Fussball: 2. Bundesliga

Michael Wiesinger führt viele Einzelgespräche

Das Trainingslager in Bad Gögging soll die Club-Profis wachrütteln für die Relegation. Sebastian Kerk ist nicht dabei und erlebt einen traurigen Ausklang seiner Nürnberger Zeit.
Viel Gesprächsbedarf: Interimstrainer Michael Wiesinger (Mitte) vor den Nürnberger Profis.
Viel Gesprächsbedarf: Interimstrainer Michael Wiesinger (Mitte) vor den Nürnberger Profis. Foto: Timm Schamberger

Zündende Dribblings, genaue Pässe, gute Abschlüsse: Mit der Rückkehr von Sebastian Kerk, der vorher schon einmal ausgeliehen gewesen war, schien der 1. FC Nürnberg für die Zweitliga-Saison 2017/18, die am Ende den Aufstieg brachte, einen wirklich großen Fang gemacht zu haben. Doch schon im dritten Saisonspiel gegen Union Berlin passierte es: Der Publikumsliebling zog sich ohne Einwirkung eines Gegenspielers einen Achillessehnenriss zu. 14 Monate fiel der Flügelspieler danach aus, es gab Komplikationen, erst im Bundesliga-Spiel gegen Hoffenheim im Oktober 2018 kam er zu seinem Comeback. Doch die Form vor seiner Verletzung erreichte Kerk nie mehr.

In der abgelaufenen Zweitliga-Runde kam der Blondschopf aus dem Badischen zwar auf 20 Einsätze, doch er setzte kaum Akzente und stand nur fünf Mal in der Startelf. Der Vertrag des 26-Jährigen beim Club läuft aus. In das Kurz-Trainingslager in Bad Gögging, mit dem sich die Mannschaft von Donnerstag bis Samstagmittag auf die Relegationsspiele gegen den Abstieg (Dienstag, 7. Juli, und Samstag, 11. Juli, jeweils 18.15 Uhr/ZDF) vorbereitet, nahm Interimstrainer Michael Wiesinger Kerk gar nicht mit. „Ich habe Sebastian mitgeteilt, dass ich nicht glaube, dass er uns am Dienstag weiterhelfen wird. Deswegen bin ich nur mit den Jungs hergefahren, die sich für das erste Spiel hier vorbereiten sollen“, sagte Wiesinger der „Bild“. Hart für Kerk und ein trauriger Abschied für einen, der einmal als großes Versprechen galt.

Wiesinger nimmt eine gute Stimmung wahr

Wiesinger hat andere Sorgen. Er soll den Absturz in die 3. Liga verhindern, der nicht nur die Anhänger vollends in Zorn oder Depression versetzten würde, sondern für die Struktur des Vereins mit seinen 300 Arbeitsplätzen und die Zukunft wohl auf Jahre hinaus üble Folgen hätte. „Gemeinschaft fördern, Gefühle wecken“ überschrieb der Verein auf seiner Webseite die Ziele für den Abstecher in den Kurort, der nur gute 100 Kilometer südöstlich von Nürnberg liegt. „Wir haben hier Ruhe und Top-Bedingungen“, sagte Wiesinger auf der Vereinsseite. „Ich weiß natürlich, dass nicht von heute auf morgen alles anders ist, aber bisher nehme ich eine gute Stimmung wahr und finde auch, dass wir bisher gut trainiert haben.“ Der Leiter der Nachwuchsleistungszentrums, der nach der Trennung von Jens Keller am Montag zusammen mit Ex-Torjäger Marek Mintal in die Nothelfer-Rolle schlüpfte, führe „sehr viele Einzelgespräche“, sagt Pressesprecher Christian Bönig.

Neuer Athletik-Trainer schon dabei

Neben Kerk fehlt in Bad Gögging auch Felix Lohkemper, dessen tiefe Risswunde am Bein aus der vorletzten Trainingswoche in Nürnberg besser versorgt werden kann. Auch für das Rückspiel ist der Stürmer kein Thema. Dafür gibt es beim Club ein weiteres neues Gesicht im Trainerstab. Frank Steinmetz, der bis letzte Woche bei Erzgebirge Aue arbeitete, ist Spezialist für Belastungssteuerung und soll offenbar helfen, die vielen müden Profis für die beiden Spiele nochmals spritzig zu machen. Eigentlich haben die Nürnberger mit Florian Klausner schon einen Athletik-Trainer . . . Steigt der Club nicht ab, erhält Steinmetz ab kommender Saison einen dauerhaften Vertrag als Co-Trainer.

