TISCHTENNIS: BUNDESLIGA

Bad Königshofen hat noch eine Rechnung offen

Kilian Ort (links) und sein Freund Dang Qiu spielen seit rund zwölf Jahren für Deutschland im Team und so oft es sich ergibt, wie hier bei der deutschen Meisterschaft 2017, im Doppel. Am Sonntag treten sie nun mit ihren Vereinen in der Tischtennis-Bundesliga gegeneinander an. Foto: Rudi Dümpert

Tischtennis

Bundesliga Männer TSV Bad Königshofen –

ASV Grünwettersbach (Sonntag, 15 Uhr, Shakehands-Arena)

Der TSV Bad Königshofen hatte mit dem ASV Grünwettersbach in der Tischtennis-Bundesliga (TTBL) immer harte Nüsse zu knacken, was ihm selbst nach hartem Ringen bisher nur einmal gelang. Trotz der Verstärkung durch Bastian Steger steht der TSV auch diesmal vor einer Riesen-Hürde. Die Mannschaft aus dem Karlsruher Stadtteil wurde nämlich trotz des Wechsels von Nationalspieler Ricardo Walter nach Düsseldorf eher noch stärker als in den vergangenen Jahren. Vom TTC Fulda-Maberzell wurde der Abwehrkünstler Wang Xi verpflichtet, mit dem die Bad Königshöfer bisher gar nichts anzufangen wussten. Aus Saarbrücken kam zudem der junge Däne Tobias Rasmussen, weil man dort vermeintlich noch stärkere Kaliber hat. Und dieser Rasmussen gewann in seinem ersten Spiel gleich einmal gegen den frisch gebackenen Vizeweltmeister Mattias Falck mit 3:1.

Grünwettersbach mit zwei Krimis

Die Gäste haben den Bad Königshöfern auf jeden Fall voraus, dass sie sich in dieser Saison schon an Tischtennis-Krimis gewöhnen konnten, während die TSV?ler vergleichsweise leichtere Aufgaben zu lösen hatten beim 3:0 gegen Grenzau und beim 3:1 in Jülich. Den ersten Krimi verlor Grünwettersbach gegen den SV Werder Bremen mit 2:3 – trotz 2:0-Führung und dem Sieg von Rasmussen gegen Falck. Wang Xi bezwang noch Hunor Szöcs, das Entscheidungsdoppel Qiu/Rasmussen verlor 2:3. Den nächsten Krimi gewann der ASV dann mit 3:2 gegen den Neuling TTC Neu-Ulm. Hier punkteten Wang Xi, Dang Qiu und das Doppel Qiu/Rasmussen.

Duell zweier Freunde

Immer wenn es mit seinem Heimatverein gegen Grünwettersbach und davor gegen Frickenhausen und Obererlenbach ging, war es für Kilian Ort ein besonderes Spiel. Der Grund: Bei diesen Vereinen spielte beziehungsweise spielt sein Freund Dang Qiu, mit dem er seit der Schüler-Nationalmannschaft zusammen im Team, im Doppel und im Doppelzimmer war. Zurzeit sind sie auch Mitglied der Sportförderkompanie der Bundeswehr und besuchen diese Woche einen Lehrgang in Sonthofen. „Wir haben dementsprechend eingeschränkte Möglichkeiten zum Training hier. Hinzu kam noch, dass ich in der vergangenen Woche das eine oder andere Schulterproblemchen hatte. Ich hoffe aber, es sollte klappen bis Sonntag“, sagt Ort.

Angstgegner fehlt

Der spezielle TSV-Teamgeist konnte also nicht sonderlich gepflegt werden. „Der Basti hat geheiratet, der Mizuki war in Japan.“ Grünwettersbach bedeutet aber auch für Stammbesucher in der Shakehands-Arena Erinnerung an einen nur in Insider-Kreisen bekannten Spieler, der in der vergangenen Saison als Ersatzmann mit nach Bad Königshofen gebracht und nach der ersten Runde eingewechselt wurde. Es war Sathiyan Gnanasekaran aus Indien, gegen den Kilian Ort kein Bein auf den Boden brachte. Ein „absoluter Vorzeigeprofi“, so die Aussage vom ASV, „der sich in seinem zweiten Jahr bei uns gegen starke Konkurrenz in der TTBL auf Olympia 2020 in Tokio vorbereiten will.“ Von ihm weiß Kilian Ort aber, und ist bestimmt nicht traurig deswegen, dass „er nicht mit kommt, sondern in Asien zu einem Turnier antreten muss.“

Wang Xi dagegen „hat uns das eine oder andere Mal schon zur Verzweiflung gebracht. Es wird sicherlich sehr schwer werden, ihn zu schlagen. Wir werden aber unser Bestes probieren.“ Zu Tobias Rasmussen: „Der ist mit dem Sieg gegen den Vizeweltmeister angekommen in der ersten Liga. Gegen den Dang Qiu müssen wir natürlich gewinnen“, sagt Kilian Ort erst ganz ernst im Ferngespräch, lacht dann aber: „Nein, Quatsch. Dang, willst du was dazu sagen?“ Natürlich waren die beiden Kumpels auch in Sonthofen auf einem Zimmer und so kam aus dem Hintergrund nur: „Ich? Ich freue mich einfach auf den Sonntag.“ Und Kilian Ort weiter: „Unsere Duelle sind ja bekannt.“ Es waren immer Duelle auf Augenhöhe dieser beiden, die nach dem Abitur voll auf den Profisport gesetzt haben: Auf Turnieren, in der Liga und im Training mit ausgeglichener Bilanz. Lange war Ort seinem Freund im Ranking ein Stückchen voraus. Momentan hat Dang die Nase vorne.

Längeres Spiel wird erwartet

Was die Sache etwas speziell macht: „Uns sind die Gegner bekannt, wir den Gegnern aber auch. Deshalb gehe ich davon aus, dass es ein enges Spiel wird und mich meine zwei Teamkollegen mit durch zerren werden.“ Und was Dang Qiu nicht mitbekommen sollte, schrieb Kilian Ort nach dem Gespräch: „Dang ist mittlerweile Top100-Spieler und das ist er komplett verdient. Außerdem ist er meiner Meinung nach die Zukunft des Tischtennissports.“ Wie die Zukunft des TSV-Quartetts Ort/ Steger/Oikawa/Zeljko in dieser Saison aussieht, darüber lässt sich nach diesem Spiel schon etwas mehr vermuten. Sicher ist indes der Hinweis für die Zuschauer vom Grenzau-Spiel: dieses wird bestimmt länger dauern.

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