HANDBALL: BAYERNLIGA

Fünf Gründe, warum Lohr der Favorit ist

Bei den Derbys in der Handball-Bayerliga lagen in den vergangenen Jahren die Vorteile fast immer bei der DJK Waldbüttelbrunn. Das ist in dieser Saison anders.
Taktgeber beim TSV Lohr: Spielertrainer Maximilian Schmitt. Foto: Yvonne Vogeltanz

Wenn in diesem Jahrzehnt Derbys in der Handball-Bayernliga zwischen dem TSV Lohr (7./12:6) und der DJK Waldbüttelbrunn (8./9:11) stiegen, hatte meist das Team aus dem westlichen Landkreis Würzburg die besseren Karten. Von bislang zwölf Vergleichen gewann achtmal Waldbüttelbrunn und nur zweimal der TSV Lohr, zweimal endeten Spiele unentschieden. Wenn es an diesem Samstag in der Lohrer Spessarttorhalle zum neuerlichen Aufeinandertreffen der unterfränkischen Kontrahenten kommt (Anwurf 19.30 Uhr), gehen diesmal allerdings die Gastgeber als Favorit ins Rennen. Allerdings sagt TSV-Spielertrainer Maximilian Schmitt: "Ich würde mir ungern die Favoritenrolle zuschieben lassen. Vor der Saison habe ich Waldbüttelbrunn zu den zwei besten Teams der Liga gezählt. Nur ist die Mannschaft bisher hinter ihren Möglichkeiten geblieben." Trotz Schmitts vorsichtiger Äußerung: Es gibt fünf Gründe, die für sein Team sprechen.

Der Trend

Für wen es im Moment besser läuft, ist kein großes Geheimnis. Die Lohrer, in den abgelaufenen beiden Runden jeweils nur denkbar knapp dem Abstieg entgangen, haben in dieser Spielzeit überrascht und sich bereits in der Hinrunde einen Sieben-Punkte-Vorsprung auf den möglichen Abstiegsplatz elf geschaffen. Waldbüttelbrunn war vor der Saison von vielen als Titelanwärter gehandelt worden, wurde diesen Erwartungen aber nicht gerecht. Von den letzten fünf Spielen gewann der TSV vier, Waldbüttelbrunn indes nur eine Partie (bei zwei Unentschieden). Der Trend spricht also klar für den TSV Lohr.

Die Vorbereitung

Dass die Sieger des Sommers im Winter gemacht werden, wenn diese in der kalten Jahreszeit eine Menge Schweiß in der Vorbereitung vergießen, ist eine Weisheit aus dem Reich der Radfahrer. Bei den Handballern ist das mitunter umgekehrt: Wer im Athletikaufbau im Sommer viel tut, der wird oft bei den Spielen im Winter belohnt. Wer mit Handballern des TSV Lohr spricht, der bekommt zu hören, dass die Vorbereitung im Sommer unter dem zu diesem Zeitpunkt neuen Spielertrainer Maximilian Schmitt enorm intensiv gewesen sei. Sie haben sehr viel getan und schöpfen Selbstvertrauen aus ihrer intensiven Arbeit. Beim Gegner lief indes vor der Saison nicht alles rund: Weil in Waldbüttelbrunn die Ballsporthalle gesperrt war, fielen Trainingseinheiten mit Ball flach. Die Folge war, dass zu Saisonbeginn die Abstimmung im Spiel bisweilen nicht passte und die Waldbüttelbrunner Mannschaft ihre spielerischen Möglichkeiten nicht ausschöpfte.

Matchwinner beim letzten Lohrer Heimsieg gegen Waldbüttelbrunn im November 2012: Yannick Bardina, damals 18 Jahre alt. Foto: Yvonne Vogeltanz

Der Heimvorteil

In der Vergangenheit war es für die Lohrer oft kein Vorteil, Derbys in eigener Halle zu spielen. Den letzten Heimsieg in einem Bayernligaduell mit Waldbüttelbrunn holte das TSV-Team am 17. November 2012. Vor 800 Zuschauern siegten die Gastgeber mit 30:26. Und auf Lohrer Seite war der damals 18-jährige Yannick Bardina mit zwölf Treffern der überragende Akteur. Seit dieser Saison spielt der Rückraumspieler aus Luxemburg allerdings für die DJK Waldbüttelbrunn. Dennoch hat sein neuer Verein in dieser Runde nur eines von vier Auswärtsspielen gewonnen. Dagegen haben die Lohrer in dieser Saison bislang bei allen drei Heimspielen gesiegt, auch ohne den Hauptdarsteller beim letzten Heimsieg gegen die DJK. Angesichts der langen Durststrecke vor eigenem Publikum macht Maximilian Schmitt klar: "Klar, wir wollen gewinnen. Es wird wieder Zeit für einen Heimsieg."

