FUßBALL: REGIONALLIGA BAYERN

Aubstadt: Der Riese im Tor

Christian Mack (links) packt vor Can Coskun (SpVgg Greuther Fürth II) zu. Aubstadts Torwart blieb beim 2:0 über das Kleeblatt zum zweiten Mal in Folge ohne Gegentor. Foto: Hermann Zacher

Wieder einmal hat der Aufsteiger in die Fußball-Regionalliga Bayern, der TSV Aubstadt, seine Fans verwöhnt und die neutralen der 748 Zuschauer in Erstaunen versetzt. Nach Augsburg II und Nürnberg II musste erneut die Reserve eines Profiklubs, diesmal der Tabellendritte Greuther Fürth II, Federn lassen im Schulstadion. 2:0 (0:0) gewann Aubstadt gegen das Kleeblatt. „Es war der bisher schönste der sieben Siege“, befand Trainer Josef Francic hinterher, „weil es so schwer war und weil wir bei 0:0 trotz vieler vergebener Chancen und auch bei Chancen vom Gegner nicht aufgehört haben, an uns zu glauben, immer wieder diese Energie und Befreiung zu suchen. Da war diese Motivation und Lockerheit zu sehen, mit der wir in die Runde gegangen sind.“

Glück und Pech auf beiden Seiten

Man möchte ergänzen: Mit Ehrgeiz erreicht man Ziele, mit Leidenschaft das Glück. Dabei hatten vornehmlich in der ersten Halbzeit in dem da schon hochklassigen Fußballspiel beide Teams das Glück bzw. Pech zugleich auf ihrer Seite, weshalb es statt 0:0 gut auch 3:2 oder ähnlich hätte stehen können.

Und als es in die letzten zehn Minuten ging mit dem Spielstand von 2:0, da hätte die Partie durchaus auch noch kippen können. Weil die Profis noch einmal einen Zahn zulegen konnten, wo man doch dachte, mehr Power, mit mehr Tempo und Wucht geht gar nicht mehr. Doch dann legte TSV-Keeper Christian Mack den zweiten Teil seiner Bachelorprüfung für diese Liga ab. Wobei sich die Frage stellt, was man denn bei der Master-Prüfung noch alles halten muss. Francic sagte hierzu: „Christian Mack hat in den ersten und letzten zehn Minuten alles rausgeholt, was drauf kam. Wenn du zehn Minuten vor Schluss 2:0 führst, dann kannst du auch noch unentschieden spielen wie gegen den Club oder gar verlieren.“

Ruman zeigt sich begeistert

Auch Fürths Trainer Petr Ruman sah „ein ausgeglichenes Spiel, in dem das schnelle Tor nach der Halbzeit den Ausschlag gegeben hat. Da haben sich meine jungen Spieler etwas versteckt, so dass der Sieg verdient war.“ Besonders beeindruckt war er von der Fußball-Begeisterung in Aubstadt und der schönen Kulisse am Platz. „So eine Erfahrung tut meinen Jungs gut, die in den großen Profifußball kommen wollen.“

Torhüter in Vollbeschäftigung

Dieses Verstecken der Gäste haben indes außer Ruman nicht viele bemerkt. Die erste Halbzeit war bereits ein Schlagabtausch mit offenen Visieren. Dabei entschied Mack schon in der dritten Minute eine Eins-gegen-Eins-Situation gegen den agilsten Fürther, Can Coskun, für sich, rettete in der 17. erneut gegen Coskuns Schuss vom Fünf-Meter-Eck. Aber auch der Gästekeeper Schaffran stand in Vollbeschäftigung, rettete gegen Trunk (5.), Dellinger (15.) und hypnotisierte noch einmal Dellinger bei den zwei größten Torchancen in der ersten Halbzeit: In beiden Szenen völlig allein auf den Keeper zulaufend, erst (35.) links vorbei, dann (45.) rechts am oberen Winkel vorbei, aus zehn Metern halbrechts. Wenn etwas zu bemängeln war bei den Aubstädtern: „Etwas mehr Ruhe“ mahnte Francic von draußen an, besonders beim finalen Pass und beim Abschluss.

Dellinger steht goldrichtig

Keine Minute nach Wiederbeginn hieß es 1:0 für Aubstadt nach einer Co-Produktion von Martin Thomann und dem da schon angeschlagenen Mike Dellinger. Der Eine, Thomann, schlug den Ball nach einem Sturmlauf vors Tor. Ein Verteidiger lenkte ihn mit dem Kopf an den Pfosten. Und dann meldete sich jenes Glück durch Leidenschaft zum ersten Mal. Der Andere, Dellinger, stand goldrichtig und schob ihn zum 1:0 über die Linie. Würde das Spiel jetzt andere Strukturen annehmen? Die Gäste kamen wirklich erst mal mit einer ersten wuchtigen Welle. Mit hohem Pressing weit jenseits der Mittellinie erstickten sie den Spielaufbau der Gastgeber im Ansatz. Diese Welle lief aus wie im Watt an der See ohne Schaden anzurichten.

Thomann im zweiten Versuch

Dann vergab erst Thomann das 2:0, hätte allein vor dem Keeper die lange Ecke wählen sollen, traf neben den Pfosten der kurzen. Dann nahm er nach einer super Vorarbeit von Daniel Leicht diese lange Ecke ins Visier und löste den Riesenjubel der Fans aus: Belohnung für das Rennpferd, das wie ein Ackergaul arbeitet und viel Konzentration für den Abschluss verzehrt. Aber jetzt folgte die zweite Welle der Mittelfranken, die den Dreier beinahe noch zum Einser geplättet hätte. Wäre da nicht dieser überragende Mack gewesen, der mit zwei unglaublichen Paraden in der 90. Minute und der dritten Nachspielminute den Sieg festhielt.

Mack hat die Pranken dran

Bei einem Kopfball nach einer Ecke und einem 17-Meter-Freistoß von Adlung hatte er die Pranken rechts oben in der Triangel, wo es eingeschlagen hätte. Glück? Das war in erster Linie Können und das Glück für den TSV, diesen Mack überhaupt noch zu haben. Julian Grell (85.) hätte zuvor schon das Schlussurteil sprechen können, ebenso Ingo Feser mit seinem 18-Meter-Knaller (86.) über die Latte. „Die Mannschaft hat komplett gut gespielt“, lobte Francic, „aber Mack war riesig.“

Die Statistik des Spiels

Fußball, Regionalliga Bayern

TSV Aubstadt – SpVgg Greuther Fürth II 2:0 (0:0)

Aubstadt: Mack – Behr, Benkenstein, Grader, Feser – Müller – Dellinger (66. Kraus), Trunk, Leicht (80. Grell), Thomann – Schmidt (60. Pitter).

Fürth: Schaffran – McLemore, Sollfrank, Ort (57. de la Cruz Bustamente), Lungwitz – Adlung, Ferri – Wüst (57. Subaric), Klaus (78. Miftaraj), Abouchabaka – Coskun.

Schiedsrichter: Christian Dietz (Kronach).

Zuschauer: 748.

Tore: 1:0 Michael Dellinger (46.), 2:0 Martin Thomann (79.).

Gelb: Benkenstein (6) – Coskun, Ort, Abouchabaka.

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