Abtswind

Ein verdrängtes vergessenes Gefühl

Spielentscheider: Marcial Weisensel (Unterpleichfeld, links) überläuft Peter Mrugalla (Abtswind), nach dessen gelbroter Karter Weisensel gnadelos zuschlug.
Foto: Jürgen Sterzbach | Spielentscheider: Marcial Weisensel (Unterpleichfeld, links) überläuft Peter Mrugalla (Abtswind), nach dessen gelbroter Karter Weisensel gnadelos zuschlug.

Mit einer 1:4 (1:0)-Niederlage in Unterpleichfeld endete diese äußerst bittere Woche Abtswinds. Zehn Gegentore in nur zwei Spielen – im Toto-Pokal hatten sie fünf Tage zuvor mit 3:6 gegen Aschaffenburg verloren – hinterließen ihre Spuren bei Trainer Petr Škarabela: „Es darf nicht passieren, dass eine gelbrote Karte ein Spiel entscheidet und wir infolgedessen vier Gegentore kassieren“, wunderte er sich über eine rund zwanzig Minuten lang desolate Leistung seiner Mannschaft, die sich vom Gegner und insbesondere von einem Spieler düpieren ließ: dem vierfachen Torschützen Marcial Weisensel.

Dass Nicolas Wirsching, Sven Gibfried, Jürgen Endres und Jonas Wirth fehlten, darf keine Erklärung für dieses Abtswinder Ergebnis in Unterpleichfeld sein. Kurzfristig fiel zudem Frank Hartlehnert aus, so dass Peter Mrugalla in die Anfangsformation rückte, die aber weiterhin aus elf gestandenen Akteuren bestand, deren Anspruch ein Stammplatz in einer ambitionierten Landesliga-Mannschaft ist. In der ersten Halbzeit wurden die Abtswinder dieser Rolle auch zu großen Teilen gerecht, wobei sie nur mit ihren Chancen zu fahrlässig umgingen.

Nur einmal fand der Ball den Weg ins Tor, als Unterpleichfelds Dominik Oßwald einen zu kurzen Rückpass gespielt, Pascal Kamolz schneller reagiert und zum mitgelaufenen Daniel Endres gepasst hatte, der vor dem leeren Tor die vom Gegner geschenkte Gelegenheit zum 1:0 vollendete.

Zuvor war Endres nach einem Eckstoß Steffen Barthels an Unterpleichfelds glänzend reagierendem Torhüter Stefan Kraus mit einem Kopfball gescheitert, und die ebenso nach einer Ecke Barthels entstandenen Schüsse von Pascal Kamolz hatte die Abwehr im belebten Fünfmeterraum abgewehrt. „Aus dem Spiel heraus habe ich von ihnen in der ersten Halbzeit keine einzige Chance gesehen“, bezog sich Unterpleichfelds Trainer Thomas Redelbeger darauf, dass alle Möglichkeiten Abtswinds aus Standardsituationen entstanden. In den letzten Minuten vor dem Seitenwechsel befreite sich Unterpleichfeld, spielte seine Ansätze aber nicht zielstrebig genug zu Ende. André Schmitts Schuss ging ans Außennetz und Leon Vollmuths Abschluss war zu schwach, so dass er zur leichten Beute für einen in der ersten Halbzeit kaum geforderten Julian Schneider wurde.

Trotz des Rückstands war Redelberger zufrieden: „Wir wollten den Gegner bereits frühzeitig in Zweikämpfe verwickeln, um ihn nicht bis an unseren Sechzehner kommen zu lassen. Das haben wir sehr gut gemacht“, befand Unterpleichfelds Trainer. Zufrieden konnte auch Škarabela bis zum Seitenwechsel noch sein: „So gut wie in der ersten Halbzeit spielten wir zuletzt nicht. Das war durchaus in Ordnung. Wir müssen unsere Führung aber vorzeitig erhöhen, denn die Chancen dazu hatten wir.“ Zwar wurde Unterpleichfeld Anfang der zweiten Halbzeit mutiger und erwarb sich erste leichte Vorteile, doch in Gefahr geriet Abtswinds Vorsprung noch nicht.

Alles änderte sich mit der eingangs von Škarabela angesprochenen gelbroten Karte gegen Peter Mrugalla. Andreas Flockerzi schlug den folgenden Freistoß vor das gegnerische Tor, Marcial Weisensel setzte sich trotz umstehender Verteidiger durch und erzielte den 1:1-Ausgleich. Nach Platzverweis und Gegentor in Minute 65 stand ein komplett anderes Abtswind auf dem Feld, ließ jede Gegenwehr vermissen und sich von Unterpleichfeld dominieren. Nachdem Weisensel nach einem Zuspiel Julian Horns die Hausherren auch mit 2:1 in Führung geschossen hatte, stand das Haus Kopf, als er wenige Minuten später einen von Mathias Brunsch gegen André Schmitt verursachten Foulelfmeter im Nachschuss zum 3:1 verwandelte. Gegen desolate Abtswinder erhöhte Weisensel nach einem Querpass Leon Vollmuths auf 4:1.

„Das Ergebnis ist brutal. Der Glaube an uns selbst, dass wir dieses Spiel noch drehen können, war nach dem Ausgleich auf einmal komplett weg“, stellte Škarabela fest und einen Vergleich an: Als Kleinrinderfeld vor einer Woche in Abtswind mit einem Mann weniger spielte, ging ein Ruck durch die Reihen, Abtswind dagegen gab sich in der Unterzahl auf. „Auf uns warten mit Karlburg und Schwebenried zwei schwierige Aufgaben. Beide Spiele müssen wir jetzt komplett anders angehen“, spielte der Trainer auf die Verfassung seiner in der Liga bislang ungeschlagenen Mannschaft an. Trotz der Niederlage steht Abtswind in der Tabelle weiter an erster Stelle, wobei die Konkurrenten auf den folgenden Plätzen gleich oder bis auf einen Punkt aufgerückt sind.

Die Statistik des Spiels

Landesliga Nordwest TSV Unterpleichfeld – TSV Abtswind 4:1 (0:1)

Unterpleichfeld: Kraus – Horn, Wagner, Dees (52. Göbel), Flockerzi - Hatcher (74. Scheidel), Oßwald – Weisensel (83. Klein), Zehner, Vollmuth – Schmitt.

Abtswind: Schneider – Szuszkiewicz, Graf, Brunsch, Herrmann – Hummel (65. Riedel), Dußler, Barthel, Mrugalla – Endres (87. Beßler), Kamolz.

Schiedsrichter: Niels Venus (Weißenbronn).

Gelb-Rot: Peter Mrugalla (Abtswind, 64., wiederholtes Foul).

Zuschauer: 250.

Tore: 0:1 Daniel Endres (25.), 1:1 Marcial Weisensel (65.), 2:1 Marcial Weisensel (70.), 3:1 Marcial Weisensel (72., Foulelfmeter), 4:1 Marcial Weisensel (78.).

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