TISCHTENNIS: TTBL

In Bad Königshofen blickt man optimistisch nach vorne

Wann und wie geht es in der Tischtennis-Bundesliga (TTBL) weiter? Wie wird der deutsche Meister ausgespielt? Diese und mehrere andere Fragen wurden in einer Telefon-Konferenz angesprochen, Lösungsansätze diskutiert und zum Teil gefunden. Teilnehmer waren unter der Leitung von Geschäftsführer Nico Stehle (Fulda) die Vertreter der zwölf aktuellen Bundesligisten sowie des sportlichen Aufsteigers für die kommende Saison TTC OE Bad Homburg. Die Interessen des TSV Bad Königshofen vertraten die beiden Geschäftsführer der Tischtennis Bad Königshofen GmbH Udo Braungart und Andy Albert.

TSV-Spieler in Kurzarbeit

Zunächst tauschten die Vereine ihre derzeitige Situation aus. Wie bei allen anderen befinden sich auch die Angestellten des Bad Königshöfer Bundesligisten, die Spieler Bastian Steger, Kilian Ort und Filip Zeljko sowie Trainer Koji Itagaki in Kurzarbeit. Mikzuki Oikawa steht ja seit der von ihm gewünschten vorzeitigen Auflösung seines Vertrags nicht mehr auf der Gehaltsliste. Sorgen haben nicht nur die Underdogs, sondern auch manche Großvereine. Saarbrücken und Grünwettersbach haben ihre Bundesligareserven herabgestuft. Selbst beim Aushängeschild des deutschen Mannschafts-Tischtennis der Männer Borussia Düsseldorf ist die Stimmung sorgenvoll. „Wir werden bluten“, sagt Andreas Preuß, Manager des Rekordmeisters. Die knapp 20 Angestellten sind größtenteils in Kurzarbeit. „Wir haben 20 Jahre lang solide gewirtschaftet und Rücklagen gebildet. Je nach dem, wie lange es dauert, kann es sein, dass davon nichts mehr übrig bleibt.“

Düsseldorf hat sich mit sechs anderen TTBL-Clubs der Kampagne #gemeinsamfuerdensport von SportdeutschlandTV angeschlossen. Der online-Sportsender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) will auf die bedrohliche Situation vieler Vereine aufmerksam machen und Spenden sammeln. „Wenn ich das so verfolge, sind wir sogar die Einäugigen unter Blinden“, so der Bad Königshofens Manager Andy Albert. Er sei mit seiner positiven Schilderung der aktuellen wirtschaftlichen Verhältnisse eher aus dem Rahmen gefallen. Außer zwei Kleinsponsoren, die vorübergehend absagen mussten, sei das Paket der Partner beisammen geblieben. Einige hätten sogar eine Schippe drauf gelegt. „Natürlich sind uns auch unsere Spieler entgegengekommen, indem sie selber mit einem teilweisen Verzicht auf ihr Gehalt auf uns zukamen. Dadurch konnten wir einen vernünftigen Etat aufstellen.“ In dieser Situation habe er die familiäre Art der Vereinsführung bestätigt gesehen.

Vorsichtige Etat-Planung

Dennoch warnt auch Albert: „Weit im Voraus zu planen fällt auch uns schwer. Wir hatten bisher mit durchschnittlich 600 Zuschauern die zweitmeisten hinter Düsseldorf. Im VIP-Bereich wurden pro Heimspiel knapp 120 Essen ausgegeben. Vor vollen Rängen werden wir vermutlich zeitnah nicht spielen können. Unsere Einnahmen aus dem Heimspielen belaufen sich normal auf rund 35000 Euro. In unserem Haushalt ist dieser Posten genullt.“ Man wolle kein Geld verplanen, von dem man nicht weiß, ob man es verdienen kann. Mit dieser Art von Planung hätten sich auch die Spieler solidarisch erklärt. „Wir schlagen ihnen ein Gehalt vor, das sich mit unseren planbaren Einnahmen deckt. Sollten wir doch vor Zuschauern spielen können, gibt es eine nachträgliche Vergütung.“ Mit den knapp 50 Sponsoren pflegen Albert und Braungart einen offenen Austausch. „Wir haben Partner, die uns seit Jahren unterstützen. Die fragen wir, was sie derzeit leisten können, ohne unsererseits gleich Leistungen zu kürzen.“ Albert zeigt sich kämpferisch: „Wir gehen nicht kaputt. Wir leben als Verein vom Ehrenamt. Es wird hier auch im nächsten Jahr Tischtennis-Bundesliga geben.“

