, Franziska Fischer, Iris Spitaler, Eva Fischer, Sonja Reiter, Kathrin Hoffelner, Dawn Elmers, Lisa Mair (77. Jule Klandt).

Schiedsrichter: Cihan Arslan (Wiesenfeld/Halsbach).

Zuschauer: 70.

Tore: 0:1 Lisa Mair (8., Distanzschuss), 1:1 Katrin Bauer (15., Eigentor nach Ecke), 2:1 Katrin Hauck (67., aus kurzer Distanz auf Vorarbeit von Sandra Abersfelder).

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Frickenhausen
  • Eike Lenz
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!