FUSSBALL: KREISLIGA WÜ 2

Karlstadts Krisenmanager Jens Fischer hat viel Arbeit

Der Trainer des Kreisliga-Schlusslichts ist oft als Psychologe gefordert. Er muss die FV-Fußballer durch eine schwierige Zeit führen.
Seine Aufgabe ist in dieser Saison keine leichte: Jens Fischer, Trainer des FV Karlstadt. Foto: Yvonne Vogeltanz

"Ehrlich gesagt, habe ich es mir nicht ganz so schwer vorgestellt", gibt Jens Fischer auf die Bitte nach seinem Fazit nach rund fünfmonatiger Tätigkeit beim Fußball-Kreisligisten FV Karlstadt offen zu. Er habe sich erhofft, dass es ein bisschen besser läuft.

Enormer Aderlass

Denn die Situation bei den Kreisstädtern ist prekär. Bekanntermaßen ist der FV, der zu Beginn der letzten Runde einen enormen Aderlass zu verkraften hatte, sang- und klanglos aus der Bezirksliga abgestiegen. Nachdem der Coach der Vorsaison, Reiner Neumann, angekündigt hatte, dass er nicht mehr zur Verfügung stehe, waren die Verantwortlichen auf der Suche nach einem neuen Trainer in Jens Fischer fündig geworden. "Der Hauptgrund, weshalb ich zugesagt habe, war, dass der Verein nächstes Jahr 100 Jahre alt wird. Er leistet seit Jahrzehnten eine gute Jugendarbeit, wobei häufig nur die umliegenden Vereine davon profitieren", erklärt der 46-Jährige, der mit seiner Familie in Gambach lebt, seinen Beweggrund für das Engagement beim FV.

Im vergangenen Jahr hatte der erfahrene Coach, der im Aktivenbereich bereits beim TSV Wiesenfeld, bei der SpVgg Adelsberg und beim SV Hundsbach-Obersfeld tätig war, aber auch zwei Jahre lang erfolgreich die Frauen des FC Karsbach trainiert hatte, die U-19-Mannschaft des FV Karlstadt betreut, in der auch sein Sohn Jakob mitspielt.

Trotz des Abstiegs der ersten Karlstadter Mannschaft aus der Bezirksliga war dem Gambacher bereits im Vorfeld klar, dass die Aufgabe nicht einfach werden würde. Eine Annahme, die sich bestätigt hat: Nach 16 Spielen sitzt seine Mannschaft mit gerade einmal acht Punkten am Tabellenende fest, der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt vier Zähler.

Laufen als Ventil

Auf die Frage nach den Gründen für das schwache Abschneiden muss der 46-Jährige, der das Laufen in der Freizeit als wichtiges Ventil bezeichnet, nicht lange überlegen. "Die vor der Runde angekündigten Neuzugänge sind nicht alle gekommen oder waren teils nur kurz da", erklärt er. Zudem sei die Mannschaft noch nicht gefestigt. So habe er zahlreiche junge Spieler, die gerade erst aus der Jugend herausgekommen seien. "Die machen ein gutes Spiel, aber in einer gefestigten Mannschaft wäre das ganz anders", weiß der Gambacher und fügt an, dass er sein "Stammgerüst" noch nicht wie gewünscht habe aufbauen können. Dies liege daran, dass manche Führungsspieler nicht mehr zur Verfügung stehen, andere wiederum ihre Möglichkeiten noch nicht ausschöpfen würden.

Mit Torwart Kai Belz, der sich im Spiel gegen den TSV Karlburg II einen Kreuzbandriss zugezogen hat, und Serkan Dokkal (Muskelbündelriss) fallen zudem zwei erfahrene Akteure aus. Während Kai Belz an diesem Freitag operiert wird und der Zeitpunkt seiner Rückkehr noch völlig offen ist, hofft Fischer, dass Serkan Dokkal zur Vorbereitung auf die Rückrunde wieder an Bord ist. "Ich weiß, dass sich die Vorstandschaft um den einen oder anderen Spieler bemüht", berichtet Fischer und betont, dass er seitens der Vereinsführung volle Rückendeckung habe.

Spielender Co-Trainer in Karlstadt: Maksut Azizi (links), hier im Zweikampf mit Thorsten Maier vom SV Birkenfeld. Foto: Yvonne Vogeltanz

Freilich ist dem FV-Coach auch bewusst, dass die Motivation, zum Schlusslicht der Kreisliga zu wechseln, ziemlich gering ist. "Wichtig wäre, dass die Verletzten zurückkommen", erklärt Fischer, der mit Maksut Azizi einen spielenden Co-Trainer an der Seite hat. "Wir verstehen uns sehr gut. Er ist menschlich ein super Typ und seine Erfahrung ist sehr wertvoll", freut sich Fischer über die Zusammenarbeit mit dem 33-Jährigen, der vom Ligakonkurrenten FSV Esselbach-Steinmark in die Kreisstadt gewechselt ist. Gleichwohl sagt der Chefcoach über seinen spielenden Assistenten: "Oft ist er genauso ratlos wie ich."

Und was muss sich ändern? "Wir benötigen auf jeden Fall mehr Geschlossenheit und Stabilität in der Defensive", weiß der FV-Coach angesichts von 60 Gegentoren. Ihm sei jedoch durchaus bewusst, dass die Defensivarbeit nicht nur am Keeper und an der Abwehr festzumachen sei. Drei Partien stehen für den FV vor der Winterpause noch auf dem Programm, mit dem FV Gemünden/Seifriedsburg (Anpfiff: Sonntag, 14 Uhr, FV-Sportgelände am Baggertsweg) und dem SV Birkenfeld gleich zwei Hochkaräter der Liga. "Alles andere als eine Niederlage gegen Gemünden/Seifriedsburg wäre ein Wunder", gibt der Coach angesichts der Tabellensituation und der jüngsten 2:9-Niederlage seines Teams in Helmstadt an. Nun gelte es, mit Kampfgeist dagegenzuhalten und dem Tabellenführer die Lust am Fußball zu nehmen.

Das Sportgelände des FV Karlstadt am Baggertsweg

Als kleinen Hoffnungsschimmer sieht Fischer die Tatsache, dass auch der zuvor so souveräne Spitzenreiter zuletzt zu Hause beim 0:1 gegen den FSV Esselbach-Steinmark gepatzt hat. Wird er in den drei noch ausstehenden Begegnungen seinen Kader mit Nachwuchsspielern aus der U 19, die Tabellenzweiter in der Bezirksoberliga ist, auffüllen, die sich ja bereits in die Winterpause verabschiedet hat? "Darüber haben wir uns noch nicht unterhalten. Von der Größe des Kaders ist es nicht nötig, und ich weiß nicht, ob es gerade in dieser Phase sinnvoll ist", erklärt der Coach angesichts der Tabellensituation. Eine solche Maßnahme sei zielführender, wenn die Mannschaft vorne stehe.

Jens Fischer gibt zu, dass er derzeit viel Kopfarbeit mit seinen Spielern leisten müsse. "Es gilt, die Jungs immer wieder zu motivieren. Da ist nicht nur Fußballtraining, sondern viel Psychoarbeit gefordert", erklärt er, der zum einen beim Süddeutschen Kunststoffzentrum angestellt, aber freiberuflich auch als Coach und Mediator tätig und damit für die sportliche Aufgabe bestens prädestiniert ist. "Wir brauchen ein Erfolgserlebnis", bringt der FV-Trainer, bei dem in den nächsten Wochen Gespräche mit der Vereinsführung über eine weitere Zusammenarbeit geführt werden, die Situation auf den Punkt.

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