Für die Duelle gegen den Tabellenvierten der 3. Liga, der am Samstagnachmittag aus noch fünf Kandidaten ermittelt wird, dürfte Wiesinger vor allem Wert auf gute Abwehrarbeit legen. Ein Gegentor im Hinspiel im Max-Morlock-Stadion kann aufgrund der Auswärtstorregel schon fatale Folgen haben. „Für mich ist ein wichtiger Aspekt, dass wir es schaffen, über 90 Minuten gemeinsam zu verteidigen“, sagte Wiesinger schon bei seiner Vorstellung. Dass der in den letzten drei Punktspielen ausgefallene Grieche Konstantinos Mavropanos die Abwehr verstärken kann, ist möglich. Bönig beziffert die Einsatzchancen der wichtigen Arsenal-Leihgabe auf 50:50.

Der „Bild“ verriet Wiesinger, er sehe den bisher so enttäuschenden Nikola Dovedan nicht auf dem Flügel, sondern in einer zentralen Position: „Ich denke, er ist eher ein Freigeist, der im Zentrum seine Wege gehen muss.“ Das wäre die Rolle, die der Österreicher auch bei seinem letzten Klub 1. FC Heidenheim inne hatte. Grundsätzlich werde er aber, so Wiesinger in einer Runde mit Nürnberger Medien, in der Kürze der Zeit „keine großen Experimente“ eingehen.

Gute Erinnerungen an Bad Gögging

Ans niederbayerische Bad Gögging hat der Club im übrigen gute Erinnerungen. Hier bereitete Hans Meyer seine Mannschaft vor dem Pokalsieg 2007 vor. Und auch Wiesinger war mit dem FC Ingolstadt 2010 vor der erfolgreichen Relegation gegen Rostock hier zu Gast. Das spielt aber keine Rolle für den Optimismus des 47-Jährigen, der ansteckend wirken soll: „Ich bin felsenfest davon überzeugt: Wir schaffen das.“

Rückblick

  1. Kommentar: Das könnte passen beim Club
  2. Club-Kommentar: Arbeit für den Aufsichtsrat
  3. Der Irrsinn von Ingolstadt
  4. Lichtblick für den Club: Wiesinger hilft mit Worten und Taten
  5. Fabian Nürnberger lässt Nürnberg jubeln
  6. Was bewirkt Wiesingers Weckruf?
  7. Michael Wiesinger führt viele Einzelgespräche
  8. Wiesinger sprudelt nur so vor Motivation
  9. Michael Wiesinger soll den Club retten
  10. Club muss durch die Mühle der Relegation
  11. Gerüchte um Trennung von Jens Keller
  12. Eine Mannschaft in labiler Verfassung
  13. Der Club blamiert sich und muss bangen
  14. Joker Raum lässt Greuther Fürth jubeln
  15. 0:1 im Derby: Jetzt wird es ganz eng für den Club
  16. Club nur der Beste im Schneckenrennen
  17. Einer von 300: Als Reporter beim Geisterspiel
  18. Der Club verpasst einen Befreiungsschlag
  19. 1. FC Nürnberg: Die Legende lebt - noch
  20. Die Emotionen kochen hoch beim Club
  21. Zwei schöne Tore zum wichtigen Club-Sieg
  22. Beim Club ist gute Laune befohlen
  23. HSV für den Club eine Nummer zu groß
  24. Jens Keller macht den Club-Fans Hoffnung
  25. Jens Keller und sein Matchwinner Robin Hack
  26. Robin Hack macht den Unterschied
  27. Kieler Ausgleich sorgt für Entsetzen beim Club
  28. Der Club wirkt gezeichnet vom Abstiegskampf
  29. Die Nürnberger Talfahrt geht weiter
  30. Keller sieht keinen Anlass für Panik
  31. Unangenehmer Gang in die Nordkurve
  32. Ein 0:0, das niemand richtig glücklich macht
  33. Geis hat keine Angst vor Pfiffen
  34. Rachid Azzouzi: "Wir haben  hohe Ansprüche an uns selbst"
  35. Wo Jens Keller beim Club ansetzen muss
  36. Das Maß war einfach voll
  37. Marek Mintal springt beim Club ein
  38. Nürnberger Krise verschärft sich in Bochum
  39. Der Club und die nervigen Achterbahnfahrten
  40. Pokal-Drama endet mit Club-Aus
  41. Der Club kann kein Ergebnis sichern
  42. Die Großzügigkeit von Johannes Geis
  43. Aues Torwart nimmt Vorwürfe an den Club zurück
  44. Club verliert ein verrücktes Spiel
  45. Eine Premiere für Georg Margreitter
  46. Trotz des verpassten Sieges: Auf dem Weg zum Canadi-Club
  47. Club bringt sich um Lohn für starken Auftritt
  48. Der Club auf dem Weg aus der Krise: Geis trifft zum Sieg
  49. Die Nürnberger Baustelle
  50. Erschreckend schwacher Club

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Hans Strauß
  • 1. FC Nürnberg
  • Bad Gögging
  • Erzgebirge Aue
  • FC Ingolstadt 04
  • Hans Meyer
  • Happy smiley
  • Hoffenheim
  • Jens Keller
  • Michael Wiesinger
  • Optimismus
  • Union Berlin
  • Zorn
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!