Kitzingen

Wofür denn Schiedsrichter beim Schach?

Foul oder nicht Foul? Im Schach gibt es Schiedsrichter, die auf jeden Zug achten.
Foto: MP-Archiv | Foul oder nicht Foul? Im Schach gibt es Schiedsrichter, die auf jeden Zug achten.

Von Oktober bis Januar richtete der Schachklub Schweinfurt in seinem Spiellokal erstmals eine Ausbildung zum C-Trainer aus. Vier Wochenenden waren nötig, um die Teilnehmer in den verschiedenen Lehrmethoden zu schulen. Nach schriftlicher Prüfung und einer zusätzlichen Lehrprobe durften sich zwanzig Absolventen C-Trainer nennen – unter ihnen der Schweinfurter Norbert Lukas sowie Rolf Hantelmann vom SK Gerolzhofen. Die beiden erläutern im Interview die wesentlichen Aufgaben eines Trainers – und klären die Frage, weshalb beim Schach Schiedsrichter wichtig sind.

Frage: Schachspieler, die Schach spielen können, spielen Schach. Wozu brauchen die einen Trainer?

Norbert Lukas: Das fragen sich leider viele Vereine. Ich befürchte nur ein Drittel, maximal die Hälfte leistet sich einen Trainer. Obwohl diese Vereine auch Jugendarbeit machen und einen Trainer haben sollten. Da muss man aber auch unterscheiden in zwei Arten von Trainern – zum einen die, die wie Rolf Hantelmann an Schulen gehen, Grundlagen und Regeln vermitteln und den Spaß am Spiel. Der zweite Schritt ist dann die Arbeit im Verein. Da geht es dann um das Erlernen von Mustern und Zügen. Denn Schach wird da zum Sport, wo nicht mit Zufall wie beim Würfeln gewonnen wird.

Alles wird im Kopf berechnet, dazu etwas Pokern, ob man besser gerechnet hat als der Gegner. Das zu automatisieren ist die Aufgabe des Vereinstrainers. Rolf Hantelmann: Ich gehöre zur ersten Kategorie. Ich habe die C-Trainer-Lizenz und gebe an der Grundschule in Gerolzhofen Schachunterricht.

Das Fach Schach gibt es aber vermutlich nicht, oder?

Hantelmann: Das gibt es selten in Deutschland. In Trier existierte vier Jahre lang ein Projekt, in dem mehrere Klassen parallel beobachtet wurden: In Mathematik wurde in einigen Klassen eine Stunde die Woche weggenommen und stattdessen Schach unterrichtet – mit sensationellen Ergebnissen. Trotz der Stunde Mathe weniger waren die Kinder in Mathe besser, in Deutsch und Englisch sogar deutlich besser. Vermutlich, weil die Konzentrationsfähigkeit gestärkt wird. Das habe ich der Konrektorin in Gerolzhofen erzählt und sie sagte: Das machen wir auch. Wir konnten es dann auf Grund von Lehrplan-Änderungen nicht aufrechthalten. Aber alle Kinder, die wir heute im Schachklub haben, stammen aus der Zeit, als das Projekt lief.

Wie darf man sich denn nun das Training vorstellen?

Hantelmann: Die Gruppe, mit der man als Trainer arbeitet, muss homogen sein – gerade in der Jugend, wo die Entwicklungssprünge am größten sind. Diese Entwicklungssprünge haben auch viel mit der Unterstützung im Elternhaus zu tun, vor allem beim Schach. Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Elternhäusern werden in der Regel nicht so gefördert. Sie sind genauso willkommen, brauchen aber meist intensivere Trainerbetreuung.

Lukas: Eine sozialpädagogische Ausbildung gehört dazu. Trainer müssen erkennen, ob eine Gruppe homogen werden kann, und entsprechend darauf hinarbeiten, dass sie es wird. Zur Sozialpädagogik kommt hinzu: Wir brauchen auch eine Erste-Hilfe-Ausbildung, obwohl Verletzungsrisiken beim Schach natürlich geringer sind, als in anderen Sportarten. Aber einen Kreislaufkollaps kann es auch mal geben. Und einen Schiedsrichterschein braucht es auch. Die gesamte Ausbildung umfasst 130 Unterrichtsstunden.

