FUßBALL: REGIONALLIGA BAYERN

Aubstadt: Eine Bereicherung für die Regionalliga

Zwei prägende Figuren der ersten Halbserie des TSV Aubstadt in der Regionalliga Bayern: Michael Dellinger (links) und Trainer Josef Francic. Foto: Anand Anders

Es war am 2. November, kurz nach 15 Uhr. Der TSV Aubstadt führte im Derby gegen den FC Schweinfurt 05 mit 2:0. Der Aufsteiger aus dem Grabfeld war für einige Minuten in der Blitztabelle der Regionalliga Bayern Zweiter hinter Türkgücü München. Eine Momentaufnahme. Wenngleich eine, die in jenen Tagen – im Oktober hatte der TSV alle vier Spiele gewonnen – ins Bild passte.

Nach der Meisterschaft in der Bayernliga Nord und dem Aufstieg in die Regionalliga Bayern waren die Aubstädter mit großen Erwartungen in ihre erste Saison in der vierten Liga gestartet. Was sie dort erwarten würde, wussten sie nicht. Das änderte sich rasch. Die Grabfelder schlugen sich besser, als es viele gedacht hatten.

Die Bilanz

Neun Siege, fünf Unentschieden, vier Niederlagen. 32 Punkte, 37:34 Tore. Platz 9. Das sind die nackten Zahlen nach den ersten 21 Spielen des TSV Aubstadt in der Regionalliga Bayern. „Wir sind in der Liga angekommen“, sagt Herbert Köhler. Die Rückschau des Vorsitzenden des TSV Aubstadt fällt dementsprechend „sehr positiv“ aus. „Mit den 32 Punkten, die wir geholt haben, sind wir sehr zufrieden.“ Mit einer solchen Ausbeute habe im Vorfeld niemand gerechnet. Und sportlich? „War das bis auf ein, zwei Spiele sehr ordentlich.“

„Hätte mir zu Saisonbeginn jemand gesagt, dass wir mit 32 Zählern überwintern, hätte ich ihm geantwortet: ,Du bist doch nicht ganz sauber!'“, sagt Josef Francic zum Abschluss eines „historischen Jahrs für mich, für meine Mannschaft und für den ganzen Verein“. Ein Jahr, das viele Siege brachte. Und ganz am Schluss eine Durststrecke von drei Niederlagen in Folge. „Ich glaube, erst in diesen drei Spielen ist einigen klar geworden, wie schwer es in der Regionalliga wirklich ist.“ Die Rückmeldungen von den Gegnern und dem Verband seien überwiegend positiv gewesen, sagt Francic. „Der Verband erkennt an, dass wir eine Bereicherung für die Liga sind“, sagt er.

Der Trainer

Der Name Josef Francic ist in Fußball-Bayern inzwischen auch südlich von Eichstätt bekannt. In der Bayernliga Nord war der 52-Jährige, der bei der Stadt Bad Neustadt als Hausmeister arbeitet, bestens vernetzt. In der Regionalliga kannte ihn kaum ein Kollege, weshalb die Informationen über Gegner anfänglich etwas zäh flossen. Das hat sich längst geändert, Francic hat sich einen Namen gemacht. „Ohne Fußball kann er nicht“, sagen langjährige Begleiter über den in Kroatien geborenen Trainer, der das Gesicht des Aubstädter Fußballs ist.

Der Klassenerhalt, sprich der Erfolg seiner Arbeit, könnte der bald ein Ende setzen. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) fordert von den Regionalligisten einen verantwortlichen Trainer mit A-Lizenz. „Bei der Beurteilung geht es stets um den Cheftrainer und nicht um etwaige Assistenten oder weitere Mitglieder im Funktionsteam“, sagt Jürgen Faltenbacher, Vorsitzender der Regionalliga-Zulassungskommission, auf Nachfrage dieser Redaktion. Francic kann diese Lizenz nicht vorweisen und betont auf Nachfrage stets, sich auch nicht um sie bemühen zu wollen. In dieser Saison trainiert er mit einer Ausnahmegenehmigung.

