FUSSBALL: BAYERNLIGA FRAUEN

Frickenhausen findet sein Glück

Der Ball war diesmal wirklich ihr Freund: Candida Schwarz, zweifache Torschützin für Frickenhausen.
Der Ball war diesmal wirklich ihr Freund: Candida Schwarz, zweifache Torschützin für Frickenhausen. Foto: Hans Will

Nach einem Nachmittag wie diesem darf man als Trainer schon einmal ins Schwärmen geraten. 4:2 hatten die Fußballerinnen des TSV Frickenhausen zu Hause ge-gen die SpVgg Eicha gewonnen. „Die Mannschaft“, so sprach Gernot Haubenthal im ersten Überschwang, „ist sehr glücklich.“ Glücklich? Als Haubenthal merkte, dass das wohl doch ein zu großes Wort für die Ereignisse des Vortags ist, korrigierte er sich umgehend: „Sehr zufrieden.“ Die feinen Nuancen belegen, dass man ein Spiel wie dieses durchaus differenziert und von unterschiedlichen Positionen aus betrachten kann.

Man kann es von der unbedarften Warte der Fans aus sehen, die in erster Linie auf das Ergebnis und damit auf den dritten Sieg im siebten Spiel abzielen. Man kann es von der Binnensicht der Spielerinnen aus bewerten, die tatsächlich Glück empfinden, für ihre Plackerei über neunzig Minuten belohnt worden zu sein. Man kann es aber auch vom Standpunkt des Trainers aus beurteilen. Der fühlt sich für das große Ganze verantwortlich und reduziert eine Partie nicht aufs Offensichtlichste: das Ergebnis. Und so sah ein kritischer Geist wie Haubenthal, dass bei diesem 4:2 nicht alles Gold war, was zu glänzen schien.

Er wollte aber auch nicht zu sehr mäkeln nach einem Feiertag, der sich nicht nur im Kalender als solcher anfühlte. Wann hatte es zu Hause zuletzt vier Tore zu bestaunen gegeben? Genau genommen noch nie seit dem Aufstieg des TSV in die Bayernliga vor anderthalb Jahren.

Und danach hatte es auch diesmal nicht ausgesehen. Als die Gäste nach einem Viertelstündchen in Führung zogen, kam einem das allzu bekannt vor. Gehört es nicht zu den Gewohnheiten dieses Teams, dass es erst einmal einen Weckruf braucht, bevor es aufwacht? „Aus dem Nichts“, so Haubenthal, sei dieses 0:1 gefallen. Eicha wirkte mal wieder wie der berühmte Blitz aus heiterem Himmel und hatte seinen Gegner mit dem Treffer elektrisiert.

Frickenhausen spürte den Impuls und setzte ihn in positive Energie um. Nur der „zündende letzte Gedanke“ fehlte gelegentlich, wenn die Gastgeberinnen in die Nähe des gegnerischen Tores kamen. Zweimal immerhin blitzte ihre Torgefahr vor der Halbzeit auf: Zuerst glich Anna Thormann in der 36. Minute zum 1:1 aus. Dann schlich sich Candida Schwarz aus der Abwehr mit nach vorne, um einen Freistoß zu treten – linke Seite, 25 Meter vom Tor entfernt, wie Haubenthal schätzte.

Aus dieser Distanz erzielte sie den wichtigen Treffer zur 2:1-Führung. Sekunden später ging es in die Pause.

Dass Sandra Abersfelder unmittelbar nach dem Wechsel sogar das 3:1 gelang, fügte sich ins Bild einer nun merklich präsenteren Frickenhäuser Elf, die gefällig kombinierte und sich gegen die robuste, eher körperbetont spielende Mannschaft aus Eicha entschlossen wehrte. Die zielstrebig den Weg nach vorn suchte und dabei im-mer wieder Sandra Abersfelder fand, die sich durch die Schnitt- und Nahtstellen von Eichas Defensive mogelte. Das sah gut aus – vielleicht schon etwas zu gut.

„Wenn du dich in Sicherheit wiegst und ständig Chancen bekommst, wirst du irgendwo nachlässig“, sagte Haubenthal. Mit dem Anschlusstor von Julia Fellisch (66. Minute) keimte bei den Oberfränkinnen wieder Hoffnung. Doch als Candida Schwarz nach ihrem zweiten Treffer, diesmal nach einer Ecke, das 4:2 markierte (76.), durfte auch Haubenthal die letzten Minuten genießen. Es waren seltene Momente des Glücks in Frickenhausen.

Das Spiel in der Statistik

TSV Frickenhausen – SpVgg Eicha 4:2 (2:1)

Frickenhausen: Julia Kohl; Sabine Müller, Candida Schwarz, Pauline Großer (63. Zozan Özdemir), Anna Thormann, Katharina Other, Tabea Rauschenberger, Simone Barthel (85. Sarah Schmidt), Sophia Dietze, Romina Kuffner (85. Karen Ettinger), Sandra Abersfelder.

Eicha: Marcella Hoch; Lisa Sommer, Isabel Raithel (76. Lisa Langer), Nadine Sollmann, Nina Häublein, Laisnara De Miranda, Lisa Hümmer, Lisa Leitzinger (63. Katja Baetz), Anna Illmer, Julia Fellisch, Jessica Ittner.

Schiedsrichter: Peter Schweigert (Diespeck).

Zuschauer: 90.

Gelb-Rote Karte: Sollmann (Eicha, 89., Foulspiel).

Tore: 0:1 Laisnara De Miranda (15.), 1:1 Anna Thormann (36.), 2:1 Candida Schwarz (45.), 3:1 Sandra Abersfelder (50.), 3:2 Julia Fellisch (66.), 4:2 Candida Schwarz (76.).

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