FUTSAL: KREISMEISTERSCHAFT

Rhöner Teams fremdeln mit Futsal

Veränderungen sind wichtig und gut, besonders wenn sie zu Verbesserungen führen. Aber hat es wirklich einer Abschaffung des herkömmlichen Hallenfußballs zugunsten der Einführung von Futsal bedurft? Schon der Begriff befremdet. Und hat es dann sogar noch der Abschaffung einer weitgehend als sinnvoll eingeschätzten Regel zum Schutz der Gesundheit bedurft? Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) verbannte im Jahr 2012 die Grätsche aus der Halle. Jürgen Faltenbacher, Vorsitzender der Hallenfußball- und Futsal-Kommission im BFV, sagte damals: „Grätschen gehören nicht zu unserem Verständnis von Hallenfußball.“ Inzwischen hat der Verband das Verbot zurückgenommen, die Grätsche wieder zugelassen. Ein junger Fußballer der U15-Junioren des TSV Großbardorf war bei der Kreismeisterschaft in Mellrichstadt vor Weihnachten das erste Folge-Verletzungsopfer.

Meldung bereist vor Saisonbeginn

Natürlich werden solche Entscheidungen und Ereignisse in Fußballer-Kreisen diskutiert, auch vor der Kreismeisterschaft an diesem Samstag, 11. Januar, die ebenfalls in Mellrichstadt stattfindet. Vor nicht allzu langer Zeit meldeten über 30 Vereine eine Mannschaft an, sodass drei bis vier Qualifikationsturniere vorgeschaltet werden mussten. Wie im letzten Jahr sind auch diesmal aber wieder nur zehn Mannschaften am Start. Sie ermitteln in einem Rutsch die zwei Teilnehmer für die Futsal-Bezirksmeisterschaft am 19. Januar in Rimpar. Mit der Rücknahme des Grätschen-Verbots hat dies indes nichts zu tun, weil die Anmeldungen weit vorher – nämlich bereits bei der Spielgruppentagung vor Saisonbeginn – vorgenommen werden mussten und manchen Vereinsvertreter zu diesem Zeitpunkt überraschten.

Etwas mehr Zeit bekamen die DJK Wülfershausen und ihr Trainer Rudi Koob, bei dem der BFV-Kreisvorsitzende Rainer Lochmüller „anrief und fragte, ob wir nicht mitmachen wollen. Ich habe dann in der Gruppe gefragt und es haben gleich zehn Mann zugesagt. Außerdem haben wir das Turnier vor ein paar Jahren ja auch schon einmal gewonnen.“ Rudi Koob hat zum Thema Grätsche eine ganz eindeutige Meinung: „Die hätte besser verboten bleiben sollen. Der stumpfe Boden birgt schon genügend zusätzliches Risiko im Vergleich zum Rasen. Es soll ja Fußball gespielt werden. Körpereinsatz okay, aber wo ist die Grenze? Die Auslegung bleibt dann an den Schiedsrichtern hängen. Verletzte können wir nämlich wirklich keine weiteren brauchen, wenn es im Frühjahr um den Klassenerhalt geht.“

Keine spezielle Vorbereitung

Eine spezielle Vorbereitung machen die Wülfershäuser nicht. Entsprechende Hallen-Kapazitäten stehen nicht zur Verfügung. Stattdessen halten sich die Spieler des Kreisliga-Schlusslichts seit Jahren den Winter über im Freien fit. „Wir haben oben am Sportplatz einen kleinen Hartplatz. Da treffen sich die Spieler immer freitags und kicken miteinander – ohne Trainer“, berichtet Kolb. Wie alle Trainer so wünscht er sich natürlich, dass seine Spieler verletzungsfrei aus dem Turnier kommen. Ein bisschen juckt es ihn aber doch, bei jener Kreismeisterschaft wieder einmal im positiven Sinn im Rampenlicht zu stehen. Ob er einen besonderen Spezialisten dabei habe: „Diejenigen, die sich gemeldet haben, sind alle gute Techniker und deshalb auch Hallenspieler.“

