HANDBALL

Warum Lohrs Torhüter ein echtes Team sind

Tamas Szabo und Tom Scheiner haben ihre Zusage gegeben, auch in der kommenden Saison für den Handball-Bayernligisten zu spielen. Über ein Duo, das an einem Strang zieht.
Torhüter Tamas Szabo hat für die kommende Spielzeit in Lohr zugesagt, es wäre dann bereits die siebte Spielzeit des Ungarn beim TSV. Foto: Yvonne Vogeltanz

Es ist der 26. Oktober 2019, ein Samstagabend in der Rimparer Dreifachhalle. Im Handball-Bayernliga-Spiel zwischen der heimischen Zweitliga-Reserve und dem TSV Lohr scheitert der Rimparer Maximilian Wirth mit seinem Wurf wenige Sekunden vor Schluss an Torhüter Tom Scheiner, der damit den 23:22-Vorsprung der Gäste festhält. Die ersten jubelnden Gratulanten, die Scheiner umarmen, sind Spielertrainer Maximilian Schmitt und der von der Bank kommende Tamas Szabo. Mit letzterem also just jener Torwartkollege, der 20 Minuten zuvor seinen Platz zwischen den Pfosten für Scheiner hatte räumen müssen.

Die letzten Sekunden des Lohrer Spiels in Rimpar

Szabos Geste ist eine, die zwischen Keepern, die um ihren Platz auf dem Spielfeld konkurrieren, nicht immer üblich ist. Mitunter sind die Konkurrenzkämpfe erbittert: Auf der Bank sitzende Schlussmänner warten nur auf Fehler der Konkurrenten, um selbst eingewechselt zu werden. Oder sie wirken ziemlich unfroh bei Paraden des anderen. Verhaltensweisen, die dem Teamgeist wenig zuträglich sind. Bei Szabo und Scheiner ist das anders: Da gönnt einer dem anderen etwas, wie die Szene aus dem Oktober 2019 zeigt.

"Tamas und ich sind von Anfang an sehr gut miteinander ausgekommen", berichtet der 25-jährige Scheiner über das Verhältnis zu seinem 13 Jahre älteren Teamkollegen, der im Jahr 2014 vom ungarischen Erstligisten PLER Budapest nach Lohr gekommen war. Beide Keeper werden auch an diesem Samstag beim Heimspiel gegen die SG Regensburg, das um 19.30 Uhr in der Spessarttorhalle angepfiffen wird, das Lohrer Torhütergespann bilden. Und sie werden es auch in der kommenden Saison tun, denn beide haben in dieser Woche ihre Zusage für die Runde 2020/21 gegeben.

"Wir teilen uns Jahr für Jahr das Zimmer bei Trainingslagern. Wir unterstützen uns beide auf dem Spielfeld ungemein. Meist freut sich der, der auf der Bank sitzt, über einen gehaltenen Ball fast mehr als der, der spielt", so Scheiner. Probleme, wenn einer vom Trainer in die Anfangsformation beordert worden war und der andere auf die Bank musste, habe es bislang nie gegeben. "Wir wollen beide nur das beste Ergebnis fürs Team", so Scheiner.

Er lernt von seinem Torwartkollegen Tamas Szabo, fordert ihn aber auch: Tom Scheiner vom TSV Lohr. Foto: Uli Sommerkorn

Das heißt aber nicht, dass der eine dem anderen bereitwillig den Platz überlässt. "Im Training ist der Konkurrenzkampf zwar hoch, da jeder von uns spielen möchte", berichtet Scheiner. Gleichwohl könne er viel von seinem Kollegen Szabo lernen, der ja langjährige Erstliga-Erfahrung aus Ungarn mitbringt. Zudem wirkten sich die Übungseinheiten mit Torwarttrainer Frank Hofstötter positiv aus. Denn der 56-Jährige war langjähriger Bundesliga-Keeper und hat sogar zehn Länderspiele bestritten. "Das Training mit Frank hat beide noch einmal einen Schritt nach vorne gebracht", bemerkt TSV-Spielertrainer Maximilian Schmitt. "Ich glaube nicht, dass irgendein Verein in der Dritten Liga derart gute Voraussetzungen beim Torwarttraining hat wie der TSV Lohr."

39 Prozent gehaltene Bälle

Schmitt hat seine Keeper einmal "als bestes Duo der Bayernliga" bezeichnet. Er ergänzt: "Das war nicht einfach so dahingesagt. Zahlen belegen das. Meine beiden Keeper kommen zusammen auf eine Quote von 39 Prozent gehaltener Bälle. Der nächste Bayernliga-Keeper in dieser Rangliste hat nur 33 Prozent."

Szabo war seit seinem Wechsel nach Lohr vor fünfeinhalb Jahren eine feste Größe gewesen. Die Laufbahn seines Kollegen Scheiner wurde bislang schon von schon von zwei schweren Hüftoperationen unterbrochen, doch beide Male kämpfte sich das Lohrer Eigengewächs zurück ins Team. Auch Spielertrainer Schmitt lobt das gute Zusammenspiel seiner Schlussmänner: "Tom nimmt unheimlich viele Dinge von Tamas an, er lernt von ihm. Es gibt aber auch eine gesunde Konkurrenz. Tamas hat gemerkt, dass ein Torwart da ist, der ihn fordert. Ich glaube, er war lange nicht mehr so fit wie in dieser Saison." So hat der Spielertrainer die Qual der Wahl zwischen zwei starken Keepern. Auch an diesem Samstagabend, wenn die Partie gegen Regensburg angepfiffen wird.

Handball, Bayernliga Männer
TSV Lohr – SG Regensburg (Samstag, 19.30 Uhr, Spessarttorhalle)
Wenn die Lohrer (6./16:10) die SG Regensburg (8./13:13) empfangen, ist im Team der Oberpfälzer mit Steffan Meyer auch ein früherer TSV-Spieler dabei. Der Spielmacher ist einer von zahlreichen starken Neuzugängen, die die SG vor Saisonbeginn verstärkt haben. Allerdings reichte es nicht zu einem Platz ganz vorn. Auch, weil die Regensburger seit November kein Bayernliga-Spiel mehr gewonnen haben. Im Hinspiel im Oktober, als die Oberpfälzer Lohr mit 26:22 besiegten, war es um die Form des SG-Teams noch besser bestellt. Damals spielten die Regensburger über 60 Minuten mit einer Manndeckung gegen TSV-Spielertrainer Maximilian Schmitt. Ein taktischer Schachzug, der erfolgreich war, auf dessen erneute Anwendung sich die Lohrer fürs Rückspiel aber vorbereitet haben.

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