FUßBALL: REGIONALLIGA BAYERN

Aubstadt: Charakterstarke Aufsteher

Martin Thomann (vorne) überwand beim 4:1-Sieg des TSV Aubstadt gegen Viktoria Aschaffenburg seine Durststrecke. Der Bayernliga-Torschützenkönig der Vorsaison erzielte zwei Treffer. Foto: Rudi Dümpert

„Wir wollen aufstehen, aufeinander zugehen, voneinander lernen, miteinander umzugehen.“ Dieser Song des Liedermachers Sven Schumacher könnte für die Einstellung der Aubstädter Fußballer stehen. Die unter der Woche in Schalding-Heining ordentlich auf die Mütze bekommen hatten. Die aber die Ansage ihres Trainers Josef Francic, nach Niederlagen wieder aufzustehen, verifiziert und sich mit einem überragenden Spiel gegen die traditionsreiche Viktoria Aschaffenburg zurückgemeldet haben. „Wenigstens ein Pünktle“ hatten sich viele der wieder über 700 Zuschauer unmittelbar vorher gewünscht – wohl wissend, dass dem Aufsteiger die Bäume nicht in den Himmel wachsen, dass Bescheidenheit eine Tugend ist und kesse Sprüche nicht Voraussetzung für erfolgreiche Sportler sein müssen.

Francic bremst die Euphorie

Was den Aubstädtern aber möglicherweise blühen könnte in diesem zweiten Regionalliga-Heimspiel, das deckten die Gäste schon mal in der ersten Viertelstunde auf, in der sie die Gastgeber zu überrennen drohten: Mit einem Tempo und Spielwitz, dass zunächst nur irgendwie schadlos hineinfinden ins Spiel angesagt war. „Wer weiß, wenn Mack da nicht so hervorragend pariert und uns im Spiel gehalten hätte, wie dann das Spiel gelaufen wäre“, trat TSV-Coach Josef Francic auch nach diesem überzeugenden 4:1-(3:1)-Sieg auf die Euphoriebremse.

Zu dem Zeitpunkt drehte seine Mannschaft einige Auslaufrunden. Etwa 300 Zuschauer waren dageblieben und klatschten ihnen stehende Ovationen, sagten damit danke für einen tollen Fußball-Nachmittag. Christian Mack parierte zwei Mal bravourös, als Kizilyar zu Gashi durchgesteckt und dieser abgezogen hatte. Und den zweiten Ball von Kizilyar lenkte er um den Pfosten (8.).

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Aubstadt - Aschaffenburg

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Vorne souverän

Doch allmählich folgte Aubstadts Aufstehen Teil zwei. Die Grabfelder hatten von den Aschaffenburgern gelernt, gingen selbst mit zunehmender Vehemenz auf deren Abwehr zu und entblößten sie ein ums andere Mal. Erst parierte Keeper Birk noch Dellingers Kopfball nach Pitter-Flanke. Damit kam mehr Mut und Souveränität ins Offensivspiel der charakterstarken Aufsteher. Dann setzten sie mit entwaffnender Effektivität einen Doppelschlag. Ingo Feser machte es in Arien-Robben-Manier zum 1:0 und Martin Thomann machte es aus unanständigem Winkel und Entfernung.

Thomann stößt den Bock um

Von da schießt man vernünftigerweise eigentlich nicht aufs Tor. Nur wenn man sonst nicht weiß wohin damit, weil keine Anspielstation da ist. Oder wenn man als Bayernliga-Torschützenkönig der Vorsaison im vierten Spiel den Bock, die eigene Null, unbedingt umstoßen will und das Selbstvertrauen dazu hat. „Man muss das Glück auch mal zwingen“, gestand er hinterher, auch weil er das eine oder andere Mal etwas eigensinnig gewesen war. Das müssen Torjäger aber auch mal sein dürfen.

Geht noch was für die Viktoria?

Was für eine solide Führung gegen so einen, zurzeit aber nur daheim bärenstarken Gegner, als auch noch Dellingers Kopfball nach feiner Vorarbeit von Müller und Pitter zum 3:0 eingeschlagen war. Zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt (45. + 3) dann allerdings der Anschlusstreffer nach einer Ecke durch Gashis Kopfball vom langen Pfosten. Ging da doch noch was?

