Fußball

Die Stimme des Ruhrpotts

Der Erfinder des „geilen Tors“: Werner Hansch zu Gast in Rottendorf
Foto: Frank Kranewitter | Der Erfinder des „geilen Tors“: Werner Hansch zu Gast in Rottendorf

Etwas über Werner Hansch zu schreiben, ist schwer. Werner Hansch muss man hören. Der Mann hat eine Stimme, die man nicht vergisst. Eine die sich eingebrannt hat bei vielen Fußballfreunden, als Hintergrund für bestimmte Bilder. Schalkes UEFA-Cup-Triumph im Mailänder San-Siro-Stadion 1997, Borussia Dortmunds goldene neunziger Jahre des letzten Jahrtausends, die beiden BVB-Meistertitel unter Ottmar Hitzfeld. Das war seine große Zeit. Hansch sorgte damals als Fernsehreporter bei Sat.1 für die Sprüche zum Jubel. Er war damals die Stimme des Ruhrpotts.

Heute ist der Sportreporter 74 Jahre alt und im Ruhestand, so ziemlich jedenfalls. Im Fernsehen taucht er kaum noch auf. Aber man kennt ihn schon noch, den Hansch. Auch hier in Rottendorf, wo er auf Einladung des SPD-Ortsvereins hingekommen ist. Trotzdem ist es nicht sonderlich voll geworden. Gut 30 Menschen sind gekommen, um sich vom Mann mit der bekannten Stimme und dem kumpelhaften Ruhrpott-Idiom unterhalten zu lassen. Das kann er auch noch ganz gut. Er ist der Reporter, der – und das ist keine Übertreibung – als erster den Ausdruck „geil“ in einer Sportübertragung verwendet hat. Das erste „geile Tor“, erzählt Hansch in Rottendorf, fiel in Nürnberg. Erzielt hat es – welch Zufall – der heutige Trainer von Greuther Fürth Mike Büskens (Hansch: „Ein wunderbarer Mensch“) für Schalke gegen den Club per Außenrist. „Was für ein geiles Tor. Ich glaube ich habe die Genialität eines Augenblicks tatsächlich nie treffender rübergebracht“, sagt er noch heute.

Und so erzählt Hansch launig über seinen Weg aus der Bergarbeitersiedlung in Recklinghausen an die Mikrofone in den Arenen. Über seine Anfänge auf der Trabrennbahn, wie er völlig ahnungslos Stadionsprecher von Schalke 04 wurde und bei seinem ersten Einsatz Torhüter Norbert Nigbur „mit der Startnummer eins“ ankündigte. Und – da wurde es dann nachdenklich – über seinen alten Freund Rudi Assauer. „Er ist auf dem Weg in eine andere Welt“, sagt Hansch nachdenklich. Anfang November wird er den einstigen Schalke-Manager, der an Alzheimer erkrankt ist und dies im letzten Jahr öffentlich machte, wieder besuchen: „Aber ich bin mir nicht mehr sicher, ob er mich als Werner Hansch wahrnimmt.“ Mit Assauer zusammen trat Hansch auf Veranstaltungen auf. Die beiden machten gemeinsam Programm. Im November 2010 erzählte Assauer dem Freund dann erstmals von seiner Gedächtnisschwäche. Kurz darauf gab es die Gewissheit: Es ist Alzheimer. Das nachdenkliche Ende eines unterhaltsamen Abends, über dem eine Frage steht. Werner Hansch in Rottendorf, am Tag des großen Derbys Schalke gegen Dortmund – wie geht denn das?

„Ich habe sicherlich 30 dieser Derbys gesehen, und die allermeisten waren wirklich grausam anzuschauen“, sagt Hansch, den ein alter Freund, ein Rottendorfer Genosse, in die Landkreis-Gemeinde gelockt hat. Aber ein Schalker 2:1-Sieg in Dortmund, das klingt jetzt doch interessant. „Für Schalke war das unheimlich wichtig“, sagt Hansch.

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