Deren Verlängerung sei denkbar, äußert Faltenbacher, „wenngleich sich die Situation nicht zu einen Dauerzustand ausweiten darf.“ Die Ausnahmegenehmigung sei stets auch mit der Bedingung verknüpft, „dass sich der Trainer für den Erwerb der nächsthöheren Lizenz anmeldet. Es würde im konkreten Fall also zunächst geprüft werden, ob sich Josef Francic darum bemüht hat, die nächsthöhere Lizenz zu erwerben, bzw. ob er den Lehrgang bereits angetreten hat oder angemeldet ist. Erst dann wird über eine weitere Verlängerung entschieden.“

Es bleibt also Raum für Interpretationen und Spekulationen. Darauf wollen sich die Verantwortlichen des TSV Aubstadt freilich nicht einlassen und bemühen sich um Victor Kleinhenz. Der 28-jährige A-Lizenz-Trainer coacht derzeit den FC Thulba, wird den Bezirksligisten aber im Sommer verlassen. „Wir sind in Kontakt“, bestätigt Francic Gespräche.

Der Gewinner

Mit dem Namen Ben Müller konnten die Wenigsten etwas anfangen, als der Defensivspieler im Sommer als Neuzugang vom Würzburger FV vorgestellt wurde. An der Mainau spielte Müller vornehmlich Innenverteidiger, Josef Francic aber sah den 21-Jährigen beim TSV in einer anderen Rolle. „Jede Mannschaft braucht einen guten Sechser“, weiß Francic und betraute Müller mit dem wichtigen Posten im Defensivzentrum. „Er hat viel Konstanz in unser Spiel gebracht. Genau das, was ich mir als Trainer wünsche“, sagt Francic über Müller, dem er freilich auch das ein oder andere schwächere Spiel bescheinigt. Für Francic übrigens ist die gesamte Mannschaft der Gewinner der bisherigen Saison: „Alle Spieler wachsen noch.“

Die Enttäuschten

„Der Konkurrenzkampf in unserem Kader erlaubt keine Verletzungsphase“, sagt Josef Francic. Eine Erfahrung, die beispielsweise Philipp Kleinhenz machen musste. Der 28-Jährige, der 2016 mit der Empfehlung von 65 Regionalligaeinsätzen aus Schweinfurt nach Aubstadt wechselte, kam nur einmal von Anfang an zum Einsatz und darüber hinaus zu zwei Kurzeinsätzen. „Im Mittelfeld haben wir einen riesigen Konkurrenzkampf“, gibt Josef Francic zu bedenken. Er verhehlt aber auch nicht, dass es „komplettere Spieler“ im Mittelfeld gebe.

Dass Angreifer Christopher Bieber sportlich noch nicht richtig angekommen ist, nimmt Francic auf seine eigene Kappe: „Ich muss mir vorwerfen, dass wir seine Qualitäten nicht ausgenutzt haben, als er fit war.“ Bieber („menschlich überragend, wie er seine Erfahrungen als Profi in die Mannschaft einbringt“, so Francic) könne nur dann zur Geltung kommen, wenn er im Angriffszentrum bedient werde. „Normalerweise suchen unsere Außenstürmer selbst den Abschluss“, sagt Francic, wodurch Bieber bei seinen Einsätzen oft auf eine Nebenrolle als Anspielstation im Zentrum reduziert wurde. „Ich bin mir sicher, dass er in der Rückrunde seine Qualitäten zeigen wird“, sagt Francic.

Noch gar nicht zum Einsatz kamen die jungen Neuzugänge Philipp Katzenberger, Marcus Kreckel und Alban Peci sowie der erfahrene Patrick Kirsten, der über weite Strecken der letzten Saison noch zu den Stammkräften zählte. Still geworden ist es auch um David Bauer, der nach drei Teilzeiteinsätzen zu Saisonbeginn nicht mehr zur Geltung kam. Daran wird sich in nächster Zeit nichts ändern. „Er studiert seit November in den USA“, sagt Josef Francic. Er weiß: „Einige Spieler haben ihre persönlichen Ziele in der Vorrunde nicht erreicht.“

Der Mutmacher zur Winterpause

„Jeder hat gewusst, was er kann“, sagt Josef Francic über Michael Dellinger. Und ergänzt: „In der Vorrunde hat er bewiesen, dass er konstant auf diesem hohem Niveau spielen kann.“ Belohnt wurde das mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung, die intern und extern als Signal verstanden werden kann. In dieser Woche hat der 26-jährige Dellinger seinen ohnehin bis Sommer 2021 laufenden Vertrag beim TSV um zwei Jahre bis Sommer 2023 verlängert. „Michael ist ein herausragender Charakter und in jeder Hinsicht eine absolute Bereicherung für unseren Dorfverein“, sagt Pressesprecher Philipp Müller anlässlich der Unterzeichnung des neuen Kontrakts. Und Dellinger wird in der Mitteilung des Vereins mit den Worten zitiert, dass er hoffe, auch in fünf Jahren noch in Aubstadt Fußball zu spielen. Außerdem wünsche er sich, dass sich der TSV in der Regionalliga etabliert und dass seine eigene fußballerische Entwicklung noch nicht zu Ende ist. „Potenzial ist auf jeden Fall da, auch in der Rolle als Führungskraft zu wachsen“, sagt Dellinger.

