Lohr

Nachwuchs-Teams im Hallensport: Der Coronafrust ist groß

Neuerliche Trainings- und Wettkampfpause sowie die Furcht davor, dass Kinder und Jugendliche nicht zurückkommen. Das sagen Vereinsvertreter aus der Region zur aktuellen Lage.
Dieses Bild aus der Halle der TG Würzburg symbolisiert die gegenwärtige Situation: Corona mit allen Konsequenzen, wie das Maskentragen, prägt die Szenerie. Nachwuchs-Basketballer können derzeit ihre Sportschuhe in Hallen nicht schnüren.
Foto: Heiko Becker | Dieses Bild aus der Halle der TG Würzburg symbolisiert die gegenwärtige Situation: Corona mit allen Konsequenzen, wie das Maskentragen, prägt die Szenerie.

Nein, unbeschwert waren die vergangenen zwölf Monate für Sportler wahrlich nicht. Zwangspausen des Trainings- und Wettkampfbetriebs während der Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 und wiederum über die Jahreswende bis zum heutigen Tag. In der Zeit dazwischen Training nach strengen Hygieneregeln und der Versuch eines Wiedereinstiegs in den Wettkampfbetrieb, der von Sportart zu Sportart als unterschiedlich gut gelungen zu bezeichnen ist.

Besonders schwer hatten es Vertreter von Mannschaftssportarten in der Halle im Allgemeinen und hier Kinder und Jugendliche im Besonderen: Sie durften im Sommer später als die Kollegen im Freien wieder mit dem Training beginnen, in aller Regel fingen die Erwachsenen-Teams vor den Jugend-Mannschaften an. Und als Anfang November erneut Corona-Beschränkungen in Kraft traten, war für sie eine Runde schon wieder zu Ende, die kaum oder in vielen Fällen noch gar nicht begonnen hatte. Zahlreiche Nachwuchsteams haben nach dem ersten Lockdown im Frühjahr noch kein einziges Punktspiel bestritten. Ob die unterbrochene Saison für sie weitergeht, ist derzeit völlig offen. Von dieser Redaktion befragte Trainer und Funktionäre geben sich auch wenig hoffnungsfroh, dass sie in absehbarer Zeit wieder loslegen dürfen.

Er hofft auf einen Wiederbeginn im Frühjahr: Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.
Foto: Tom Weller/dpa | Er hofft auf einen Wiederbeginn im Frühjahr: Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Vertreter von Verbänden äußern bereits die Befürchtung, dass der Sport hierzulande durch die gegenwärtige Situation langfristig schweren Schaden nehmen könnte. Der Bayerische Landessport-Verband (BLSV) rechnete Ende vergangenen Jahres vor, dass den Sportvereinen im Freistaat wegen der Lage bis zu 100 000 Mitglieder verloren gehen könnten. Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hatte erklärt: Die Vereine als "soziale Tankstellen des Landes funktionieren im Moment nur bedingt". Angesichts der an diesem Dienstag beschlossenen Verschärfung und Verlängerung des Lockdowns sagte der DOSB-Präsident, er hoffe, "dass wir spätestens nach Ostern schrittweise wieder in das aktive und bewegte Sporttreiben in allen Sportarten einsteigen können". Spätestens im Sommer sollten wieder Zuschauer in Hallen und Stadien dabei sein können, wünscht sich Hörmann.

Für Funktionäre und Trainer, die sich in der Region um Hallen-Nachwuchsteams kümmern und die von dieser Redaktion befragt wurden, ist ein solches Szenario derzeit weit weg. "Der Frust ist jetzt größer als im Frühjahr, weil es keine Perspektive gibt. Damals stand die Möglichkeit im Raum, dass man irgendwann zumindest wieder im Freien Beachvolleyball betreiben kann. Das ist jetzt anders. Es zieht sich von Monat zu Monat, und keiner weiß, wann es endet", sagt Stefan Sebold, der Volleyball-Abteilungsleiter beim TSV Eibelstadt ist. Das Wort "Frust" fällt auch häufig in Gesprächen mit Verantwortlichen von Basketball- oder Handball-Jugendteams. 

