FUßBALL: BAYERNLIGA NORD

Gierig auf den Derbysieg

Großen Respekt haben die beiden Trainer André Betz (vorne, Großbardorf) und Josef Francic voreinander. Das Grabfeld-Derby verspricht angesichts der momentanen Tabellensituation besonders spannend zu werden.
Großen Respekt haben die beiden Trainer André Betz (vorne, Großbardorf) und Josef Francic voreinander. Das Grabfeld-Derby verspricht angesichts der momentanen Tabellensituation besonders spannend zu werden. Foto: Anand Anders

An diesem Samstag kommt es um 14 Uhr im Aubstädter Schulstadion bereits zum vierten Grabfeld-Derby in der Bayernliga Nord seit April zwischen dem TSV Aubstadt und dem TSV Großbardorf. Drei Mal gewann Aubstadt, 4:2 im April, 3:2 im Pokal und 2:0 im Hinspiel vor sechs Wochen. Dass es nun schon zum Rückspiel kommt, das gab es so schnell noch nie in der gemeinsamen Landesliga- und Bayernliga-Geschichte und hat zwei Ursachen. Ausgangspunkt war der ursprüngliche Spielplan, bei dem beide Vereinen den Großteil ihrer Heimspiele gleichzeitig auszutragen gehabt hätten. Durch den Tausch TSV Großbardorf – Würzburger FV und den Wunsch der Aubstädter, das Heimderby mit der anschließenden Malle-Party auf einen Tag zu legen, kam es zu dieser Situation. Die so unglücklich auch wieder nicht ist, weil die Tabellenkonstellation momentan prickelnde Spannung verspricht: Gewinnen die Bardorfer, sind sie, die noch vor Kurzem acht Punkte zurück lagen, wieder bis auf zwei Punkte dran am Tabellenführer. Gewinnen die Aubstädter, sind sie wieder acht weg.

Die Direktbilanz in der Landes- und Bayernliga sowie im Pokal seit 1997/98 spricht mit 13-5-8 für Großbardorf, nur in der Bayernliga mit 7-3-2 für Aubstadt. Mit den Trainern Josef Francic vom TSV Aubstadt und André Betz vom TSV Großbardorf, führten wir nachfolgendes Doppelinterview. Francic, 50 Jahre, wohnhaft in Bad Neustadt, ist hauptberuflich städtischer Hausmeister, beim TSV Aubstadt seit 2011 im Amt. Seine höchste Spielklasse als Aktiver war in Kroatien die damalige zweite Liga, in Deutschland die Bezirksoberliga mit dem VfL Bad Neustadt. Seine Position war „der Zehner, den es bei mir nicht mehr gibt.“ André Betz, 37, wohnt in Windheim bei Hammelburg und ist Angestellter in der chemischen Industrie. Die erste Mannschaft des TSV Großbardorf hat er in der Winterpause 2017/18 übernommen. Auch er spielte als Spielertrainer am höchsten in der Bezirksoberliga mit dem FC Thulba, „als Außenverteidiger und Sechser.“

Frage: Welche Erinnerungen haben Sie an das Hinspiel?

Josef Francic: Es hat sich bestätigt, was ich vorher gesagt habe, dass es keinen Favoriten im Derby gibt. Wir haben uns schwer getan, waren aber auch brutal effektiv, so wie Gebenbach letzten Samstag gegen uns. Platzierungen spielen da keine Rolle. Derbys sind Kampf, Fight ohne Favoriten. Meistens gewinnt die Mannschaft, die sich an diesem Tag mehr zutraut und mehr riskiert.

André Betz: Bis zum 0:1 war das Spiel ziemlich ausgeglichen. Wenn wir uns die Unaufmerksamkeit vor dem 0:1 nicht erlauben oder dann in der zweiten Halbzeit das 1:1 machen, hätte es vielleicht einen anderen Verlauf gegeben. Im Großen und Ganzen ging der Sieg für Aubstadt in Ordnung. Sie waren extrem effektiv und haben hinten gut verteidigt.

Mit welchem Ziel sind Sie in die Saison gegangen, sind Sie diesbezüglich auf dem richtigen Weg oder ist es neu zu definieren?

Francic: Wir wollten die 71 Punkte der letzten Saison, als wir Zweiter wurden, bestätigen. Dahin sind wir nach 20 Spielen mit 2,2 Punkten im Schnitt pro Spiel auf einem sehr guten Weg und wollen die sogar überbieten in den ausstehenden 14 Spielen. Ja doch, ich bin trotz einiger unnötiger Punktverluste zufrieden.