Francic: „Mentalität macht Mut“

Aus der Kabine kamen aber nicht die Gäste mit Urgewalt und Tordrang, sondern der Aufsteiger drängte auf das 4:1. Das gleich vier Mal möglich war: Als Thomann (54.) den Strafraum querte, zentral abzog und den Pfosten traf. Als Ben Müller (56.) vier, fünf Gegner wie Slalomstangen stehen ließ und knapp vorbei schoss. Als Grader flankte und Thomanns Kopfball (59.) knapp vorbei strich. Da hatte er zu viel Zeit, sich die Ecke auszusuchen. Und als Feser flankte und Leichts Direktabnahme (64.) auf die Latte fiel. „Dass so ein Gegentor unmittelbar vor dem Pausenpfiff psychologisch wichtig sein soll, kann man sich einreden, aber ebenso auch ausreden. Man hat ja dann gesehen, wie unsere Antwort darauf war. Diese Mentalität meiner Mannschaft macht mir wirklich Mut“, sagte Francic.

Schmidt spielt Traumpass

Erst in der Schlussphase, etwa die letzte Viertelstunde, warfen die Gäste alles nach vorne, stand die TSV-Abwehr aber wie ein Fels in der Brandung. Da spielte der „SV Druck“ gegen den „TSV Nadelstiche.“ Als Joker Christoph Schmidt schnell wie immer Kontakt und Tempo aufgenommen hatte, setzte er Thomann mit einem Traumpass in Szene („da hat er gesehen, dass man auch mal abspielen sollte“), und Thomann setzte den Schlussstein diesmal ins kurze Eck zum 4:1. Francic bedankte sich bei David Bauer und Philipp Kleinhenz mit deren Einwechslung für ihr mannschaftsdienliches Verhalten, als sie bei der 15-Stunden-Reise nach Schalding keine Minute spielen durften. Und sie bewiesen ihre Regionalligatauglichkeit.

Seitz: „Verdiente Niederlage“

„Aubstadt war uns läuferisch und im Zweikampfverhalten haushoch überlegen und dann kann man auch keine Spiele gewinnen. Uns hat heute die Körperlichkeit gefehlt, vielleicht auch etwas die körperliche und geistige Frische. Da war Aubstadt wesentlich besser und hat deshalb auch verdient gewonnen“, bilanzierte Aschaffenburgs Trainer Jochen Seitz.

Mack hält Strafstoß

Nur Makulatur waren dann noch ein Lattenschuss von Schnitzer (90.) und ein etwas strittiger, aber wegen der schon dritten Nachspielminute nicht sonderlich umstrittener Foulelfmeter (Köttler an Meßner). Doch nicht einmal den gönnte der TSV-Keeper Christian Mack dem Viktoria-Goalgetter Schnitzer und fischte den Ball aus der unteren Ecke. „Dem Macki gehörten die ersten und die letzten zehn Minuten des Spiels. Er ist gut wie alter Wein. Wie schön, dass wir ihn haben. Er ist der Vater des Siegs. Nein, ich korrigiere mich: Heute sind alle Väter des Siegs.“

Die Statistik des Spiels

Fußball: Regionalliga Bayern TSV Aubstadt – SV Viktoria Aschaffenburg 4:1 (2:1)

Aubstadt: Mack – Behr, Köttler, Benkenstein, Grader – Leicht (81. Kleinhenz), Müller – Dellinger (70. Schmidt), Pitter (81. Bauer), Feser – Thomann.

Aschaffenburg: Birk – Kizilyar (46. Zehnder), Schmidt, Dähn, Boutakhrit (69. Meßner) – Grünewald (46. Cheron), Baier, Verkamp, Beinenz – Schnitzer, Gashi.

Schiedsrichter: Dinger (Bischofsgrün).

Zuschauer: 700.

Tore: 1:0 Feser (18.), 2:0 Thomann (20.), 3:0 Dellinger (38.), 3:1 Gashi (45. + 3), 4:1 Thomann (79.).

Gelbe Karten: Leicht, Schmidt, Müller – Dähn, Schnitzer, Baier, Gashi.

Besonderes Vorkommnis: Mack (Aubstadt) pariert Foulelfmeter von Schnitzer (90. + 2).

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