HANDBALL

Lohrs neuer Trainer geht neue Wege

Wie Maximilian Schmitt mit seiner Rolle beim Bayernligisten zurechtkommt und wie die Arbeitsteilung während der Spiele ist, verrät der 27-Jährige im Interview.
Sein letztes Spiel als Aktiver absolvierte Maximilian Schmitt (vorne) im Trikot des HSC Bad Neustadt. Wenn seine Verletzung überwunden ist, will er auch für den TSV Lohr wieder aktiv ins Geschehen eingreifen. Foto: Anand Anders

Maximilian Schmitt ist ein handballerisches Eigengewächs des TSV Lohr, hat aber auch schon anderswo sportliche Erfahrungen gesammelt. So als Jugendlicher im Handballleistungszentrum Großwallstadt oder beim HSC Bad Neustadt, für den er sieben Jahre lang als Spielmacher in der Dritten Liga aktiv war und für den er zudem eine Bayernliga-Saison absolvierte. Während dieser zog er sich im Dezember 2018 eine schwere Knieverletzung zu, wegen der er operiert werden und seine aktive Laufbahn unterbrechen musste. Als der HSC im Frühjahr seinen Vertrag nicht verlängerte, entschied er sich zu einer Rückkehr zu seinem Heimatverein, der just einen Trainer suchte. Schmitt absolviert indes gerade seine B-Trainer-Ausbildung. Nun hat der 27-Jährige in Lohr seine erste Saisonvorbereitung als Aktivencoach hinter sich, will aber demnächst auch wieder selbst aufs Spielfeld zurückkehren. Schmitt wohnt mittlerweile wieder in seiner Heimatstadt und hat als Beamter auf Probe eine Stelle als Grundschullehrer im nahen Flörsbachtal angetreten.

Frage: Sie sind mit nur 27 Jahren vom Spieler beim HSC Bad Neustadt zum Trainer beim TSV Lohr geworden. Was war bei der neuen Aufgabe das Überraschendste?

Maximilian Schmitt: Es überrascht einen, wie man sich persönlich weiterentwickeln muss. Das liegt wohl daran, dass man zusätzliche Aufgaben übernimmt, zum Beispiel bei Organisation und Trainingsplanung. Man muss sich schon vor dem Training wesentlich mehr mit der Sache beschäftigen und nicht erst, wenn man die Halle betritt.

Als Lohrer sind Sie ja mit vielen Ihrer Spieler befreundet oder zumindest bekannt. Wie gelingt der Rollenwechsel, in der Halle der Chef und außerhalb wieder der Kumpel zu sein?

Schmitt: Das birgt wirklich ein gewisses Risiko. Aber dadurch, dass mir die Jungs, zumindest im Augenblick, höchsten Respekt zollen, fällt die ganze Sache nicht so schwer. Aber natürlich muss ich es im Auge haben, wie sich das entwickelt, wenn wir mal ein Spiel verlieren. Wir haben aber auch vorher Gespräche über dieses Thema geführt. Und diese Gespräche haben mir ein gutes Gefühl gegeben.

Ein Bild aus dem Jahr 2011: Maximilian Schmitt als damals 20-jähriger Spielmacher beim TSV Lohr. Foto: Yvonne Vogeltanz
Welche Impulse haben Sie als neuer Trainer gesetzt?

Schmitt: Wir haben die Häufigkeit des Trainings gesteigert und viel an der Physis gearbeitet. Dabei sind wir auch neue Wege gegangen und haben viel individuell trainiert. Durch die Zusammenarbeit mit Polar (ein finnischer Hersteller von Sport-Uhren mit Messung der Herzfrequenz, Anm. d. Red.) bekomme ich genaue Informationen, wie weit jeder Spieler ist und wo er noch arbeiten muss. Außerdem habe ich versucht, meine Spielphilosophie zu vermitteln. Die beinhaltet, dass wir mit viel Tempo spielen und großen Wert auf die Abwehrarbeit legen. Das ist schon deshalb nötig, weil wir nicht die Riesen haben, die aus dem Rückraum haufenweise Tore erzielen.

Wo liegen die Probleme bei der Mannschaft?

Schmitt: Probleme sehe ich noch beim statischen Angriffsspiel. Da braucht es noch etwas Zeit, bis wir das umsetzen können, was ich erwarte. Wir gehen noch zu viel parallel und zu wenig in die Tiefe. Also dahin, wo es weh tut.

Wer sind Ihre Hauptansprechpartner auf und neben dem Spielfeld?

Schmitt: Zum einen Lukas Horky, der von den Spielern zum neuen Kapitän gewählt worden ist. Daneben gibt es einen Mannschaftsrat, mit dem ich mich austausche, wenn Dinge besprochen werden müssen oder wenn es Probleme gibt. Daneben spreche ich viel mit meinem Co-Trainer Milan Kralik und mit Carlos Prieto (spanischer Neuzugang, der dreimal Champions-League-Sieger war, Anm. d. Red.). Die beiden haben unglaublich viel Erfahrung und können mir wichtige Dinge vermitteln.

Wo steht das Lohrer Team im Augenblick?

Schmitt: Das ist ganz schwierig zu sagen angesichts der vielen personellen Änderungen in dieser Saison. Außerdem haben wir ein schwieriges Auftaktprogramm. Die Jungs haben sich ein Ziel gesetzt, an dem sie am Ende gemessen werden. Sie haben Partie für Partie unterschieden zwischen Muss- und Kann-Spielen. Am Ende ist eine Punktzahl herausgekommen. Wir vom Trainerteam haben dasselbe gemacht, und dann haben wir über unsere Ergebnisse diskutiert. Wo das Ziel letztlich liegt, das wir gemeinsam vereinbart haben, bleibt aber unter uns.

Fragen an Maximilian Schmitt: Bier oder Wein? Malle oder Sylt?

Wie ist die Arbeitsteilung mit Milan Kralik vorgesehen, der als Co-Trainer ja ausschließlich auf der Bank wirken soll?

Schmitt: Sobald ich das Spielfeld betrete, hat er auf der Bank das Sagen. Ich glaube nicht, dass das als echter Spielertrainer in dieser Klasse funktioniert. So kann ich mich ausschließlich auf mein Spiel konzentrieren.

Wann klappt’s denn wieder mit dem ersten eigenen Einsatz auf dem Spielfeld?

Schmitt: Ich bin im Augenblick noch in der Testphase. Das geht über 15, 20 oder 30 Minuten, um zu sehen, was das Knie aushält. Dazu stehe ich in Kontakt mit meinen Ärzten und Therapeuten. Ich denke, ich bin auf einem guten Weg. Mein Ziel ist es, zum fünften Saisonspieltag, wenn nicht bei 100 Prozent, aber zumindest bei 90 Prozent zu sein.

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