Schiedsrichter? Beim Schach?

Hantelmann: Ja, es gibt tatsächlich Tausende Spitzfindigkeiten. Das geht im Dorfschach meist damit los, dass von zwei Schlauen der eine schlauer sein will und dass sie anfangen, sich zu streiten, ob der Gegenüber diesen Zug nun so hätte machen dürfen oder nicht. Da kommt der Schiedsrichter ins Spiel. Dann gibt es auch ganz klare Regelverstöße – zum Beispiel eine Figur anzufassen, es sich dann anders zu überlegen und eine andere zu ziehen. In diesem Fall gilt natürlich: Berührt ist geführt.

Lukas: Manchmal gibt es auch Verstöße beim Bedienen der Zeituhr. Die Schiedsrichter kontrollieren zum Beispiel, ob die erforderliche Zahl an Zügen getätigt wurde, damit der Spieler ein neues Zeitfenster erhalten kann. Aber natürlich kann in unteren und mittleren Leistungsebenen bei Wettkämpfen nicht an jedem Brett ein Schiedsrichter sitzen. Die wichtigste Aufgabe der Schiedsrichter in letzter Zeit ist leider die Kontrolle des elektronischen Dopings geworden. Missbrauch von Smartphones zum Einholen fremder Hilfe in Toilettenpausen ist immer wieder vorgekommen. Schachprogramme haben teils Spielstärken von über 3000, sind stärker als der Weltmeister.

Ein Smartphone ist ein Computer. Ein Blick auf so ein Programm kann schnell für bessere Züge sorgen. Im Amateurbereich bis etwa zur Dritten Liga kann der entscheidende Hinweis, ob ein Königsangriff möglich ist, mit wenigen Blicken kommen. Bei den Profis ist das schwieriger.

Muss ein Trainer auch ein guter Schachspieler sein?

Lukas: Beim C-Trainer ist das nicht zwingend. Beim B-Trainer definitiv, da muss der Bewerber über die Spielstärke 1900 verfügen, und die Befähigung besitzen, mindestens in der Bezirksliga am vordersten Brett oder in der Unterfrankenliga zu spielen. Gerade findet in Lichtenfels so ein Kurs statt und im Mai wird in Schweinfurt geprüft. Für die A-Trainer-Ausbildung muss man die Befähigung haben, in der Zweiten Liga zu spielen. Je höher man kommt, um so mehr kommt die Fachkompetenz zum Tragen. So geht es im C-Bereich um Sozialkompetenz und auf mittlerer Ebene um Methoden-Kompetenz: Wie bringe ich den Leuten etwas bei? Hantelmann: Entscheidend ist die Handlungskompetenz.

Klar muss der Trainer Schach spielen können, Züge und Regeln beherrschen; aber die Sozialkomponente ist gerade im Nachwuchstraining sehr hoch: Kann der Trainer die Kinder und Jugendlichen mitnehmen? Je höher die Leistungsebene, um so entscheidender ist der sportliche Aspekt – wenngleich sich auf höherem Niveau die Spieler vernetzen und weiterbilden. Leistungsmäßig zueinander passende Spieler können gemeinsam im Internet trainieren.

In vielen Sportarten ist Trainieren ja nur die eine Seite des Trainer-Jobs. die zweite ist das Coachen im Wettkampf. Gibt es das auch beim Schach?

Lukas: Nein. Das ist ähnlich wie im Tennis-Davis-Cup. Sobald ein Wettkampf beginnt, wird aus dem Trainer ein ganz normaler Zuschauer. Der darf keine Anweisungen geben, nicht mal ein Handzeichen, gar nichts. Versuche gibt's immer wieder. Doch da kommt wieder der Schiedsrichter ins Spiel.

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