Jüngere Jahrgänge brechen weg

Sollte irgendwann wieder Sport unter normalen Bedingungen möglich sein, wartet auf die Volleyball-Abteilung in der Winzergemeinde im Landkreis Würzburg eine Menge Arbeit in Sachen Neuaufbau: "Uns sind schon während des ersten Lockdowns im Frühjahr Kinder verlorengegangen, speziell in den unteren Altersklassen U 12, U 13 und U 14. Da müssen wir, wenn es irgendwann weitergeht, wieder bei Null anfangen", berichtet Sebold. Bei den älteren Jugend-Jahrgängen sieht es zumindest besser aus. "Da merkt man wirklich, dass die Jugendlichen wirklich spielen und trainieren wollen", so der Abteilungsleiter. Trainer stellten Fitnessvideos zur Verfügung. Dazu gibt es Besprechungen und Diskussionen per Videokonferenz über taktische Inhalte, also regelmäßige Termine für ein virtuelles Beisammensein, die nicht nur Wissen vermitteln sollen, sondern auch Gemeinschaft stiften.

Aktive Basketballerin und engagierte Jugendtrainerin: Eva Barthel vom TV Marktheidenfeld.
Foto: Philipp Lorenz | Aktive Basketballerin und engagierte Jugendtrainerin: Eva Barthel vom TV Marktheidenfeld.

Die Einschätzung, dass es besonders schwierig sei, Jungen und Mädchen der jüngeren Jahrgänge bei der Stange zu halten, teilt auch Eva Barthel. Die Basketball-Regionalliga-Spielerin trainiert bei ihrem TV Marktheidenfeld die Jugendjahrgänge U 14, männlich und weiblich, und koordiniert die Nachwuchsarbeit der gesamten Abteilung, ohne dafür ein offizielles Amt auszuüben. "Bisher gab es keine Abmeldungen, aber man muss schauen, wer auftaucht, wenn es wieder losgeht. Natürlich ist möglich, dass der ein oder andere nicht mehr kommt", fasst Barthel zusammen.

Schwierig sei es, die Motivation hochzuhalten, wenn man allein mit dem Ball trainieren müsse, im Basketball-Jargon "Ballhandling" genannt. "Aber ich gehe davon aus, dass ein Großteil dabeibleibt. Viele warten ja auch regelrecht drauf, dass es wieder losgeht", gibt sich die frühere Zweitliga-Korbjägerin verhalten zuversichtlich.

Mit einem blauen Auge davongekommen

Ähnlich äußert sich Jan Seume, ehemaliger Vereinsvorsitzender der DJK Schweinfurt und nun  Basketball-Abteilungsleiter: "2020 sind wir mit einem blauen Auge davongekommen. Die Zahl der Austritte ist nicht so dramatisch. Aber da wir nicht wissen, wie lange sich das alles noch so hinziehen wird, ist die weitere Entwicklung schwer vorherzusagen." Auch bei der DJK, die vor allem über männliche Basketball-Jugendteams verfügt, versuchen Trainer mit den Fitnessvideos vom Verband für etwas Aktivität bei ihren Schützlingen zu sorgen. "Aber, was ich von meinen Trainern gehört habe, ist, dass die Motivation vor einem Dreivierteljahr größer war. Da war das Videotraining etwas Neues. Jetzt kommt immer häufiger der Frust durch", berichtet Seume. Immerhin, so stellt er fest, habe das vergangene Jahr seine Abteilung nicht in große wirtschaftliche Schwierigkeiten gestürzt: "Wir sind froh, dass wir die erhöhte Vereinspauschale erhalten haben, die hilft uns, wenn Einnahmen wegfallen."