Betz: Unter die ersten Fünf wollten wir schon kommen. Das ist auch realistisch. Wir werden das auch nicht Woche für Woche ändern, nur weil mal ein Spiel positiv oder negativ ausgegangen ist. Wir sind jetzt mitten drin und demnach auf dem richtigen Weg. Die Bayernliga ist brutal ausgeglichen, wie man an der ein oder anderen Überraschung an den Spieltagen sieht, was auch gut so ist. Abgerechnet wird am Ende. Ich bin zuversichtlich, die Stimmung ist gut und das Umfeld arbeitet ganz akribisch an dem Ganzen mit. Es macht richtig Spaß mit den Jungs, die richtig gierig sind. Mit unserer Qualität, dem Zusammenhalt, dem Spaß und dieser Gier nach Siegen kann man schon was rausholen.

Was war gut in diesen 20 Spielen, was war weniger gut und muss verbessert werden?

Francic: Weniger gut war, dass wir Langzeitverletzte haben wie Jens Trunk, der sehr wichtig für unsere Mannschaft ist. Aber auch Martin Thomann wurde aus der vielleicht besten Form seiner Laufbahn heraus gerissen und fehlt uns für unsere Durchschlagskraft. Wir hatten Spiele, in denen uns sieben bis acht Leute ausfielen. Womit wir schon beim Guten wären: Wir haben einen so guten Kader mit Qualität in der Breite, dass die Mannschaft das konstant durchziehen und nahezu kompensieren konnte, sonst stünden wir nicht da, wo wir jetzt sind. Und sie ist mit dem Druck fertig geworden, den uns andere auferlegt haben, indem sie uns zur Übermannschaft hoch stilisiert haben, obwohl wir eine jüngere Mannschaft mit weniger höherklassig erfahrenen Spielern haben als viele andere. Sie ist bodenständig und weiß, dass sie jeden Sieg hart erkämpfen muss.

Betz: Es waren schon super Ergebnisse dabei, die teilweise klasse herausgespielt oder erkämpft wurden bis zur letzten Sekunde. Wesentlich effektiver wollen wir aber noch werden. Es kommt nicht darauf an, wie viele Torchanchen du kreierst, sondern ob du sie nutzt. Es gibt aber immer etwas, an dem zu arbeiten ist, auch in der Defensive. Da gibt es immer eine Stellschraube. Wir wollen weniger Gegentore bekommen. Also: Defensiv sicherer, offensiv effektiver. Daran arbeiten wir.

Letzter Spieltag ist der 18. Mai 2019. Wie viele und welche Mannschaften, glauben Sie, werden etwa Anfang Mai noch dabei sein im Rennen um die ersten zwei Plätze?

Francic: Dabei kann ich mich nur auf das rein Sportliche beziehen und nicht kommentieren, wie es bei Einzelnen finanziell aussieht oder wer aufsteigen will oder kann und wer nicht. Das spielt nämlich auch eine große Rolle. Wir konzentrieren uns nur aufs Sportliche. Es hat sich bestätigt, dass Gebenbach, der Würzburger FV, Großbardorf, Eltersdorf und wir das Zeug haben vorne mitzuspielen. Die werden wohl die ersten zwei Plätze unter sich ausspielen und ich denke, es wird auch ganz spät erst eine Entscheidung fallen.

Betz: Ungefähr so wie es jetzt ist. Der Würzburger FV und Aubstadt waren für mich von Anfang an die Favoriten. Es sind für mich die zwei stärksten Mannschaften der Liga und das hat sich auch bis jetzt so herauskristallisiert. Gebenbach? Wird man sehen, traue ich auch was zu. Großbardorf, Eltersdorf, Seligenporten? Auch da wird man sehen, mit welcher Wucht der eine oder andere aus der Winterpause kommt. Aber da bin ich sehr unaufgeregt. Es sind noch 14 Spiele und ich will gar nicht so weit nach vorne schauen. Meine Grundeinschätzung Würzburger FV und Aubstadt bleibt allerdings.

Was halten Sie aus der Distanz betrachtet vom Derby-Gegner, vom Verein, von der Mannschaft und wer sind die herausragenden Spieler?

Francic: Der TSV Großbardorf ist ein sehr gut und seriös geführter Verein, bei dem viele Leute Verantwortung übernehmen und das schon über viele Jahre hinweg. Das hat zur Folge, dass auch die Mannschaft eine Stamm-Spitzenmannschaft der Bayernliga ist. Das von Jahr zu Jahr zu bestätigen, ist eine Wahnsinns-Aufgabe und die haben sie gemeistert. Deshalb Hut ab. Herausragend sind vor allem die Spieler bei ihnen, die schon in der Regionalliga gespielt haben wie Julian Schneider beim FC 05. Rieß, Zang, Piecha, Manuel Leicht, wenn er wieder mitmacht, aber besonders auch Schönwiesner sind für Bayernligaverhältnisse überdurchschnittliche Spieler. Mit den Jungen, die immer wieder dazu kommen, ist das eine sehr gute Mischung.

