Fußball

Thomas Löhn: Vom Reservisten zum Hoffnungsträger

Fünf Tore in einem Spiel: Thomas Löhn, hier noch im Trikot des SV Altfeld. Foto: Ernst Dürr

Es klingt schon kurios: Eine Mannschaft startet schlecht in die Saison und hängt auf den Abstiegsplätzen fest. Die Stimmung in der Mannschaft ist nach sechs Spieltagen und nur drei Punkten auf der Habenseite bescheiden, die Trainingsbeteiligung mies – bis der Trainer frustriert das Handtuch wirft. Anschließend geht es aufwärts. Die Disziplin wird genauso wie die Leistungen wieder besser. Und ein Spieler, der bisher nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kam und den kaum keiner kennt, trifft bei seinem Startelf-Debüt in der ersten Mannschaft fünfmal. Passiert ist das alles beim FSV Esselbach-Steinmark in der Kreisklasse Würzburg 4.

„Der Tag des Thomas Löhn!“, steht gut sichtbar auf der Startseite der Homepage des FSV Esselbach-Steinmark geschrieben. Er war es gewesen, der am vergangenen Wochenende beim 6:3-Sieg in Urspringen fünfmal ins Schwarze traf und in der ersten Halbzeit innerhalb von nur 18 Minuten einen Hattrick zu Stande brachte. Es waren seine ersten Saisontore in der ersten Mannschaft überhaupt – zuvor kam er eher bei der Reserve zum Einsatz.

„Er ist ein überragender Kicker, aber in der Zeit, in der ich Trainer war, kam er nur zweimal zum Training. Ich hatte einfach keinen Zugriff auf ihn. Wer nicht trainierte, hat auch nicht gespielt“, erläutert Ex-Spielertrainer Alexander Mann, der bis Anfang September beim FSV die sportlichen Geschicke leitete, warum Löhn so selten zum Einsatz kam. Da es auch andere mit dem Training und der nötigen Einstellung offensichtlich nicht so genau nahmen, warf Mann die Brocken schließlich frustriert hin.

„Wir wollten den Trainer behalten“, versichert Sportleiter Carsten Beck, der seit Manns Abgang auch als Trainer fungiert. Seit der Trennung gehe es aber wieder aufwärts. „Dennoch will ich keinem unterstellen, dass er gegen den Trainer gespielt hat“, sagt Beck. So oder so war die Einstellung gegen Urspringen die richtige. Die Gastgeber hatten nicht den Hauch einer Chance und verloren am Ende mit 3:6, wodurch die Gäste die Abstiegsplätze verlassen konnten.

„Ich bin mir sicher, dass wir nicht absteigen werden“
Thomas Löhn, Fußballer des FSV Esselbach-Steinmark

„Es ist nicht ganz einfach bei Thomas Löhn, weil er oft auf Montage ist und nicht zum Training kommen kann. Ich setze auf das Verständnis der anderen, wenn er auf Grund seiner Stärken trotzdem spielt“, sagt Beck. Vor dem Tor eiskalt sei der 21-Jährige, der seit knapp einem Jahr für den FSV spielt, davon aber gut zwei Monate verletzt ausfiel.

Der Heimatverein des Metallbauers ist zwar der SV Altfeld, aber weil er sich nicht sicher war, ob er sich in der höheren Liga durchsetzen könnte, suchte sich Löhn lieber einen neuen Verein und wurde in Esselbach und Steinmark fündig. „Die Mannschaft hat mir sofort gefallen. Ich stehe voll hinter ihr und tue alles für sie. Die anderen nehmen mich einfach so, wie ich bin“, sagt Löhn, der einen sehr selbstbewussten Eindruck macht. „Früher habe ich als letzter Mann gespielt, aber weil meine Spielübersicht so gut ist, bin ich nach vorne gerutscht und dort geblieben“, sagt der Fünffachtorschütze, der sich als echter Zehner und weniger als Stürmer sieht. Mit dem alten Trainer sei er nie „warm geworden“, mit dem neuen hofft er jetzt auf einen Aufschwung beim Tabellenzehnten. „Ich bin mir sicher, dass wir nicht absteigen werden, auch wenn es schwer wird und die Spieler Angst haben“, sagt Löhn.

Angst wird der ungeschlagene Tabellenführer TV Marktheidenfeld, der am kommenden Sonntag beim FSV zu Gast ist, vielleicht nicht gerade vor Löhn haben. Allerdings habe Gäste-Trainer Sebastian Gerlich schon probiert, sich über den Fünffachtorschützen zu informieren.

Als Manko bleibt allerdings die eher seltene Anwesenheit des gebürtigen Marktheidenfelders beim Training, da er beruflich bedingt oft nicht früh genug dort sein könne. Dass sich sein Husarenstreich vom vergangenen Wochenende wiederholt, ist eher unwahrscheinlich. Sollten Punkte dabei rausspringen, gäbe man sich beim nur einen Zähler vom Direktabstieg entfernten FSV aber sicherlich auch mit weniger Löhn-Toren zufrieden.

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