Der Neue für die Rückrunde

Für André Koob nahm die Zeit beim Würzburger FV ein unschönes Ende. Im vorletzten Spiel der vergangenen Saison verletzte sich der Torwart schwer an der Schulter. Sein Wechsel nach Aubstadt – wo er als Mack-Nachfolger als Nummer 1 vorgesehen war – stand da längt fest. Der Ausfall des aus dem nahen Wülfershausen stammenden 28-Jährigen wurde geradezu überkompensiert: Mit der Verpflichtung von Christoph Saballus, der letztlich aber keine Rolle spielte, mit der Reaktivierung von Christian Mack, der sich zum Weitermachen überreden ließ und seinen Status als Stammtorwart behielt, und mit der Leihe von Nico Purtscher von den Würzburger Kickers, der als Mack-Vertreter auf sechs Einsätze kam. Inzwischen hat André Koob das Training wieder aufgenommen und hat zuletzt bekräftigt: „Nach der Winterpause bin ich wieder dabei.“ Transfers sind in der Winterpause aktuell keine geplant. „Weder in die eine, noch in die andere Richtung“, sagt Herbert Köhler. „Bis jetzt hat keiner geäußert, dass er weg will“, bekräftigt Josef Francic.

Der Torjäger

Diesen einen Nachmittag wird Ingo Feser vermutlich nie wieder vergessen. Ein verwandelter Freistoß, ein verwandelter Strafstoß, zwei Tore aus dem Spiel heraus und eine Vorlage. Der Linksfuß, der einst in der A-Jugend von Schalke 04 an der Seite von Leroy Sané dribbelte, war der Mann des Spiels beim Aubstädter 5:1-Triumph in Garching Anfang August. Auf den 23-Jährigen war Verlass, wann immer und wo immer er gebraucht wurde. Ob hinten links, zentral defensiv, als Spielgestalter oder im linken Mittelfeld, der Maidbronner zählte stets zu den Auffälligsten im roten Trikot. Und war wochenlang an der Spitze der Torjägerliste zu finden. Was auch daran lag, dass er bei Strafstößen nichts anbrennen ließ und alle fünf verwandelte. Zehn Tore hat Feser bislang erzielt, Martin Thomann folgt intern mit sieben Toren, Michael Dellinger hat sechs Mal getroffen.

Der böse Bube

Wer hätte es gedacht? Die meisten gelben Karten hat kein Verteidiger gesehen, sondern ein Offensiver. Michael Dellinger wurde in 17 gespielten Partien schon neun Mal verwarnt. Oft in der gegnerischen Hälfte für taktische Fouls. „Schade, dass er sich zu leicht gelbe Karten abholt“, sagt Josef Francic. Dellinger droht bei der nächsten gelben Karte schon die zweite Sperre in dieser Saison. Auf Platz zwei bei den gelben Karten folgt mit acht Innenverteidiger Julius Benkenstein. Gelb-Rot sahen Jens Trunk (in Schweinfurt), Steffen Behr (in Garching) und Marcel Volkmuth (in Eichstätt).

Der Dauerbrenner

Dominik Grader ist der Spielführer des TSV Aubstadt. Er ist ein Kapitän, der nicht nur als Letzter von Bord geht, sondern gar nicht. Der Verteidiger, der wahlweise innen oder links eingesetzt werden kann, verpasste bislang nicht eine Minute der Aubstädter Premierensaison in der Regionalliga. Ebenfalls in allen Spielen zum Einsatz kam Allrounder Ingo Feser. Nur eine Partie haben Ben Müller und Timo Pitter verpasst.

Die Zuschauer

Im Vergleich zur Meistersaison in der Bayernliga Nord hat der TSV Aubstadt seinen Zuschauerschnitt mehr als verdoppelt. 849 Fans kamen im Schnitt zu den elf Heimspielen in der Regionalliga Bayern, im Spieljahr zuvor waren es 388. Das am besten besuchte Spiel war wenig verwunderlich das gegen den FC Schweinfurt 05 am 2. November. 1935 Zuschauer sahen des 2:2 im unterfränkischen Derby. Negativer Ausreißer waren die 406 Zuschauer, die am 26. Oktober das 2:1 gegen den TSV Rain/Lech sahen. „Regionalligafußball in Aubstadt wird von der Region angenommen“, findet Herbert Köhler.

Rückblick

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