Berlin

Löw bleibt Löw und ändert sich für EM doch

Joachim Löw       -  Noch ein letztes Mal will sich Bundestrainer Joachim Löw bei einem großen Turnier beweisen.
Foto: Christian Charisius/dpa | Noch ein letztes Mal will sich Bundestrainer Joachim Löw bei einem großen Turnier beweisen.

Noch einmal will es Joachim Löw als Turnier-Trainer beweisen. „Alles ist dem Erfolg untergeordnet”, verkündete der Bundestrainer vor seiner letzten Mission, bevor er nach der EM sein Amt abgibt - an seinen einstigen Assistenten Hansi Flick.

Löw und Flick schafften gemeinsam 2014 im weltberühmten Maracana-Stadion von Rio de Janeiro mit dem WM-Titel die Krönung. Den Abschied nach 15 Jahren als Bundestrainer stellt sich Löw ähnlich erfolgreich vor. „Ich habe gelernt, dass ein Turnier unterschiedlich laufen kann. Man braucht auch das Spielglück und alle Spieler auf einem Toplevel”, betonte der DFB-Chefcoach jedoch.

DFB-Team nicht unter den Top-Favoriten

Zwar weiß auch Löw nach den jüngsten schwierigen Monaten, dass der dreimalige Europameister Deutschland beim paneuropäischen Championat vom 11. Juni bis 11. Juli in elf Ländern nicht zu den Top-Favoriten gehört. Doch „im Hinterkopf” sei immer verankert, „dass wir ins Finale vordringen können. Das ist immer etwas Besonderes”, betonte Löw vor seinem siebten großen Turnier.

Bis zur historischen Vorrunden-Pleite bei der WM 2018 in Russland war er mit seinem Team immer mindestens bis ins Halbfinale vorgedrungen. Seine Bilanz ist außergewöhnlich: EM 2008 Zweiter, WM 2010 Dritter, EM 2012 Dritter, WM 2014 Sieger, EM 2016 Dritter.

Müller und Hummels wieder dabei

Mit der bemerkenswerten Rückholaktion der von ihm vor zwei Jahren aussortierten Ex-Weltmeister Thomas Müller und Mats Hummels will Löw auch wieder an jene erfolgreichen Turniere anknüpfen und die jüngsten Blamagen vergessen machen. Nach dem WM-Debakel in Russland, der verkorksten Premiere in der Nations League sowie den jüngsten Blamagen in Spanien (0:6) und zu Hause gegen Nordmazedonien (1:2) hatten das Team und vor allem Löw ganz viel Vertrauen bei den Fans verspielt. In größter Bedrängnis gab der 61-Jährige seine Demission für den Sommer bekannt und rettete so seine letzte Turnier-Chance.

„Wir wissen schon auch, dass wir unsere Fans wieder überzeugen müssen”, sagte Löw: „Wir wollen eine Mannschaft, die vor Energie und Ehrgeiz sprüht, und die den Fans das Gefühl vermittelt, dass da eine Einheit auf dem Platz steht.” Noch einmal wollte er „alles auf den Kopf stellen, jeden Stein umdrehen, jeden Spieler nochmal im Detail betrachten” - nun überträgt er den reaktivierten Chefs Hummels und Müller einen Großteil der Verantwortung. „Wir gehen dies mit positiven Gedanken an. Wir sind der Überzeugung, wir können ein gutes Turnier spielen.”

Turniere sind das „Salz in der Suppe”

Seinen Stil und sein Herangehen will Löw nicht ändern: „Ich mache es bei der EURO genauso wie bei den vergangenen Turnieren auch. Wenn es etwas gibt, was ich besonders liebe, dann sind es Turniere, in denen es um alles geht.” Sie seien das „Salz in der Suppe”. Besondere Wehmut empfindet der gebürtige Schwarzwälder nicht: „Ich gehe aber in jedes Turnier mit dem absoluten Fokus, mit Motivation, Konzentration, Vorfreude und Spannung”, sagte Löw entschlossen: „Zuerst freue ich mich, dass wir die Herausforderung angehen können.”

Aber Löw hat erkannt, dass der Umbruch mit der neuen Spieler-Generation auch aufgrund der besonderen Verhältnisse in der Corona-Pandemie mit einer fast einjährigen Länderspiel-Pause nicht bis zum Ende gebracht werden konnte. So will er jetzt wieder „die Erfahrung auf mehr Schultern verteilen” und nicht nur auf ein, zwei Spieler setzen, „die absolut an der Spitze rangieren”.

Und ein Fehler wie vor drei Jahren in Russland, als er gedanklich schon in der K.o.-Runde war, soll nicht noch einmal passieren. Es gehe zunächst nur darum, die Gruppenphase zu überstehen - im Anschluss aber, sagte Löw, sei „für unsere Mannschaft alles möglich”.

Schwere Aufgaben in der Vorrunde

Natürlich wird der deutsche EM-Auftritt auch entscheidend mit von Löws Abschied nach 17 Jahren beim DFB geprägt - ein Jahr vor Ende seines Vertrages. Aber auch die besonderen Maßnahmen in der Corona-Situation, die einer Arbeits-Quarantäne entsprechen, können den EM-Verlauf beeinflussen. „Wir haben immer wieder erlebt, das Spieler aufgrund einer Covid-Erkrankung kurzfristig ausgefallen sind”, sagte Löw. Deshalb mache auch die Regelung Sinn, mit 26 statt wie üblich 23 Spielern ins Turnier zu gehen.

Die Aufgaben sind schon in der Vorrunde schwer. Am 15. Juni geht es gegen Weltmeister Frankreich los. Titelverteidiger Portugal (19. Juni) und die unbequemen Ungarn (23. Juni) folgen in der Münchner EM-Arena. Eventuell auch wieder vor 14.500 Zuschauern, wenn es die Infektionslage zulässt. „Die sportliche Herausforderung, nochmals gemeinsam mit den Jungs die deutschen Farben bei einem Turnier zu vertreten und die damit verbundene Chance, den EM-Titel zu holen, reizen mich sehr”, sagte Müller. Auch Löw möchte seine Langzeit-Karriere am liebsten am 11. Juli in London beenden - mit einem Finalsieg.

© dpa-infocom, dpa:210601-99-822646/3

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