Leander Gerlach vom SV Herschfeld hat die nahezu identische Meinung zum Thema Grätschen in der Halle. Er nimmt mit seiner Mannschaft, dem A-Klassen-Aufsteiger und derzeitigen Tabellensechsten an der Kreismeisterschaft teil und geht ein bisschen mehr ins Detail: „In den oberen Klassen hätte ich weniger Bedenken. Aber in den unteren wird halt doch nicht so kontrolliert gegrätscht wie es sein sollte, wodurch die Verletzungsgefahr steigt. Deshalb bin ich dagegen.“ Als vor einem halben Jahr das Kreuzchen hinter „Teilnahme an der Kreismeisterschaft“ gesetzt wurde, „sah es noch besser aus bei uns. Inzwischen habe ich doch etwas Probleme, genügend Spieler zusammen zu bekommen. Es ist schwierig, die Jungs für Futsal zu begeistern, wobei ich nicht weiß, woran es liegt.“ Mangels Halle konnte man sich auch nicht speziell auf die Futsal-Kreismeisterschaft vorbereiten. In der Hauptsache wünscht sich Gerlach, „dass wir verletzungsfrei da raus kommen. Es bedeutet halt doch eine Umstellung, die andererseits nicht genügend geübt wird.“

Kritik an den Handballtoren

Der SV Rödelmaier, gemeinsam mit dem FC Thulba (beide Bezirksliga) das klassenhöchste Team bei der Kreismeisterschaft, gilt als heißer Kandidat auf den Titel. SV-Trainer Werner Feder findet „den Gedanken von Futsal generell nicht schlecht. Das mit dem weichen, leichter kontrollierbaren Ball, ist in Ordnung, das Spiel ohne Bande ebenso.“ Dennoch führt Feder die Ursache für das geringe Interesse grundsätzlich darauf zurück, „dass Futsal nicht so interessant ist, was an verschiedenen Details im Regelwerk liegt. Der Hauptgrund ist das kleine Handballtor, das die weniger guten Mannschaften förmlich dazu einlädt, sich zu verbarrikadieren. Dadurch kommt kein attraktives Spiel zustande und es fallen wenig Tore. Die privaten Hallenfußballturniere im Würzburger und Schweinfurter Raum werden mit dem 5x2 Meter großen Tor und überwiegend mit Bande gespielt und da kommen auch die Zuschauer. Die Leute wollen ein bisschen Spektakel, wollen Tore sehen.“

Ehrgeiziger SV Rödelmaier

Was die Grätsche betrifft, müsse man differenzieren. „Es ist ein Unterschied, ob ich einen Schuss mit einer Grätsche abblocken will oder ob ich mit der Grätsche am Mann in den Zweikampf gehe. Das eine geht, das andere nicht. Man muss die Regel nur richtig anwenden.“ Er trainiere zwar in der Halle, „aber spezielle Spielzüge und Laufwege für den Futsal üben wir nicht.“ Die Hoffnung, dass sich keiner verletzt, habe man als Trainer das ganze Jahr. „Wenn ich allerdings allein mit dem Ziel rein gehe, dass sich keiner verletzt, kann ich auch daheim bleiben. Ich sage immer, dass unser Anspruch das Halbfinale sein muss. In einem K.O.-Spiel ist es dann immer schwer, besonders wenn man in Rückstand gerät.“ Was er sich wirklich wünscht, lässt er dann zwischen den Zeilen durchklingen: „Bei der Bezirksmeisterschaft mit richtig guten Spielern wird schon richtig geiler Fußball gespielt....“

Titelverteidiger nicht am Start

Überhaupt nicht gemeldet hat der Titelverteidiger SV Burgwallbach/Bad Neustadt. Dessen Abteilungsleiter Benedikt Floth erklärte hierzu, dass dahinter keine Absicht stecke. „Wir haben es schlichtweg versäumt zu melden“, verriet er und machte aus seinem persönlichen Desinteresse aufgrund negativer Erfahrungen an Fußball in der Halle kein Hehl. „Ich geb?s zu, ich habe auch nichts weiter unternommen, um etwas zu ändern.“

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