Showdown – das Gespür für eine neue Sportart

Augen zu und durch: Showdown, das schnelle Spiel für jedermann/frau, wurde in der Aula der Blindeninstitutsstiftung von Torsten Resa (Mitte) Pädagogen der Stiftung vorgestellt.
Augen zu und durch: Showdown, das schnelle Spiel für jedermann/frau, wurde in der Aula der Blindeninstitutsstiftung von Torsten Resa (Mitte) Pädagogen der Stiftung vorgestellt. Foto: Thomas Obermeier

Und plötzlich wird es dunkel. Ich sehe nichts mehr. Ich höre zwar, wie der Ball rasselt, ich spüre auch, wie die Kugel auf meinen Schläger prallt, aber ich habe nicht die leiseste Ahnung, wo das Tor steht. Ich spiele gerade das allererste Mal „Showdown“.

Showdown, auch Tischball oder Blindentischtennis genannt, ist eine in Deutschland ziemlich neue Sportart. Überwiegend wird sie von blinden oder sehbehinderten Sportlern betrieben. Weil ich mir eine schwarze, völlig undurchsichtige Augenbinde umschnalle, darf ich mitmachen. Meine Ausrüstung besteht aus einem Handschuh, der stark einem überstülpbaren Topflappen ähnelt (ich erfahre später, dass es einer ist) einem Holzschläger, der aussieht wie ein überdimensionaler Kuchenschaber und einem gelben Plastikball, der mit Kügelchen gefüllt ist und sich anhört wie eine Kinderrassel. Nur gut, dass ich nicht sehe, wie ich aussehe.

Ein wenig skeptisch stehe ich diesem Showdown gegenüber. Weltmeisterschaften soll es schon geben, Ligabetrieb in Holland, Schweden, Finnland, Tschechien. Nö, kann ich mir nicht vorstellen.

Nicht mal zwei Minuten später fühle ich mich mittendrin im Match. In mir reift der Plan, sofort Weltmeister zu werden. Irre, ich sehe nichts, aber ich treffe den Ball. Innerlich grinse ich, weil ich mir gerade vorstelle, dass ich viele Menschen kenne, die zwar sehen können, aber den Ball trotzdem nicht treffen. Ganz so leicht ist das hier aber wirklich nicht: Der Spieltisch hat in etwa die gleichen Maße wie eine Tischtennisplatte (knapp 280 cm lang und 160 cm breit), besitzt aber abgerundete Ecken und eine 14 cm hohe Bande.

Auf beiden Endseiten gibt es je ein Tor, das durch eine quadratische Öffnung in der Bande und ein halbrundes Loch in der Tischplatte markiert wird. Anstelle eines Netzes ist überhalb der Bande eine vertikale Platte angebracht. Der Rasselball muss unter der Bande hindurch mit dem Holzschläger geprügelt werden.

Gehör und Gefühl sind gefragt. Überraschenderweise geht es ziemlich schnell, die Orientierung zu finden. Ich höre den Ball anrauschen und schon ist meine Hand auf der richtigen Seite. Na gut, der etwas harte Ball klebt nicht am Schläger, er patscht auf die Hand. Tut aber nicht weh, weil ich ja den Topflappen umhabe.

„Die Sportler nehmen Motorradhandschuhe, da haben sie mehr Gefühl.“

Torsten Resa, Referent beim Blinden- und Sehbehindertenverband

Torsten Resa vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) erzählt, dass der Topfhandschuh in den richtigen Wettbewerben nicht eingesetzt wird: „Die Sportler nehmen Motorradhandschuhe, da haben sie mehr Gefühl“. Gehör ist auch wichtig – deshalb sind die blinden Sportler nicht so ganz glücklich mit den neuen gelben Bällen: „Eigentlich hat ein Kanadier den Spielball entwickelt – und ihn bisher auch vertrieben. Der Mann ist inzwischen über 80 Jahre und hat aufgehört – jetzt stellen Schweden die Bälle her. Aber die Blinden beschweren sich, weil sie zu laut sind.“

Die Regeln des Spieles

Mir ist der Ball nicht zu laut, ich bin froh, dass ich mich orientieren kann. Je länger ich mich konzentriere, um den Ball zu hören, damit ich ihn dann schnellstmöglichst mit meinem Holzschläger auf die Gegenseite schlagen kann, je sicherer werde ich. Es macht Spaß, dieses Showdown – bei dem man sogar gewinnen kann, ohne ein Tor zu erzielen: Die Regeln sind nämlich so konzipiert, dass ein Tor zwei Punkte bringt, Fehler des Konkurrenten aber auch einen Punkt.

Fehler kann man viele begehen: Mit dem eigenen Schläger den Ball im Strafkreis abwehren, den Ball aus dem Spielfeld befördern, beim Anschlag die Bande nicht zu treffen oder mit der freien Hand ins Spielfeld greifen – all das wird bestraft. Gespielt wird satzweise bis zu elf Punkten oder aber auch nach Zeit - das ist regional verschieden. In Deutschland – bislang wird der Sport nur in Cottbus in Berlin betrieben – wird das Zählsystem verwandt.

Nun, ich komme bei diesem Workshop damit gut zurecht. Ich konzentriere mich, da bin ich ehrgeizig. Ich höre, wie der Ball rasselt. Ich höre auch einen lauten Ruf: „Tor“. Aber nicht für mich. Ich werde noch oft Showdown üben müssen...

Showdown in Fakten

Showdown, in Deutschland auch „Tischball“ genannt, lässt sich aufgrund der Schnelligkeit und Dynamik des Spiels am ehesten mit Tischtennis vergleichen. Es ist ein 1-zu-1 Sport, der hauptsächlich von Blinden und Sehbehinderten betrieben wird, aber auch von Sehenden gespielt werden kann.

Jeder Spieler versucht durch geschickte Spielweise, harte oder langsame Schläge, den Ball in das gegnerische Tor zu befördern. Im gleichen Maße versucht der verteidigende Spieler die Angriffe des Gegners abzuwehren und selbst Druck aufzubauen.

Showdown wird weltweit gespielt und ist insbesondere in Europa weit verbreitet. Besonders aktiv sind dabei die Holländer, die skandinavischen Länder, sowie Tschechien und die Slowakei.

Ein Ball kostet etwa 5 Euro, ein Schläger rund 5 Euro und eine Platte ca. 1500 Euro. Mehr darüber unter

www.showdowngermany.de/

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