Segnitz

Wie die Segnitzer Faustballer Großes schaffen

Die männliche U18-Jugend des TV Segnitz ist deutscher Meister: (stehend von links) Betreuer Bastian Schiffler, Andreas Kaemmer, Julian Schiffler, Johann Schneider, Betreuer René Hofmann, Trainer Christian Lauck; (kniend von links) Fabio Lauck, Moritz Lutzenberger und Leon Mark.
Die männliche U18-Jugend des TV Segnitz ist deutscher Meister: (stehend von links) Betreuer Bastian Schiffler, Andreas Kaemmer, Julian Schiffler, Johann Schneider, Betreuer René Hofmann, Trainer Christian Lauck; (kniend von links) Fabio Lauck, Moritz Lutzenberger und Leon Mark. Foto: Bianca Schiffler

Am Samstagabend redete Christian Lauck seinen Jungs noch mal ins Gewissen. Müde und platt wirkten die jungen Faustballer des TV Segnitz da auf ihren Trainer. Aber er wusste, wie er sie würde kitzeln und gewinnen können für den schwierigen nächsten Tag. Als Coach sei er schon fünfmal deutscher Meister gewesen, erzählte ihnen Lauck. Sie aber hätten nun die Chance, Großes zu schaffen, wenn sie bereit dafür seien. Keine 24 Stunden später waren sie am Ziel: Die männliche U18-Jugend aus der unterfränkischen Gärtnergemeinde erfüllte sich bei ihrem letzten gemeinsamen Auftritt einen Traum und setzte sich die deutsche Krone auf – mehr als 600 Kilometer von der Heimat entfernt.

Es war die Hoffnung und das Ziel, mit diesem Triumph abzutreten – und irgendwie schien es ja die logische Fort-setzung einer Erfolgsgeschichte, der nach dem deutschen Vizemeistertitel vor einem Jahr noch das entscheidende Kapitel gefehlt hatte: das Happy End. Aber was kann man schon planen, was ist schon logisch und normal in dieser Zeit, da sämtliche Prinzipien entweder außer Kraft gesetzt oder in Frage gestellt werden? „Im März, April, Mai ging wegen Corona gar nichts“, sagt Lauck. An eine geregelte Runde, eine vernünftige Vorbereitung auf die deutschen Meisterschaften war nicht zu denken. Erst Mitte Juni ging es langsam wieder los. Für eine Sommerrunde war es da zu spät.

In den Sommerferien durchtrainiert

Spielpraxis sammelte die junge Segnitzer Mannschaft in Trainingsspielchen mit den Männern des Klubs, Kondition und Ausdauer holte sie sich in individuellen Laufeinheiten. So viel Disziplin seiner Schützlinge nötigte dem Trainer Respekt ab. „Sie haben in den Sommerferien durchgemacht und zweimal die Woche hart trainiert“, so Lauck. „Da gab es kein Schwimmbad oder Baden im Main.“

Kondition sollte noch gefordert sein, denn zum Wettstreit der zehn besten deutschen Klubs in Hohenlockstedt (Schleswig-Holstein) waren sie am Freitag nur zu fünft gefahren – ohne Auswechselspieler. Andreas Kaemmer hatte sich einer geplanten Operation unterzogen, und so rückten andere in den Fokus: der erst 15-jährige Leon Mark zum Beispiel, der sofort zum Stammspieler aufstieg. Trainer Lauck hatte gleichwohl Bedenken, ob die Luft reichen würde, um nicht nur die Mühen der Ebene zu durchschreiten, sondern den Gipfel zu erklimmen.

Als Gruppenerster einen Umweg gespart 

Die vier Hürden in der Vorrunde nahmen die Segnitzer am Samstag quasi im Vorbeigehen: drei klare Siege gegen Ahlhorn, Berlin und Oppau, nur gegen Brettorf hakte es etwas. Da mussten sie in den dritten Satz, um sich durchzusetzen. Am Abend kamen Lauck Zweifel. „Ich war mir nicht sicher, ob wir es am nächsten Tag schaffen würden.“ Immerhin sparten sie sich als Gruppenerster den Umweg und waren direkt ins Halbfinale eingezogen. Gegen den TV Vaihingen/Enz hatten sie im Jahr zuvor das Endspiel und damit den Titel hergegeben, diesmal aber klappte es in drei Sätzen (11:6, 8:11, 11:6).

Im Finale wartete die Mannschaft des Ausrichters aus Hohenlockstedt, der TSV Lola. Lauck wusste: „Meine Jungs haben jede Menge Erfahrung, aber sie sind trotzdem vor jedem Spiel nervös.“ Den ersten Satz verloren sie 9:11, im zweiten lagen sie schon 2:5 zurück. Würde es ihnen ergehen wie im Vorjahr, als sie das Endspiel in zwei Sätzen verloren hatten? Es sah nicht gut aus. Dann aber kämpften sie sich zurück, glichen aus, gingen selbst in Führung. Und als sie den Satz noch zum 11:9 gedreht hatten, passierte auf beiden Seiten Erstaunliches. „Bei Lola hatten sie wohl nicht damit gerechnet, dass sie einen Satz verlieren könnten“, berichtet Lauck, „und für uns war es der Startschuss. Von da an rollte der Zug.“

Bis zum nächsten Titel dürfte es dauern

Unaufhaltsam wie ein ICE rauschten die Unterfranken nun über ihren Gegner hinweg – bis der dritte Satz mit 11:2 gewonnen war. Die Mannschaft hatte sich selbst das schönste Abschiedsgeschenk bereitet, in dieser Besetzung war es ihr letzter Auftritt. Ein Teil der Spieler wird künftig bei den Männern im Einsatz sein. Bis der Verein über ein ähnlich schlagkräftiges Team in dieser Altersklasse verfügt, dürfte es eine Zeit lang dauern. Denn nach wie vor gibt es in Segnitz zwar jede Menge Faustball-Nachwuchs, aber eine Lücke bei den zwölf- bis vierzehnjährigen Jungs. Christian Lauck, der seit einem Vierteljahrhundert Jugendarbeit in seiner Heimatgemeinde betreibt und als Trainer geschätzt auf mehr als 40 deutschen Meisterschaften war, wird bis zu seinem siebten Titel also noch ein Weilchen warten müssen.

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