Bad Neustadt

Diskussionen rund ums Geisterspiel des HSC

Ein trauriges Bild: Zum Heimspiel des HSC Bad Neustadt gegen die HG Saarlouis durften kurzfristig keine Zuschauer in die Halle.
Foto: Anand Anders | Ein trauriges Bild: Zum Heimspiel des HSC Bad Neustadt gegen die HG Saarlouis durften kurzfristig keine Zuschauer in die Halle.

Reichlich Gesprächsstoff gab es rund um das Geisterspiel am Wochenende in der 3. Liga Mitte zwischen dem HSC Bad Neustadt und der HG Saarlouis. Aufgrund der stark ansteigenden Corona-Fallzahlen wollten die Verantwortlichen des HSC die Begegnung gegen den bis dato verlustpunktfreien Tabellenführer im Vorfeld absagen. Da die Saarländer nicht zustimmten, musste am Samstagabend gespielt werden. Als Sieger gingen nach hart umkämpften 60 Minuten aber nicht die klar favorisierten Gäste, sondern überraschend die Rotmilane vom Parkett.

„Wir haben eine wahnsinnig gute Mannschaftsleistung gezeigt. Mit unserer Spielweise und einem sehr guten Torhüter Stanislaw Gorobtschuk haben wir den Gegner letztlich verdient in die Knie gezwungen“, freut sich HSC-Geschäftsführer Eduard Mardian über den 22:18-Erfolg. Aus sportlicher Sicht konnte die Stimmung bei den Rotmilanen nach diesem Überraschungs-Coup kaum besser sein.

Mardian: „Haben auch eine Vorsorgepflicht für die Spieler“

Reichlich Diskussionen gab es jedoch im Vorfeld der Partie. „Wir hätten die Begegnung gerne abgesagt. Bei uns im Landkreis war der Sieben-Tage-Inzidenzwert über 60, in Saarlouis noch um einiges höher. Da stellte sich schon die Frage, ob kurz vor dem beschlossenen Lockdown an einem Ort Personen aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands zusammen kommen müssen“, sagt Mardian. Im Laufe des Freitags erreichte den HSC-Geschäftsführer dann aber die Nachricht, dass die HG Saarlouis einer Absage nicht zustimmt. „Das kam bei uns natürlich nicht so gut an. Aus sportlicher Sicht war die Entscheidung natürlich zu akzeptieren. Wir haben aber auch eine Vorsorgepflicht für die Spieler und das wurde bei dieser Entscheidung nicht bedacht“, findet Mardian.

Freiwilliger Verzicht auf Fans: Vierstelliger Betrag fehlt

Auch auf der Facebook-Seite des HSC sorgte das Veto der Saarländer für großes Unverständnis und löste Diskussionen aus, ob man kurz vor dem Lockdown noch unbedingt ein Handball-Spiel in der 3. Liga austragen muss. „Dass es auch anders geht, hat man in der 3. Liga Süd gesehen. Da hat die SG Leutershausen kurzfristig um die Absage des Spiels beim HC Erlangen II gebeten. Dem kamen die Erlangener auch ohne große Diskussionen nach“, sagt Mardian.

Um das Risiko möglicher Ansteckungen so gering wie möglich zu halten, habe sich der HSC letztlich kurzfristig dazu entschieden, keine Fans in die Bürgermeister-Goebels-Halle zu lassen. Erlaubt hatte das Landratsamt Rhön-Grabfeld eigentlich 100 Zuschauer. „Das zeigt, dass es uns wirklich um die Gesundheit aller Beteiligten ging. Durch den freiwilligen Verzicht auf Zuschauer fehlt uns am Ende auch ein vierstelliger Betrag. Damit hätten wir zumindest die Kosten für die Schiedsrichter abdecken können“, erläutert Mardian.

Ihl fürchtet, dass der Sieg am Ende wertlos ein könnte

Trotz aller äußeren Umstände habe sich die Mannschaft aber nicht aus der Bahn werfen lassen und gezeigt, dass sie in der 3. Liga mithalten kann. Was der zweite Saisonsieg letztlich tatsächlich wert sein wird, ist unterdessen noch offen. „Ich befürchte, dass dieser Sieg für die weitere Saison wertlos ist“, glaubt beispielsweise HSC-Coach Frank Ihl. Wie viele seiner Kollegen vermutet auch er, dass der Deutsche Handballbund (DHB) die Saison abbrechen wird, weil eine Fortsetzung terminlich für die Klubs nicht zu stemmen sei. Von den bisherigen fünf der insgesamt 34 Spieltagen in der 3. Liga Mitte haben nur der HSC Bad Neustadt und eben die HG Saarlouis das volle Programm absolviert, Teams wie die HSG Bieberau-Modau erst eines, die Mehrzahl erst zwei.

Mehrere Szenarien zur Fortführung der Saison

Um die Saison planmäßig zu beenden, wären Nachholspiele unter der Woche unvermeidlich. Das ist für die meisten Vereine, deren Spieler in der Regel noch einem Beruf nachgehen und angesichts der weiten Strecken, ein Unding. Diskutiert werden laut Ihl daher bereits mehrere Szenarien. So könnte die Saison vorerst abgebrochen und die neue Spielzeit als einfache Runde mit 17 Spieltagen durchgeführt werden. Auch eine Aufteilung der 3. Ligen nach regionalen Gesichtspunkten steht zur Diskussion. „Bevor man sich mit solchen Gedankenspielen beschäftigt, muss aber zuerst einmal geklärt sein, ob die 3. Liga eine Amateur- oder eine Profiliga ist“, findet Mardian.

Daher wird der DHB in den nächsten Tagen die Meinungen der beteiligten Vereine einholen. Bis zum 15. November ist der Spielbetrieb in der 3. Liga zunächst unterbrochen. Ob es danach mit Geisterspielen weiter geht, erscheint allerdings fraglich. „Auf lange Sicht sind Spiele ohne Zuschauer für uns nicht zu stemmen. Hier bräuchten wir definitiv finanzielle Unterstützung, um das aufzufangen“, sagt Mardian. Mitarbeit: Peter Balthasar

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