FUßBALL: REGIONALLIGA BAYERN

Aubstadt: Steffen Behr wie einst Gerd Müller

Fußball

Regionalliga Bayern SpVgg Bayreuth – TSV Aubstadt 2:2 (1:0)

Eine Woche vorher gingen die Spieler des Regionalligisten TSV Aubstadt nach dem 1:1 gegen den 1. FC Nürnberg II wie gefühlte Verlierer vom Platz, hatten gerade in der Nachspielzeit ihre Führung durch einen abgefälschten Freistoß noch hergeben müssen. Diesen Samstag wäre beinahe die nächste Enttäuschung fällig gewesen. Es stand 2:1 für die SpVgg Bayreuth und es lief schon die zweite Nachspiel-Minute.

Dann taten sich der Außenverteidiger Steffen Behr und Glücksgöttin Fortuna zusammen. Nach einer Thomann-Flanke wurde Behrs Kopfball abgewehrt. Behr saß am Boden und machte das Tor, für das man früher mit der Legende Gerd Müller verglichen worden wäre: Er stocherte den Ball, halb liegend, halb sitzend, irgendwie über die Linie – mit purer Willenskraft, Leidenschaft und Entschlossenheit – zum 2:2-Ausgleich. Eigentlich genau so leidenschaftlich und entschlossen, wie es die gesamte, personell etwas umgekrempelte Mannschaft besonders ab der 30. Minute getan hatte.

Verzicht auf viel Erfahrung

Francic musste auf Dellinger (Sperre), Bieber (Wade) und Torhüter Mack (krank) und damit auf viel Erfahrung und Angriffswucht verzichten. Zusätzlich gönnte er seinem Sechs-Tore-Mann Ingo Feser eine Stunde auf der Bank, ehe er rein kam, nur drei Minuten später Verantwortung übernahm und den an Martin Thomann verwirkten Foulelfmeter zum 1:1-Ausgleich verwandelte. Es zeigte sich dann aber bei dieser teils gewollten, teils ungewollten Rotation, dass Aubstadt Qualität in der Breite hat und Francic so viel Vertrauen in seine Spieler, dass er über weit mehr als eine so genannte Stammelf verfügt.

Und selbst als der Haudegen Christian Köttler in der 70. Minute mit Verdacht auf Gehirnerschütterung nach einem Zusammenprall mit Julius Benkenstein ausgewechselt wurde, nutzte Francic den nötigen Wechsel zur totalen Schlussoffensive und brachte mit Max Schebak eine dritte Sturmspitze für den Verteidiger. Stoßstürmer im Angriffszentrum war zu dem Zeitpunkt bereits der Trainer-Assistent Julian Grell, dessen Einsatz alles andere als ein Geschenk für den verdienten TSV-Spieler war, sondern Hand und Fuß, Sinn und Konsequenzen hatte. Ausgerechnet Julian Grell.

Josef Francic als Psychologe

Francic hatte dabei sicherlich auch ein wenig die Psychologie bemüht. Wäre damals Ende Mai 2018 in der zweiten Nachspielminute der Relegation jener klare Elfmeter nach Foul an Julian Grell gepfiffen worden, wäre Aubstadt ein Jahr früher Regionalligist gewesen. Dass er auflief, das erste Mal in der Regionalliga, brachte die Altstädter dann doch etwas durcheinander. Jedenfalls gehörte die letzte halbe Stunde eindeutig den Aubstädtern. Wenn bei dieser Klasse-Leistung null Punkte heraus gekommen wären, dann wäre das kaum weniger enttäuschend gewesen als bei jenem 1:1 in der Relegation. Und so brachte Josef Francic am Ende ganz durcheinander, was wirklich herausgekommen war: „Wir haben heute nicht nur einen starken Gegner geschlagen. Wir haben uns auch Respekt verschafft.“

Doch der Reihe nach. Die Spielanteile waren schon bis zur 1:0-Führung der Gastgeber ausgeglichen. Dann ein „leichter Kontakt von Köttler gegen Kracun“, der weiß, was der Schiedsrichter da noch sehen will. Den Elfer verwandelte Edwin Schwarz unhaltbar für den jungen TSV-Keeper Nico Purtscher. „Sie haben selbst nach dieser Führung nicht die nötige Gelassenheit oder Sicherheit gezeigt“, so Francic. Christian Köttlers Kopf wurde das erste Mal in der 43. Minute getestet, als er mit Knezevic zusammenprallte, der genäht werden musste. Beim zweiten Crash mit Benkenstein musste Köttler selber raus. Irgendwie ging die Halbzeitführung der SpVgg schon in Ordnung. Das Tor indes fiel in einer Phase, als sich Aubstadt vom Druck der Oberfranken schon befreit hatte. Die Stärke des Aufsteigers, das schnelle Umschalten, blitzte aber hier schon immer wieder auf.

In die Zange genommen

Von drei Gegnern in die Zange genommen, kam Martin Thomann zu Fall und der Schiedsrichter deutete auf den Punkt – Feser verwandelte zum 1:1. „Wer weiß, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn wir das 1:1 länger hätten halten können“, ärgerte sich Francic, weil nur drei Minuten später das 2:1 fiel. Piller spielte den entscheidenden Pass zu Fenninger, der nur den Fuß hinhalten musste. Fast trotzig bot Francic dann alles auf in der Spitze, was torgefährlich ist: Julian Grell als Stoßstürmer, Max Schebak und Martin Thomann daneben.

Die Mannschaft warf so viel Leidenschaft und Selbstbewusstsein in die Waagschale, dass der Ausgleich einfach fallen musste. 74. Minute: Grell steckte in bekannter Manier Schebak den Ball durch, Keeper Kolbe rettete; 78.: Wieder Grell und Schebak, wieder Kolbe. 90. Knezevic ließ die Entscheidung liegen, traf bei einem Konter nur den Pfosten. 90. + 2: Behrs Ausgleich und ein letzter Sturmlauf der Gäste, die ihre Gier nach den zwei Zusatzpunkten aber nicht mehr befriedigen konnten.

Bayreuth: Kolbe – Schwarz, Kracun, Piller (78. Einsiedler), Schiller (67. Marinkovic), Fenninger, Weimar, Wolf, Golla, Weber (67. Eder), Knezevic.

Aubstadt: Purtscher – Behr, Benkenstein, Köttler (70. Schebak), Grader – Trunk, Kraus (68. Grell) – Thomann, Müller, Pitter – Schmidt (59. Feser).

Schiedsrichter: Huber (Wurmannsquick).

Zuschauer: 1132.

Tore: 1:0 Schwarz (28., Foulelfmeter), 1:1 Feser (62., Foulelfmeter), 2:1 Fenninger (65.), 2:2 Behr (90. + 2). Gelb: Kracun, Golla – Trunk (2), Benkenstein (4).

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