LEICHTATHLETIK

Fabienne Kohlmann plötzlich Europameisterin

Leichtathletik EM - 4 x 400 m Staffel - Frauen
August 2010 in Barcelona: Damals jubelte das deutsche Staffelquartett mit (von links) Claudia Hoffmann, Fabienne Kohlmann, Janin Lindenberg und Esther Cremer über den zweiten Platz. Fast acht Jahre später wurden die Sportlerinnen zu Europameisterinnen erklärt. Foto: Bernd Thissen

1. August 2010, Olympiastadion Barcelona: Janin Lindenberg (Magdeburg), Esther Cremer (Wattenscheid), Claudia Hoffmann (Potsdam) und Fabienne Kohlmann aus Gambach im Landkreis Main-Spessart liegen sich in den Armen und strahlen in die Kameras. Das Quartett des Deutschen Leichtathletik-Verbands ist in der 4-x-400-Staffel eben Zweiter gewonnen. 2,8 Sekunden hinter den erstplatzierten Russinnen. Genau 2930 Tage später, im Juni des Jahres 2018, sind Fabienne Kohlmann und ihre Mitstreiterinnen plötzlich Europameisterinnen. Der Europäische Leichtathletik-Verband (EAA) hat den Russinnen wegen Dopings den Titel nachträglich aberkannt und das deutsche Quartett zum Sieger erklärt.

Gemischte Gefühle

Die Gefühle bei Fabienne Kohlmann über diese überraschende Entwicklung sind durchaus gemischt: „Natürlich freue ich mich darüber, jetzt Europameisterin zu sein. Aber nach all den Jahren ist das nicht mehr dasselbe wie bei einem Sieg im Wettkampf“, erklärt sie. „Ich hoffe darauf, dass für uns die Siegerehrung im Rahmen der Europameisterschaft im Sommer in Berlin nachgeholt wird.“ Aber konkrete Informationen, ob es noch einen offiziellen Akt oder eine nachträgliche Goldmedaille gibt, hat sie noch nicht.

Der heute 28-Jährigen ist durchaus bewusst, dass ihr durch die um beinahe acht Jahre verspätete Zuerkennung des Titel ideell und materiell vieles entgangenen ist: eine Siegerehrung mit Nationalhymne im Stadion, mögliche Sponsorenverträge oder Prämien. „Und das alles nur, weil manche Sportler(innen) sich einfach nicht an Regeln halten können und betrügen, was das Zeug hält“, schreibt sie auf ihrer Facebookseite.

Ihre Mitstreiterinnen von Barcelona sehen das ähnlich: Mit Esther Cremer und Claudia Grundwald, geborene Hoffmann, habe sie sich bereits ausgetauscht. „Auch die freuen sich einerseits, andererseits sind sie wehmütig“, berichtet Fabienne Kohlmann.

Doch die Unterfränkin versucht, der ganzen Situation etwas Positives abzugewinnen: „Irgendwie verschafft es einem auch Genugtuung, dass am Ende die Fairness siegt und man mit nicht mit allem durchkommt“, sagt sie mit Blick auf die disqualifizierten Russinnen.

Bislang letzter Wettkampf in Rio

Für Fabienne Kohlmann, die im Freien über 400 Meter Hürden bzw. über 800 Meter dreimal deutsche Meisterin war, folgten nach der EM erfolgreiche Jahre. So nahm sie 2012 und 2016 an Olympischen Spielen teil. Allerdings war der Olympia-Vorlauf über 800 Meter vor knapp zwei Jahren in Rio de Janeiro ihr bislang letztes Rennen. Dort schied sie früh aus, nachdem sie eine Saison hinter sich hatte, in der sie sich mit einer langwierigen Verletzung an der Achillessehne herumgeplagt hatte, welche dafür gesorgt hatte, dass sie nicht ihr volles Leistungsvermögen abrufen konnte. „Ich habe mir dann eine Pause verordnet, um alles ausheilen zu lassen“, berichtet sie.

Im Herbst 2017 stieg Fabienne Kohlmann wieder ins Training ein, betrieb sportlichen Wiederaufbau mit ihrer Münchner Trainingsgruppe. Der lief zunächst gut, doch eine neuerliche Verletzung an der Plantarsehne, die an der Fußsohle verläuft, hat sie zurückgeworfen. Auf ihr erstes Rennen seit Rio wartet sie weiter. Doch versichert sie: „Ich will in diesem Jahr noch Wettkämpfe bestreiten.“

Dass sie den Rückweg zu den Wettkämpfen ohne materiellen Druck zurücklegen kann, hat ihr die Zugehörigkeit zu einer Sportfördergruppe der Bundeswehr ermöglicht. Nebenbei arbeitet sie auch noch in ihrem gelernten Beruf als Psychologin. „Die Konstellation gibt mir die Möglichkeit, mich auf den Sport zu konzentrieren“, erklärt sie und ergänzt, dass sie sich keinen Druck machen wolle. Für sie sei es schlicht die Herausforderung, ob sie noch einmal an ihr altes Leistungsniveau herankommen könne. Einem großen internationalen Titel braucht sie nun ja nicht mehr hinterzulaufen.

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