Turin

Mitgründer Agnelli: Super League nicht mehr umsetzbar

Andrea Agnelli       -  Gab das Projekt Super League auf: Andrea Agnelli, Präsident von Juventus Turin.
Foto: Alfredo Falcone/LaPresse/AP/dpa | Gab das Projekt Super League auf: Andrea Agnelli, Präsident von Juventus Turin.

Das Projekt einer europäischen Super League von zwölf europäischen Fußball-Topclubs ist gescheitert.

Mitinitiator Andrea Agnelli, Präsident des italienischen Rekordmeisters Juventus Turin, räumte ein, dass durch den Rückzug der sechs englischen Gründerclubs die Pläne nicht mehr umsetzbar seien. Entsprechende Aussagen des Juve-Chefs wurden der Deutschen Presse-Agentur von einer Clubsprecherin bestätigt.

Zwölf europäische Spitzenclubs, darunter sechs englische Premier-League-Vereine sowie Real Madrid und Juventus Turin, hatten in der Nacht zum Montag die Gründung einer milliardenschweren Super League angekündigt. Diese hätte in direkter Konkurrenz zur Champions League der Europäischen Fußball-Union UEFA gestanden. Aus der Bundesliga hatte sich kein Club der Super League angeschlossen. Finanziert werden sollte das Projekt durch eine US-Großbank.

In der Nacht zu Mittwoch hatten alle sechs englischen Teams um Meister FC Liverpool nach massivem Druck von Fans und Öffentlichkeit ihren Verzicht auf die Gründung der geschlossenen Eliteliga verkündet. Auch Atlético Madrid und Inter Mailand stiegen am Mittwoch aus.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin begrüßte den Entschluss der englischen Vereine und hofft auf eine dauerhafte Kooperation mit den Spitzenclubs. „Ich habe gestern gesagt, dass es bewundernswert ist, einen Fehler zuzugeben, und diese Vereine haben einen großen Fehler gemacht”, sagte der Slowene. „Aber sie sind jetzt wieder in der Reihe und ich weiß, dass sie nicht nur unseren Wettbewerben, sondern dem gesamten europäischen Spiel viel zu bieten haben”, betonte der 53-Jährige.

Ceferin will offenbar von unmittelbaren Konsequenzen für die einsichtigen Abweichler absehen. „Das Wichtigste ist jetzt, dass wir weitermachen, die Einheit, die das Spiel zuvor genossen hat, wieder aufbauen und gemeinsam vorankommen”, sagte der Chef des Fußball-Kontinentalverbandes. Als Drohkulisse hatte er zuvor selbst einen Ausschluss aus der noch laufenden Europapokal-Saison und eine EM- und WM-Sperre für alle Profis der Clubs ins Spiel gebracht.

Indes hat sich der US-amerikanische Milliardär Joel Glazer, Eigentümer und Vorstandschef von Manchester United, bei den Fans des Clubs für die Teilnahme an der missglückten Gründung der Super League entschuldigt. „Wir lagen falsch und wir wollen beweisen, dass wir die Dinge wieder in Ordnung bringen können”, schrieb Glazer in einem offenen Brief, der auf der Club-Webseite veröffentlicht wurde. Er glaube weiterhin daran, dass der Fußball nachhaltiger organisiert werden müsse. „Wir akzeptieren aber vollkommen, dass die Super League nicht der richtige Weg dafür war”, so Glazer weiter. Er habe auch verstanden, dass der Vorstand besser mit den Fans kommunizieren müsse, die „immer das Herz des Vereins sein werden.”

Zuvor hatte sich bereits der US-Geschäftsmann und Eigentümer des FC Liverpool, John W. Henry, in einem Video für die Teilnahme an den Super-League-Plänen entschuldigt.

Auch Prinz William hat sich erleichtert gezeigt über die Abkehr der Clubs. „Ich bin froh, dass die vereinte Stimme der Fußball-Fans gehört worden ist”, schrieb der Präsident des englischen Fußballverbandes FA auf Twitter. Es sei nun wirklich wichtig, diesen Moment zu nutzen, „um die künftige Gesundheit des Spiels auf allen Ebenen zu sichern”, fuhr der 38-Jährige fort. Er wolle in seiner Funktion als Verbandspräsident seinen Teil dazu beitragen, sagte die Nummer zwei der britischen Thronfolge.

© dpa-infocom, dpa:210420-99-284714/10

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