Betz: Die Philosophien beider Vereine sind unterschiedlich, weil auch die Ausgangspositionen verschieden sind. Das ist aber in Ordnung und in keiner Weise verwerflich. Wenn man die Möglichkeit hat, kann und soll man sie auch ausschöpfen. Wir wollen auf unsere Jugend bauen und wissen ganz genau, dass sie eine gewisse Zeit und Erfahrung brauchen wird, um zu wachsen. Die geben wir ihr auch. Aubstadt arbeitet auf eine etwas andere Weise, holt sich punktuell und individuell Spieler, die schon ein Stück weiter sind und sich dann so richtig entwickeln können. Die Mannschaft ist eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern mit Klasse, die Formschwankungen so gut wie gar nicht haben. Und sie haben in der Breite die Qualität, was ganz wichtig ist, um Verletzte zu kompensieren oder zu variieren. Da ist schon viel Wucht dahinter. Herausragende Spieler? Ich denke da gibt es einige. Thomann, Dellinger, Feser, Benkenstein, Leicht oder Julian Grell die sind super Kicker, die ihre Leistung Woche für Woche abspulen. Das ringt mir unheimlich viel Respekt ab und das macht Aubstadt aus.

Welche Meinung haben Sie von Ihrem Trainerkollegen?

Francic: Er ist ein junger Trainer, der, da bin ich mir sicher, seinen Weg machen wird. Ich mit meinen 50 Jahren lerne ja auch immer noch dazu. Er ist entwicklungsfähig und -willig und hat, seit er das Amt in Großbardorf übernommen hat, schon nachgewiesen, wie gut er ist und er hat ja noch Potenzial. Er ist talentiert, komplett und entwicklungsfähig, eine sehr günstige Verbindung. Wenn ich sehe, wo seine Mannschaft steht, dann ist er auch ein Spitzentrainer in der Bayernliga.

Betz: Josef ist ein alter Trainerfuchs, der schon lange im Geschäft ist und genau weiß, an welcher Stellschraube zu drehen ist. Ich kenne ihn noch aus seiner Rödelmairer Zeit. Respekt, was er da macht und wie er es macht, mit einer Ruhe und Souveränität. Es ist für ihn natürlich sehr interessant, in Aubstadt zu arbeiten. Wer das über acht Jahre auf dem Level macht, muss nachhaltig arbeiten und immer neue Impulse setzen: Neue Methoden, neue Systeme, neue Spieler und das macht er mit einer Seelenruhe.

Wie erwarten Sie ihren Gegner und was müsste eintreffen, dass Sie hinterher sagen, ich bin zufrieden?

Francic: Wir kennen ihre Stärken, ihre größte ist die geschlossene Mannschaftsleistung, ebenso ihr aggressives Forechecking. Ob mit einer oder zwei Spitzen, das kann variieren. Hinten gegen den Ball sind sie sehr aggressiv und nach vorne haben sie ihre Stärken in einem schnellen, vertikalen Fußball Richtung Tor. Das ist sehr unangenehm zu verteidigen. Zufrieden? Derbys sind da um sie zu gewinnen. Das ist keine Prognose, sondern ein Ziel. Nach unserer Niederlage in Gebenbach wollen wir natürlich wieder punkten. Mit einem Sieg gegen Großbardorf würden wir ein super Jahr abschließen, eine Niederlage würde uns in eine schwierige Situation bringen. Es wird schon ein heißes Match geben.

Betz: Da gibt es gar nichts drum herum zu reden: Derbys will man immer gewinnen, als Verein, als Spieler, als Trainer und als Fan. Es ist ja auch für die Region ein Highlight, wenn man zwei Spitzenmannschaften der Bayernliga auf einmal so nah vor der Haustür geboten bekommt. Es gibt nicht viele Landkreise in Bayern, in denen das der Fall ist. Unser Ziel: Ein Punkt wäre top, ein Dreier wäre überragend.

Das Trainergespräch nach dem Spiel wird diesmal in der Festhalle stattfinden. Neben Josef Francic und André Betz stehen diesmal auch der Trainer des Würzburger FV, Marc Reitmaier, und der Ex-Trainer des FC Sand, Uwe Ernst, Rede und Antwort. Außerdem DJ Düse, der neben anderen bei der anschließenden Party ab 18 Uhr auflegen wird. Wer nicht zur Party bleibt, bekommt den Eintritt zur Halle zurück.

Rückblick

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