Lohrs Kapitän Lukas Horky äußert sich auf der Facebookseite des Vereins zum anstehenden Derby

Die Führungsspieler

Bei besagter 26:30-Niederlage der DJK am 17. November 2012 absolvierte Manuel Feitz sein allererstes Spiel in der ersten Waldbüttelbrunner Mannschaft. Der aus Württemberg stammende Regisseur entwickelte sich in den folgenden Jahren zur prägenden Figur im DJK-Spiel und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass das Team in den darauffolgenden Jahren dreimal Zweiter und dreimal Dritter in der Bayernliga wurde. Den Rücktritt des Spielmachers hat das Team bislang nicht kompensiert. Es fehlen Feitz' Ideen, seine Kreativität und seine Fähigkeit, seine Mitspieler mitzureißen. Der TSV Lohr hat dagegen zwei Führungsfiguren hinzubekommen. Mit Spielertrainer Maximilian Schmitt, zuvor lange Jahre in der Dritten Liga beim HSC Bad Neustadt aktiv, ist ein Akteur hinzugekommen, der Struktur in die Angriffsaktionen beim TSV bringt. Und hinten hält auf Lohrer Seite seit dieser Saison Carlos Prieto den Laden zusammen: Der 96-fache spanische Nationalspieler und dreimalige Champions-League-Gewinner ist mit seinen 2,03 Meter Körpergröße im Abwehrzentrum eine Bank. Zudem ist der 39-Jährige auch für die Chemie im Team wichtig: Auf dem Weg in die Halbzeitpausen nimmt sich der Routinier häufiger einmal junge Spieler zur Seite, um ihnen Tipps zu geben. Mit Prieto und Schmitt wirkt das TSV-Team gefestigter und handlungssicherer als zuvor.

Die Defensive

In der Saison 2012/13, aus der der letzte Heimsieg des TSV datiert, standen die Lohrer als Dritter letztmals vor der DJK Waldbüttelbrunn, die Fünfte wurde, in der Abschlusstabelle. In den darauffolgenden fünf gemeinsamen Bayernliga-Spielzeiten, die in der Runde 2015/16 nach dem Lohrer Abstieg in die Landesliga für ein Jahr unterbrochen wurden, lag die DJK jedes Mal vor dem TSV. Auffällig: In jeder dieser fünf Spielzeiten kassierte Waldbüttelbrunn viel weniger Gegentore als Lohr. In den fünf Runden insgesamt 215 Treffer weniger, was nahelegt, dass Abwehrstärke der Schlüssel zum Erfolg ist. In dieser Saison spricht die Defensivstatistik allerdings wieder für den TSV Lohr: Das Team kassierte im Schnitt 22,2 Gegentreffer, wogegen sich Waldbüttelbrunn durchschnittlich 24,4 Tore einfing.  "Wenn ich mir die Teams anschaue, denke ich, dass Waldbüttelbrunn individuell besser besetzt ist, wir aber im Augenblick mannschaftlich stärker sind", so der L0hrer Spielertrainer.

Aktuelles zum Spiel
Handball, Bayernliga Männer
TSV Lohr – DJK Waldbüttelbrunn (Samstag, 19.30 Uhr, Spessarttorhalle)
Möglich, dass es im Lohrer Team gegenüber dem 21:18-Sieg in Anzing vor knapp zwei Wochen zu personellen Veränderungen kommt: Kreisläufer Kevin Gehl ist angeschlagen. Ob er spielen kann, entscheidet sich erst kurz vor dem Anpfiff. Dafür könnten mit Theo Röder und Felix Wunn zwei Nachwuchsspieler ins Aufgebot rücken. "Beide können es in absehbarer Zeit in die Bayernliga schaffen. Und beide trainieren auch fleißig, die haben sich das verdient", so Lohr Spielertrainer Maximilian Schmitt.

Rückblick

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