TISCHTENNIS: BUNDESLIGA

Bad Königshofen: Das Team hat sich gesucht und gefunden

Kilian Ort (im Bild) steht die Freude über seinen deutlichen Sieg gegen den Grenzauer US-Amerikaner Kanak Jha und den 3:0-Auftakterfolg mit dem TSV Bad Königshofen ins Gesicht geschrieben. Foto: Rudi Dümpert

Die Zuschauer in der Shakehands-Arena sind bei Heimspielen ihres TSV Bad Königshofen in der Tischtennis-Bundesliga TTBL allerhand gewöhnt. Unter anderem Spielzeiten weit über drei Stunden hinaus, bis in die Verlängerung des fünften Satzes heiß umkämpfte Matches, zu oft diese auch bei 2:3-Niederlagen durch 2:3-Satzverluste im Schlussdoppel. In diesem ersten Spiel ihrer dritten Bundesliga-Saison wurden sie von der um einen Spieler veränderten Mannschaft vielfach entschädigt: Mit einem deutlichen und verdienten 3:0-Sieg gegen den TTC Zugbrücke Grenzau, den man zwar schon vier Mal bezwungen hatte, aber noch nie so schnell.

Aussagekräftige Statistik

Der Spielbericht verrät noch mehr Details darüber, dass die TSV-Fans diesmal nicht zittern mussten, sondern vorwiegend genießen durften. Dass sie drei deutliche 3:0-Siege erlebten mit 9:0 Sätzen, von denen nur zwei in die Verlängerung gingen. Meistens werden zwischen 300 und 400 Bälle gespielt, diesmal waren es nur 168 (104:64). Nach einer Stunde und 43 Minuten, all inklusive (20 Minuten Pause) war der erste Saisonsieg im Sack.

„Feiern Sie den ersten Tabellenführer der neuen Saison“, hätte der Hallensprecher Jürgen Halbig erst gar nicht pushen müssen. Die 613 Zuschauer waren eh aus dem Häuschen ob dieser Machtdemonstration einer Mannschaft, die sich gesucht und gefunden hat. Es war zusammen gewachsen, was zusammen gehört: Ein Unterfranke, ein Oberpfälzer, ein Japaner und ein Kroate als Backup. Dieser Neuzugang Bastian Steger hatte gerade noch gefehlt: Von der Spielstärke her für jeden Bundesligisten ein Gewinn, vom Teambuilding her der Schlusstein im Mannschaftsgewölbe und vom Sympathiewert und seiner Bodenständigkeit her passend wie die Faust aufs Auge. Die Fans hatten ihn entweder schon vorher, aber spätestens nach den ersten Ballwechseln, ins Herz geschlossen. Gut, wenn 600 Leute „Basti, Basti“ brüllen, dann kann ein Steger ja auch nicht anders.

Entwaffnende Überlegenheit

Lampenfieber ließ er nicht („zumindest nicht nach außen“, so sein Vater Hans Steger) erkennen. Als Nummer 1 ging er gleich zum ersten Spiel an den Tisch gegen den Zweier von Grenzau, Mihail-Razvan Bobocica. Spätestens jetzt war jedwede aktuelle Weltranglisten-Statistik vom Tisch. Nach dieser wäre Bad Königshofen eh krasser Außenseiter gewesen, Steger nur statistisch mit dem Italiener auf Augenhöhe. Doch Steger gewann den ersten Punkt, den ersten Satz, wenn auch knapp, und am Ende sein erstes Spiel mit entwaffnender Überlegenheit.

Jetzt konnte er diese Huldigungen des Publikums selber so genießen, wie er es die letzten zwei Auftritte hier im Trikot des SV Werder Bremen noch neidvoll als „bestes Publikum in der TTBL“ mitbekommen hatte. Jetzt gehörte ihm, dem Olympia-, WM- und EM-Medaillen-Gewinner, dieses Publikum. Und mitten drin Papa Hans und Mama Gerti aus der Oberpfalz. Nach 20 Jahren bei vier verschiedenen deutschen Spitzenklubs war Steger in Bayern und Bad Königshofen angekommen.

Ort entzaubert die Nummer 33

Der echte Sohn der Stadt, Kilian Ort, nur 300 Meter von der Halle entfernt aufgewachsen, musste gegen den neuen Grenzauer Einser Kanak Jha, Olympiateilnehmer für die USA in Rio des Janeiro, ran. Der Shooting Star ist mit seinen 18 Jahren bereits auf Position 33 in der Weltrangliste zwischengelandet. Aber gegen Kilian Ort, die Nummer 215, sah er kein Land. Doch was war denn das für ein erster Satz! Nach 0:2 zog Ort auf 9:2 und 10:4 davon. Dieses eine Pünktchen würde schon noch irgendwie rüber purzeln. Doch die Zitterpartie gipfelte im 10:11 für Jha. Zum 11:11 setzte Ort voll auf Risiko nach dem Motto: „Frechheit siegt“. Den Aufschlag des Amerikaners returnierte er mit rotzfrecher Vorhandpeitsche unerreichbar zurück. Mit dem siebten Satzball beendete er den Thriller zur 1:0-Führung.

Emotionaler Punktgewinn

Wer weiß, wie Kilian Ort psychisch konditioniert ist, kennt sein Credo zum Saisonauftakt („Der ist ungeheuer wichtig für die ganze Runde“) und den Wert eines Siegs gegen einen viel höher eingestuften Spieler für sein Selbstvertrauen. Auch den zweiten Satz zog er eiskalt wie eine Hundeschnauze durch, über 10:4 zum 11:7. Beim Schlagabtausch zum 8:3 aber bekam der Ball eine Gänsehaut: Erst schlugen sie ihn sich mit langer Rallye gegenseitig um die Ohren. Dann kippte das Runde über das Gespannte, das Netz, zu Ort herüber auf die Tischkante, dann unter den Netzpfosten, fast auf den Boden. Wie von der Tarantel gestochen tauchte Kilian Ort ab und baggerte ihn an Pfosten und Netz vorbei auf die Jha?sche Seite zurück, holte selbst diesen Punkt. Mit dem 11:7 im dritten Satz hatte er aus der (für ihn) „Opfer-Rolle“, gegen den Einser, das Beste gemacht, einen Sieg.

Oikawa im Eilzugtempo

Dass sich ein Mizuki Oikawa in Normalform gegen einen griechischen U21-Europameister die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lässt, bewies der Japaner gegen Ioannis Sgouropoulos: Mit dem ersten und dritten Satz im ICE-Tempo, nur im zweiten etwas mühsam (14:12). Was für ein Luxus aber auch: Ein Oikawa auf Position 3! Und was für ein Bild zum Einrahmen: Die Tabelle mit dem TSV Bad Königshofen ganz oben.

Die Statistik des Spiels

Tischtennis: Bundesliga

TSV Bad Königshofen –

TTC Zugbrücken Grenzau 3:0

Bastian Steger – Mihai Bobocica 3:0 (11:9, 11:5, 11:8)

Kilian Ort – Kanak Jha 3:0 (13:11, 11:5, 11:7)

Mizuki Oikawa – I. Sgouropoulos 3:0 11:5/14:12/11:2

Oberschiedsrichter: Wilhelm (Kist). Zuschauer: 613.

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