FUßBALL: REGIONALLIGA BAYERN

Aubstadt gegen FC 05: Rasant, rassig, remis

Michael Kraus (von links) traf mit einem Seitfallzieher zum 1:0 für den TSV Aubstadt gegen den FC Schweinfurt 05 und ließ sich von seinen Mitspielern Dominik Grader, Daniel Leicht, Ben Müller, Steffen Behr und Martin Thomann für den Treffer feiern. Foto: Rudi Dümpert

Das Unterfrankenderby der Fußball-Regionalliga Bayern zwischen dem TSV Aubstadt und dem FC Schweinfurt 05 war in jeder Phase eines absoluten Spitzenspiels würdig. Ein klasse Fußballspiel, das die offiziell 1935 Zuschauer begeisterte. Rein sportlich betrachtet war es eine jederzeit kampfbetonte, aber ebenso sehr faire Auseinandersetzung. An deren Ende beide Mannschaften ihr eigentliches Ziel dennoch nicht erreicht hatten. Die Aubstädter hatten sich vorgenommen, in der elften Begegnung den Bock endlich umzustoßen und den ersten Sieg zu landen. Die Schweinfurter wollten mit einem Sieg einen großen Schritt heraus aus der Ergebniskrise tun und sind noch tiefer hineingerutscht. Eine spielerische Krise indes war nicht zu erkennen.

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Aubstadt - Schweinfurt

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Und dennoch wären sie ohne ihren Führungsspieler Adam Jabiri womöglich sogar als Verlierer vom Feld gegangen. Trainer Timo Wenzel ging zur Pause das Risiko ein, rief den angeschlagenen Jabiri vom Aufwärmen in die Kabine herunter – und draußen raunten die Kenner dieser Derbys in den letzten Jahren schon: Schließlich hatte der gebürtige Kitzinger zuletzt hier immer zwei Tore erzielt. „Mir wäre lieber gewesen“, gab er hinterher zu Protokoll, „ich hätte überhaupt nicht rein gemusst. Das wäre nämlich bei eigener Führung gewesen.“

TSV nimmt das Heft in die Hand

So aber deutete lange vieles auf den ersten Aubstädter Sieg gegen die Schnüdel in einem Pflichtspiel hin. Die Gäste hatten vielleicht in der ersten Viertelstunde etwas mehr vom Spiel. Dann aber nahm der TSV das Heft in die Hand und erzielte eine Feldüberlegenheit in der Mitte, so dass die Halbzeitführung auf jeden Fall nicht unverdient war. Eine Vorglühphase gab es überhaupt nicht in dieser rasanten, rassigen und temporeichen Partie auf tiefem Geläuf. Beide Teams versuchten mit hohem Pressing die Oberhand zu gewinnen. Und weil es auf beiden Seiten lange keine Torchancen gab, schickte Francic sämtliche Bankdrücker schon in der 25. Minute hinunter auf den Nebenplatz zum Aufwärmen.

Artistisches Kabinettstückchen

Weshalb diese das erste von drei wirklich sehenswerten Treffern nicht zu sehen bekamen. Martin Thomann hatte geschossen. Dem abgewehrten Ball war Michael Kraus am nächsten und bugsierte ihn mit einem artistischen Kabinettstückchen, „einer Mischung von Seitfallzieher und Fallrückzieher vielleicht“, wie es Kraus selbst nannte, ins Netz zum 1:0. Gar nicht so unlogisch diese Führung. Aubstadt war einen Tick besser gewesen. Aber immerhin: Es war die erste Torchance. Und es war eine historische Führung, die erste überhaupt, die eine Aubstädter Mannschaft gegen die Schnüdel erzielte. Und ausgerechnet der Ex-Nullfünfer Kraus, der noch viele Verehrer im Gästeblock hatte. Aber was heißt schon „der Ex-Nullfünfer“? Insgesamt standen acht in der TSV-Startelf. 1:0 hieß es jedenfalls zur Halbzeit und virtueller Platz zwei von Aubstadt in der Regionalliga-Tabelle.

Dann also kam Jabiri nach dem Seitenwechsel mit aufs Feld. Doch ehe er den Ball zum ersten Mal berührt hatte, stand es schon 2:0. Martin Thomann explodierte, versetzte einen Verfolger nach dem anderen und zirkelte wie einst Robben – nur seitenverkehrt – exakt im richtigen Moment den Ball mit dem rechten von der linken Seite nach rechts ins Netz.

Thomann wie in der Vorwoche

Was für eine Einzelleistung, einzutragen in gleich zwei Listen: die der Vorbereiter und der Torschützen. Vergleichbar vom Abschluss her mit seinem Siegtor gegen Rain vor einer Woche in der 90. Minute. Diesmal war es wieder so ein auffälliger Zeitpunkt. In den nächsten zehn Minuten entlud sich dann die gesamte Wucht des Frusts der Schnüdel auf die Aubstädter. Die mit Mann und Maus verteidigten, danach aber wieder Ordnung in ihr Spiel brachten und ihren Vorsprung mit Angriff als bester Art der Verteidigung halten wollten.

Beide gehen volles Risiko

Das gelang mehr als eine Viertelstunde. Dann griff Schiedsrichter Ostheimer ins Schicksal der beiden Teams ein, pfiff ein Handspiel von der Art, wie sie neuerdings die Gemüter erregt. Steffen Behr war im Strafraum aus nächster Distanz unausweichbar angeschossen worden. Jabiri verwandelte den Elfmeter. Sein zehntes Saisontor brachte seine Mannschaft ins Spiel zurück. Und erzielte acht Minuten später sogar den Ausgleich mit dem Abschluss einer sehenswerten, kaum zu verteidigenden Einzelleistung zum 2:2. Womit das Spiel noch spannender wurde, als es bis dahin schon gewesen war. Jetzt gingen nämlich beide Teams volles Risiko, warfen jeweils bei Ballbesitz alles nach vorne und hätten beide das Spiel doch tatsächlich noch gewinnen können.

Das tiefe und wie von einer Rotte Wildschweine aufgewühlte Geläuf verlangte den Spielern alles ab. Besonders erfreulich, dass nicht nur drinnen alles im fairen Rahmen bis zum Schluss blieb. Ebenso bemerkenswert, bei der Bedeutung des Spiels besonders für die Gäste, auch draußen unter den Zuschauern. Denn außer weniger als einer Hand voll Unverbesserlicher ging es sogar verbal sehr friedlich zu und die Rauchbombe vor dem Anpfiff störte nicht wirklich.

Die Statistik des Spiels

Fußball: Regionalliga Bayern

TSV Aubstadt –

FC Schweinfurt 05 2:2 (1:0)

Aubstadt: Mack – Behr, Benkenstein, Grader, Feser – Leicht (64. Trunk), Kraus – Pitter (71. Schebak), Müller, Thomann – Dellinger (90. + 2 Bieber).

Schweinfurt: Zwick (71. Reichert) – Fritscher, Kleineheismann (46. Jabiri), Billick, Lo Scrudato – Korb, Manu (46. Pfarr) – Danhof, Fery, Laverty – Awata.

Schiedsrichter: Ostheimer (Sulzbach/Main).

Zuschauer: 1935.

Tore: 1:0 Michael Kraus (28.), 2:0 Martin Thomann (46.), 2:1, 2:2 Adam Jabiri (62./Handelfmeter, 70.).

Gelb: Benkenstein (8) – Kleineheismann, Fritscher, Lo Scrudato.

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