HANDBALL: BAYERNLIGA

Ivan Majics Handball-Abenteuer

Er fühlt sich in Lohr gut aufgenommen: Ivan Majic. Foto: Uli Sommerkorn

Das Verkehrsmittel, mit dem Ivan Majic dieser Tage im winterlichen Lohr anzutreffen ist, ist kein besonders komfortables. Mit dem Fahrrad nämlich macht der 22-Jährige sich morgens durch die Kälte auf zur Volkshochschule, wo vier Stunden Deutschunterricht auf dem Plan stehen. Seit Anfang Januar ist das montags bis freitags sein Programm. Denn der Kreisläufer will in Deutschland Handballprofi werden, möglichst in einer der zwei höchsten Ligen. Und da schadet es natürlich nicht, Sprachkenntnisse vorweisen zu können. „Mein Berater führt Verhandlungen. Wohin es geht, weiß ich noch nicht“, sagt Majic darauf angesprochen, zum welchem Verein er in der neuen Runde wechseln werde.

Premiere an diesem Samstag

Bis Saisonende steht er jedoch erst einmal beim Bayernligisten TSV Lohr unter Vertrag. An diesem Samstag feiert dieser im Heimspiel gegen HaSpo Bayreuth seinen Punktspieleinstand im Jahr 2019 (Anwurf 19.30 Uhr, Spessarttorhalle). Mit dem 1,97 Meter großen Majic verbinden sich die Hoffnungen des Bayernliga-Zwölften, am Saisonende doch noch den Klassenerhalt zu schaffen.

Dabei war vor wenigen Monaten noch gar nicht absehbar gewesen, dass der Kreisläufer den Weg nach Deutschland finden würde. Geboren ist er in der Hafenstadt Rijeka in der Kvarner Bucht, wo er unter anderem auch Wasserpolo gespielt hat und als 14-Jähriger zum Handball kam.

Früh in der ersten Liga

Am weiteren Fortgang seiner Laufbahn wird deutlich, welche Möglichkeiten der Sport in Kroatien bietet, aber auch, welche Probleme er dort hat. Bereits als 16-Jähriger schaffte Majic den Sprung in den Kader der ersten Mannschaft des heimatlichen Erstligaklubs RK Zamet und wurde technisch sowie athletisch gezielt gefördert. „Als ich kam, habe ich 84 Kilo gewogen. Nach einem Jahr waren es 96“, berichtet er. Schließlich bekam er auch immer mehr Spielanteile in der Erstliga-Mannschaft, warf sogar Tore im Europapokal-Wettbewerb, wurde Mitglied des Studentennationalteams.

Zu wenig finanzielle Mittel

Doch zahlreiche gute Handballer verlassen Kroatien. „Nur zwei oder drei Klubs arbeiten richtig professionell. In den anderen ist nicht genug Geld da, viele Spieler müssen nebenbei arbeiten gehen“, berichtet Ivan Majic. Auch er selbst stand irgendwann vor der Entscheidung: professioneller Handball oder nicht? Er stellte sich der Herausforderung. Zu Beginn dieser Saison unterbrach er sein Studium des Verkehringenieurwesens und wechselte zum slowenischen Erstligisten RK Dobova. Das schien insofern praktisch, weil der Ort nur etwas mehr als eine Autostunde von Ivan Majics Heimatstadt entfernt liegt und so der Kontakt zu Freunden und Familie erhalten blieb.

Das Problem bei der Sache: Auch in dem slowenischen Verein gab es wirtschaftliche Probleme, nach nur vier Monaten fand Majics Engagement im Nachbarland schon wieder ein Ende. Sein nächstes Ziel lautete: Deutschland. Und seine erste Station ist nun für gut vier Monate Lohr.

Wie aus Filmen

„Es ist schon ein Abenteuer“, sagt der 22-Jährige und ergänzt beim Blick auf die Lohrer Altstadt: „Das ist so, wie man Deutschland aus Filmen kennt. Ich mag das.“

Seine Unterkunft hat er übrigens mit Familienanschluss. Er wohnt bei Ludwig Scheiner, dem früheren Handball-Abteilungsleiter, dessen Söhne Tom und Jonas in der ersten Mannschaft spielen und ihrem neuen Teamkollegen natürlich in vielen Bereichen bei der Eingewöhnung helfen können. Die Atmosphären in der Stadt und im Verein empfindet Ivan Majic als positiv: „Die Leute sind offen und entspannt. Ich habe noch kein böses Gesicht gesehen“, sagt der Lohrer Neuzugang, der sich gegenwärtig noch vor allem auf Englisch verständigt. Doch sein deutscher Wortschatz wächst. „Strafwurf“, antwortet er auf die Frage, welches deutsche Wort sich ihm besonders eingeprägt habe.

Der Trainer als Helfer

Eine Hilfe ist ihm auch sein Trainer Mirko Pesic, der wie er aus Kroatien stammt. „Ich kannte ihn vorher nicht. Schließlich ist er schon lange in Deutschland“, sagt Majic über seinen neuen Coach. Doch Mirko Pesic könne ihm, wenn Dinge einmal etwas komplizierter seien, diese gut erklären.

Doch auch wenn sich Ivan Majic in Lohr gut angenommen fühlt, so vermisst er dennoch einiges. So etwa seine Freunde, das Meer, an dem er aufgewachsen ist, und auch die Kochkünste seiner Mutter, besonders deren im Ofen zubereitete Kartoffeln mit Speck. „Ich habe das selbst auch schon probiert zu machen. Aber so gut wie meine Mutter kriege ich das nicht hin“, erklärt Majic.

Und nicht zuletzt vermisst er auch sein Auto. Das will er allerdings irgendwann nach Deutschland nachholen. Doch bis das geschehen ist, geht es weiter mit dem Fahrrad durch Lohr.

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