Hinzu komme, dass in Zeiten wie diesen auch die Ausgaben niedriger als sonst seien. "Es fällt zum Beispiel keine Hallenmiete an", berichtet Mirko Wagenhäuser, der die Handball-Abteilung des TV Königsberg leitet. Die Handballer aus dem Landkreis Haßberge tragen üblicherweise ihre Heimspiele in der acht Kilometer entfernten Kreisstadt Haßfurt aus und zählen mit zwei Männer- und drei Jugendteams (männliche A- und D-Jugend sowie Minis) eher zu den verhältnismäßig "kleinen" Vereinen im Bezirk.

"Alles liegt auf Eis"

"Eigentlich liegt bei uns derzeit alles auf Eis. Bisher weiß ich nichts von Abgängen in den älteren Jahrgängen, das ist ein eingeschworener Haufen. Bei den Kleinen muss man erst einmal sehen, wer danach wieder kommt. Da hatten wir vor dem ersten Lockdown großen Zulauf. Aber ich bin zuversichtlich, dass es danach gut weitergeht", versichert Wagenhäuser. Natürlich fehlten auch Einnahmen, zum Beispiel bei Heimspielen oder durch Aktivitäten beim Pfingstfest. "Bei solchen Festen geht es aber nicht allein um die Einnahmen, sondern auch darum, etwas gemeinsam zu tun. So etwas fehlt zurzeit sehr", sagt Wagenhäuser. Wichtig sei es, klarzumachen, dass die Abteilung trotz des gegenwärtigen Lockdowns noch da sei. Etwa wenn Erwachsene eine Weihnachtsfeier per Videokonferenz abhielten oder wenn die Abteilung T-Shirts an Kinder und Jugendliche verteile.

Eine Nummer größer ist die Handball-Abteilung beim TSV Lohr: Acht Jugend- und vier Aktiventeams, darunter eine erste Männer-Mannschaft in der Bayernliga, deren Heimspiele im Schnitt 500 Zuschauer sehen, gibt es in der mit knapp 16 000 Einwohnern größten Stadt im Landkreis Main-Spessart. "Dafür, dass gemeinsames Training stattfindet, dafür sorgen die jüngeren Leute aus unserer Abteilung", berichtet Ludwig Scheiner, langjähriger Abteilungsleiter und nunmehr Trainer der männlichen C-Jugend.

Dem Engagement von Florian Leusser aus der Jugendleitung und Maximilian Schmitt, Trainer der ersten Mannschaft, sei es zu verdanken, dass es gemeinsame Online-Übungseinheiten gebe, an denen nicht nur Spieler aus den Aktiventeams, sondern auch Jugend-Handballer teilnehmen können. "Meine Jungs aus der C-Jugend machen da gut mit. Insgesamt sind bei den Einheiten im Schnitt rund 50 Leute dabei", berichtet Ludwig Scheiner. Für die Jugendlichen sei es dabei eine zusätzliche Motivation, gemeinsame Einheiten mit den "Großen" zu absolvieren.

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Daneben legen sie sich in Lohr ins Zeug, das Miteinander irgendwie aufrechtzuerhalten. So wurde Ende vergangenen Jahres allen Jugend-Handballern von den Spielern der ersten Mannschaft persönlich eine kleine Weihnachtsüberraschung persönlich nach Hause gebracht. Alles, um positive Zeichen in der gegenwärtigen Durststrecke zu setzen. Gleichwohl könnte Corona die Lohrer Handballer noch viel länger beschäftigen als viele andere Vereine. Ist doch ihre Trainingsstätte, die Spessarttorhalle, Corona-Impfzentrum für den Landkreis Main-Spessart. Und bis die Impfungen abgeschlossen sind, dürfte es noch geraume Zeit dauern. Daher könnte es sein, dass sich die Lohrer dann noch in andere Trainingsstätten ausweichen müssen, wenn anderswo längst wieder der Normalbetrieb läuft.

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