Fußball

Jähes Ende einer Schlammschlacht

Es war einmal eine Fußball-Mannschaft, die hatte einen großen Kader, die Spieler verstanden sich untereinander gut, und die Trainingsbeteiligung stimmte. Und doch konnte sie nicht am Spielbetrieb teilnehmen. Was sich in den vergangenen Monaten beim FV Mühlhausen abgespielt hat, kann getrost als einmalig bezeichnet werden. Nachdem es zum Bruch zwischen Mannschaft und Vereinsführung gekommen war, wurden die Fußballer nach einer Mitgliederversammlung – ohne ihr Einverständnis – vom Spielbetrieb in der B-Klasse 3 Würzburg abgemeldet. Inzwischen haben die Spieler den Klub verlassen.

„Einen solchen Fall, dass eine ganze Mannschaft auf der Suche nach einem neuen Verein ist, hat es meines Wissens noch nicht gegeben“, sagt Stefan Hemmerich, der zwar mittlerweile das Amt des Bürgermeisters in Reichenberg bekleidet, vorher allerdings schon als Konfliktmanager für den Bayerischen Fußballverband im Einsatz war und in dieser Funktion mit dem FV Mühlhausen in Kontakt kam. Inzwischen habe er den Fall an Kollegen aus der Münchner Zentrale übertragen – doch auch ihnen ist es nicht gelungen, in dieser Sache zu schlichten.

Unsportliches Verhalten

Schon seit Längerem beklagte der Vorstand des etwa acht Kilometer vor den Toren Würzburgs gelegenen Vereins, die Mannschaft sei immer wieder durch unsportliches und rufschädigendes Verhalten aufgefallen. Ende 2013 kam man zu der Entscheidung, die Mannschaft für die neue Saison nicht mehr zu melden. Die Spieler sahen das freilich anders, beschwerten sich über das Verhalten der Klubführung und wollten die Entscheidung nicht akzeptieren.

Bei der jährlichen Mitgliederversammlung im Frühjahr stellten die Fußballer eine Mehrheit, weil es beim FV keine andere aktive Sportabteilung gibt – und sie setzten sich mit dem Antrag durch, dass die Mannschaft wieder gemeldet werden müsse. Der Vorstand in Mühlhausen weigerte sich weiterhin – und musste nach einer wahren Schlammschlacht mit Rechtsanwälten hüben wie drüben per einstweiliger Verfügung zur Meldung der Mannschaft gezwungen werden.

Das Verhältnis zwischen Vorstand und Fußballern war zerrüttet und ein weiterer Knall nur eine Frage der Zeit. Für den 17. September 2014 wurde eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. „Von der Mannschaft kamen Anträge, die auf die Ablösung der gesamten Vorstandschaft abzielten“, sagt der Vorsitzende des FV, Klaus Hehn, und spricht von dem Versuch einer „feindlichen Übernahme“. Daraufhin habe man alle Mitglieder – großteils Fußballer der Altherren-Mannschaft – mobilisiert, die diesen Antrag mehrheitlich ablehnten und einen Antrag auf die Abmeldung der Mannschaft befürworteten.

„Am 18. September haben wir Kreisspielleiter Marco Göbet diesen Beschluss dann schließlich übermittelt“, sagt Hehn, der froh ist, dieses Kapitel nun abgeschlossen zu haben. „Wir laufen ganz sicher nicht lächelnd herum und fühlen uns als Sieger – wir sind einfach nur erleichtert, da alles nur noch sehr viel Kraft gekostet hat“, sagt Hehn, der selbst einmal als Fußballer aktiv war. „Es war keine einfache Entscheidung, aber es hat einfach nicht mehr gepasst – gerade auf menschlicher Ebene –, wenn man nur noch über Rechtsanwälte kommuniziert.“

Unverständnis beim Ex-Trainer

Anders sieht die Sache der bisherige Spielertrainer Christoph Nörling: „Der Vorstand wollte die Mannschaft einfach nicht mehr und warf ihr Undiszipliniertheit vor, was aber nicht der Fall war. Es wurde dann nach jeder Kleinigkeit gesucht, um uns etwas vorzuwerfen.“ Die Abmeldung stoße bei der Mannschaft auf großes Unverständnis und Enttäuschung. „Der Verband macht gute Arbeit, aber der Verein hat sich überhaupt nicht auf die Konfliktmanager eingelassen“, so sagt Nörling. „Unserer Ansicht nach erfüllt er seine Funktion der Sportförderung ganz einfach nicht.“ Nörling ist nun mit der Mannschaft auf der Suche nach einem neuen Verein. Das Kapitel Mühlhausen ist für ihn abgeschlossen.

„Die Ursachen des Konflikts“, sagt Konfliktmanager Stefan Hemmerich aus Reichenberg, „sind tiefgründig und wahrscheinlich auch nicht einseitig. Deswegen gehe ich davon aus, dass weitere Schritte keinen Sinn machen und die Sache erledigt ist.“ Der Mühlhäuser Klubvorsitzende Hehn, der das Einklagen der Mannschaft in den Spielbetrieb als Tiefpunkt für den Ruf des Vereins bezeichnet, versucht nun, den Blick nach vorn zu richten, und sagt: „Es gibt Überlegungen, andere Abteilungen zu gründen, Wandern, Radfahren oder Joggen. Ob es beim FV noch einmal eine Fußballmannschaft geben wird, ist unklar, aber unter mir wird das nur passieren wenn der Stamm dieser Mannschaft aus Mühlhausen käme. Eine Mannschaft nur aus Auswärtigen wie bisher wird es nicht mehr geben.“ Damit scheint das letzte Wort in dieser so unseligen Sache zunächst gesprochen.

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