Vereine nah an den Sponsoren

Besonders getroffen hat Corona den voraussichtlichen Aufsteiger TTC Bad Homburg. Sportlich haben sich die Hessen qualifiziert, wirtschaftlich sind sie bei zwei Dritteln ihres ursprünglich geplanten Etats. Man sei weiterhin auf Sponsorensuche und habe zu einem Crowdfunding aufgerufen, meldete der Sportliche Leiter Mirko Kupfer. Man nähere sich mit kleinen Schritten dem Ziel. In der Schaltzentrale der TTBL weiß man nun von den Befindlichkeiten der Clubs. „Das Lizenzierungsverfahren wird uns eine detaillierte Standortbestimmung geben“, so der Geschäftsführer Nico Stehle. „Wir wollen diese Krise zusammen mit den Vereinen bewältigen.“ Man wolle ihnen mit einem dreistufigen Lizenzierungsverfahren entgegenkommen. „Tischtennis hat womöglich den Vorteil, dass die Vereine sehr nah an den Sponsoren sind und Partnerschaften oft eine emotionale Komponente haben.“

Andy Alberts Optimismus kehrte sogar eine positive Folge der Krise hervor: „Vielleicht sorgt das Ganze dafür, dass künftig weniger internationale Turniere beflogen werden. Das könnte die Liga stärken.“ Und Düsseldorfs Andy Preuß: „Es hat uns einmal kräftig durchgeschüttelt. Nach der Krise werden die am besten dastehen, die sich schnell aufgerichtet haben und nach vorne schauen. Jetzt heißt es neu durchstarten und nicht zu viel über das Alte nachdenken.“

Planungen laufen anders als sonst

Angedacht sei von der TTBL, mit der neuen Saison möglichst früh, etwa Anfang September, zu beginnen, damit noch Raum für ITTF-Turniere bleibt. Mit dem Aufbauteam um Johannes Heusinger hat Andy Albert bereits für den Tag X erste Gedankengänge ausgetauscht. „Für den Fall, dass wir mit den entsprechenden Abstandsregeln Zuschauer rein lassen dürfen, kriegen wir locker 300 Leute unter. Manche andere Vereine haben es nicht so einfach. Dabei dürfen wir auch froh sein, dass wir vieles ehrenamtlich oder mit Minijobs machen.“ Die Planungen für die vierte TTBL-Saison der Königshöfer laufen also anders als sonst, aber sie sind in vollem Gang.

Rückblick

  1. Die Auswirkungen des Corona-Ausbruchs im Grabfeld auf den lokalen Spitzensport
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  3. Bad Königshofens Spiel gegen Ochsenhausen verlegt
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  5. Sorgen um die Attraktivität der Tischtennis-Bundesliga
  6. HSC und Bad Königshofen: Neue Pläne müssen her
  7. Lieber mit Fans den Sieg gefeiert
  8. Bad Königshofens große Show im Geisterspiel
  9. Bundesligist TSV Bad Königshofen: Prognosen sind kaum möglich
  10. Fulda-Maberzell sorgt international für Aufsehen
  11. Bundesliga-Auftakt: Warum die Halle leer bleiben muss
  12. Tischtennis: Corona-Fall in Bad Königshofen
  13. Tischtennis: Corona-Fall in Bad Königshofen
  14. Ein Glücksgriff für die Jugendarbeit des TSV Bad Königshofen
  15. TSV Bad Königshofen: Saisonstart vor bis zu 300 Zuschauern?
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  17. Beim TSV Bad Königshofen ist alles im grünen Bereich
  18. Andy Albert kritisiert die Art und Weise der Terminplanung
  19. Bastian Steger zeigt starke Nerven und starke Rückschläge
  20. TSV Bad Königshofen erhält die TTBL-Lizenz
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  22. Salifou komplettiert den Kader des TSV Bad Königshofen
  23. Salifou: „Ich habe zwei ganz verschiedene Personen in mir“
  24. In Bad Königshofen blickt man optimistisch nach vorne
  25. TSV Bad Königshofen: Mit offenen Armen aufgenommen
  26. Kilian Ort: Cool bleiben in der Krise
  27. Nach Mizuki: TSV verfällt nicht in Schockstarre
  28. TSV Bad Königshofen erfolgreich wie nie
  29. Wegen Corona? Mizuki Oikawa verlässt Bad Königshofen
  30. Kilian Ort hat großen Spaß am Mini-Tisch
  31. Bad Königshofen: „Tischtennis ist momentan nur Nebensache“
  32. Die Saison des TSV Bad Königshofen ist vorbei
  33. Bad Königshofens Siegchancen verschwimmen bald
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