TISCHTENNIS: TTBL

Alles ist möglich

Kilian Ort (vorne), der TSV Bad Königshofen und die Fans möchten nach vier Niederlagen gegen Mühlhausen in Folge endlich wieder einmal jubeln.
Kilian Ort (vorne), der TSV Bad Königshofen und die Fans möchten nach vier Niederlagen gegen Mühlhausen in Folge endlich wieder einmal jubeln. Foto: Rudi Dümpert

Tischtennis

Bundesliga TTBL TSV Bad Königshofen – Post SV Mühlhausen (Sonntag, 15 Uhr, Shakehands-Arena)

Für den Achten der Tischtennis-Bundesliga, den TSV Bad Königshofen, kam es zuletzt und kommt es demnächst knüppeldick, was die Qualität und das Renommee der Gegner betrifft: Erst der amtierende Meister Ochsenhausen (Dritter), dann vergangenen Sonntag in Maxhütte-Haidhof der Serienmeister Düsseldorf (Zweiter), das nächste Auswärtsspiel in Saarbrücken (Erster), so dass sich dieses vorletzte Heimspiel der Saison gegen den Post SV Mühlhausen (Fünfter) vergleichsweise leicht anhört.

Der Druck liegt bei den Gästen

Es liegt aber deutlich im Bereich mittelschwer bis nur lösbar, wenn das komplette TSV-Trio in Bestform spielt. Nur im ersten TTBL-Jahr konnte man daheim die Westthüringer schlagen. Danach setzte es vier Niederlagen, die letzte im Hinspiel mit 0:3. Dafür, dass der TSV Außenseiter ist, gibt es mehrere Argumente, umgedreht nur jenes: Der Klassenerhalt ist sicher. Druck, wenn auch positiver, liegt nur auf den Gästen.

Das am nächsten liegende Argument pro Mühlhausen ist das, dass die Postler vor einer Woche gegen den Tabellenvierten Werder Bremen mit Vizeweltmeister Mattias Falck mit 3:0 gewannen. Die besonderen Umstände in der dortigen Halle sind schon manchem Favoriten zur Falle geworden. Doch damit sind die Thüringer den Bremern (Vierter) bis auf zwei Punkte auf die Pelle gerückt und hegen vor den letzten vier Spielen berechtigte Hoffnungen zur Teilnahme an den Play-offs. Auch deshalb wird damit zu rechnen sein, dass die Gäste mit einer großen Fan-Gemeinde anrücken und die Stimmung in der Shakehands-Arena mitprägen werden.

Verletzungen machen es Kilian Ort schwer

Apropos Stimmung: Die war am vergangenen Sonntag in der Stadthalle von Maxhütte-Haidhof, mit 1300 Zuschauern ausverkauft, vom Feinsten. Kenner der Szene behaupten, das habe am Beitrag der rund 70 Bad Königshöfer Fans gelegen, die Bastian Steger in seine oberpfälzische Heimat begleiteten. Er sorgte auch mit seinen Matches gegen Timo Boll und Kristian Karlsson für die absoluten Höhepunkte, denen Mizuki Oikawa gegen Boll kaum nachstand. Besonders Steger hatte Boll am Rand der ersten Saison-Niederlage. Während Kilian Ort (1:3 gegen Ricardo Walther) weniger an den physischen Folgen seiner Verletzung und auch nicht an Technik und Taktik scheiterte, sondern an sich selber. Er hat es aber auch schwerer als jeder andere Spieler dieser Liga. Drei Verletzungen in einer Saison, das bedeutet lange Zeit zuschauen müssen, wie es bei anderen vorwärts geht, und sich dann immer wieder heranarbeiten müssen. Und das ohne Selbstzweifel und die Angst vor dem nächsten Genickschlag.

Überschaubare Erfolge bei den Hungarian Open

Während sich Mizuki Oikawa diese Woche in Bad Königshofen bei seinem Ziehvater Christian Fischer aufhielt und sich sogar ins Jugendtraining einbrachte, stellten sich Steger, Ort und Filip Zeljko bei den Hungarian Open in Budapest internationaler Konkurrenz – mit ausbaufähigen Erfolgen. Zeljko verschaffte sich wieder mal ein Erfolgserlebnis, hielt zunächst die deutsche Nachwuchshoffnung Nils Hohmeier (4:0) nieder. In der zweiten Runde verlor er 0:4 gegen Lam Siu Hang (Hongkong) Hier scheiterte auch Kilian Ort nach 2:0-Führung am Rumänen Cristian Pletea (3:4). Bastian Steger bezwang den Italiener Jordy Piccolin 4:2, verlor dann gegen den Tschechen Pavel Sirucek 3:4.

Mühlhausens Stärke ist die Ausgeglichenheit

Doch was macht Mühlhausen so stark? Das Trio Daniel Habesohn (Weltrangliste: 31./Einzelbilanz 13:8), Ovidiu Ionescu (57./10:6) und Lubomir Jancarik (91./6:6.) spielt seit einer gefühlten Ewigkeit bei den Postlern. In der zweiten Saison Steffen Mengel (129./10:6), alles andere als ein Ersatzmann. Er hat in dieser Woche seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert. Das Quartett lebt von seiner Ausgeglichenheit, alle vier von ihrer kollektiven Nervenstärke. Jancarik hat nach seiner 0:3-Niederlage gegen Filip Zeljko im ersten Bad Königshöfer Bundesligajahr nie wieder gegen einen TSV-Spieler verloren.

Der Ex-Nationalspieler Mengel konzentriert sich vorwiegend auf Einsätze in der Mannschaft. Der Österreicher Habesohn war zwei Mal Europameister im Doppel, ein Mal mit der Mannschaft. Der Rumäne Ionescu ist amtierender Vize-Europameister im Einzel und Vizeweltmeister im Doppel, der Tscheche Jancarik Olympiateilnehmer. Mengel hatte 21 Einsätze in der Nationalmannschaft, wurde 2014 Vizeweltmeister mit dem Team. Prognosen: Es ist alles möglich. Vielleicht bringt auch wieder mal ein Doppel die Entscheidung. (rd)

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