TISCHTENNIS: TTBL

Oikawa stürzt das Denkmal Timo Boll

Neu-Ulm - Liebherr - Final Four 2016 Pokal-Finale
Timo Boll Foto: Alexander Kaya (Alexander Kaya)

Tischtennis

Bundesliga Männer Borussia Düsseldorf – TSV Bad Königshofen 2:3

„Borussia mit Bestbesetzung gegen Bad Königshofen.“ So schrieb im Vorfeld der Partie der Tischtennis-Bundesliga die Westdeutsche Zeitung, aber nicht wegen des großen Respekts vor dem Gegner. Die Mannschaft um Timo Boll solle Spielpraxis bekommen, weil in der Champions League das Halbfinalrückspiel gegen Jekaterinburg am Donnerstag bevorsteht und die Play-Offs der TTBL nächstes Wochenende gegen Saarbrücken beginnen, in die man mit einem positiven Ergebnis gehen wollte. 1100 Zuschauer kamen, um diesen Aufgalopp in die entscheidende Phase der Saison mitzuerleben.

Oikawa mutig und rotzfrech

Die Genussrechte hatte in den ersten zwei Spielen aber erst einmal der Außenseiter aus dem Grabfeld, gegen den man sich schon im Hinspiel ganz nah am Rand einer Niederlage bewegt hatte. Deren Cheftrainer hatte mit den wenigen Trumpfkarten im Kader gepokert und Mizuki Oikawa an Position 1 gestellt, Bence Majoros an 2 und Kilian Ort an 3. Das bedeutete gleich zum Auftakt das eigentliche Einser-Duell Timo Boll gegen Mizuki Oikawa. In dem der kleine Japaner den Borussen, die ja großes Interesse an ihm für die nächste Saison gezeigt hatten, demonstrierte, was ihnen entgangen und den Bad Königshöfern geblieben ist. 11:8 im ersten Satz für Boll: Alles im Lot, aber es deutete sich an, da geht noch was. Fortan spielte Oikawa mutig und rotzfrech, als wüsste er gar nicht, wo er spielt und gegen wen: Beim 30-fachen deutschen Meister und gegen die Nummer 5 der Weltrangliste.

Als Boll den zweiten Satz (9:11) abgegeben hatte und dann auch noch den dritten mit 11:13, da wankte das Denkmal und die 1100 stützten ihn mit: „Auf geht?s Timo, auf geht?s“. Im vierten Durchgang dann die obligatorische Konzentrationsdelle bei Oikawa zum 5:11. Doch im fünften entzauberte er Timo Boll mit 11:7 und es sah aus, als entschuldigte er sich beim Handschlag beim besten deutschen Tischtennisspieler aller Zeiten – 1:0 für den TSV.

Majoros erhöht für den TSV

Nun hatte der von Rückenproblemen genesene Bence Majoros die Ehre gegen den Schweden Anton Källberg. 11:7 für den jungen Ungarn im ersten Satz. Was war denn da los? Seine persönliche Bilanz versprach ja alles, nur keinen Sieg in diesem Spiel. 9:11 im zweiten Satz – also doch. 11:9 im dritten und 11:8 im vierten Satz zum 3:1-Erfolg. 2:0 für den TSV.

Nach der Pause stand Kilian Ort vor der Herkules-Aufgabe gegen den Schweden Kristian Karlsson, Nummer 15 der Weltrangliste. Auch der Borussen-Coach hatte gepokert. Mit ihm als Dreier war eher nicht zu rechnen gewesen. Karlsson schien bis in die Haarspitzen motiviert und sich seiner Verantwortung bewusst. Eine Niederlage und ein 0:3 gegen den Tabellenachten wäre keine Empfehlung für die anstehenden Aufgaben gewesen.

Nuancen entscheiden

Kilian Ort spielte großes Tischtennis mit, weit besser, als es die 0:3-Niederlage vermuten lässt. Es waren Nuancen bei den Ballwechseln, Promille an Details, die er weniger gut machte. Für den Zuschauer höchstens in Zeitlupe zu erkennen. Nur noch 2:1 für den Gast. Und 2:2, als Bence Majoros von Timo Boll in die Realität zurückgeholt worden war. Im ersten Satz hielt er noch ziemlich respektlos dagegen. Dann war kein Kraut mehr gewachsen gegen ihn.

Schlussdoppel startet ernüchternd

Aber was war vom Doppel Oikawa/Ort zu erwarten, das erst ein Mal überhaupt zusammen spielte, vor drei Jahren in der 2. Bundesliga bei Frickenhausen II. Die ersten zwei Sätze waren ernüchternd. Es bestätigte sich, was zu befürchten war. Die über Jahre eingespielte und erfolgreiche schwedische Rechts-Linkshänder-Kombination Karlsson/Källberg spielte Doppel, die zwei Bad Königshöfer – etwas überspitzt – zwei Einzel nebeneinander. Zwei Mal 6:11, zwei Lehr- und Lernsätze.

Ort schultert Oikawa

Die scheinbar zum Beschnuppern gereicht hatten. Jetzt spielten sie aber auch alles oder nichts, voll offensiv, weil Abwehrbälle langsamer zurückkommen und zum Ausweichen mehr Zeit bleibt. Aber 11:2 und dann noch 14:12 mit dem fünften Satzball und rein in den Entscheidungssatz, der vorher sieben Mal in der Saison verloren ging. Doch die beiden TSV-Spieler pushten sich, holten ihn sich mit 11:3. Sie herzten sich und Ort hob Oikawa wie ein Kind auf die Schultern: Erstes Saisonspiel gewonnen, letztes auch und dazwischen sehr, sehr viel, das Appetit macht auf die nächste Saison.

Ergebnisse

Timo Boll – Mizuki Oikawa 2:3 (11:8, 9:11, 11:13, 11:5, 7:11)

Anton Källberg – Bence Majoros 1:3 (7:11, 11:9, 9:11, 8:11)

Kristian Karlsson – Kilian Ort 3:0 (11:6, 11:8, 11:7)

Timo Boll – Bence Majoros 3:0 (11:9, 11:2, 11:5)

Karlsson/Källberg – Oikawa/Ort 2:3 (11:6, 11:6, 2:11, 12:14, 3:11).

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