FUßBALL:

Tobias Miller ist Trainer und Schiedsrichter in einem

Tobias Miller (rechts) vom TSV Heustreu jagt nicht nur selbst dem runden Leder hinterher, sondern trainiert zudem die U9-Junioren der SG Heustreu. Nach der Trainer-C-Ausbildung (Kinder und Jugend) könnte er in Zukunft auch als Schiedsrichter auf dem Platz stehen.
Tobias Miller (rechts) vom TSV Heustreu jagt nicht nur selbst dem runden Leder hinterher, sondern trainiert zudem die U9-Junioren der SG Heustreu. Nach der Trainer-C-Ausbildung (Kinder und Jugend) könnte er in Zukunft auch als Schiedsrichter auf dem Platz stehen. Foto: Anand Anders

Wenn Fußballtrainer und Schiedsrichter aufeinander treffen, sind sie nicht immer einer Meinung. Das ist in der Bundesliga nicht anders als in der B-Klasse. Ein nicht gegebener Elfmeter, ein ungerechtfertigter Platzverweis oder eine viel zu kurze Nachspielzeit – Gründe für eine Niederlage werden schnell bei den Unparteiischen gesucht. Da wundert es nicht, dass es immer weniger Nachwuchs bei den Schiedsrichtern gibt. Um das Verhältnis zwischen Trainern und Schiedsrichtern zu verbessern und gleichzeitig potenzielle neue Referees zu gewinnen, hat sich der Bayerische Fußball-Verband (BFV) etwas einfallen lassen.

Gespür für die Rolle des Schiris

Seit 2017 müssen alle Trainer, die eine C-Lizenz erwerben wollen, im Rahmen ihrer Ausbildung einen Schiedsrichter-Neulingskurs absolvieren. Ziel des BFV ist es, den angehenden Coaches ein Gespür für die Rolle des Unparteiischen zu vermitteln. „Ich finde diese Regelung sinnvoll. So lernt man auch einmal die Seite der Schiedsrichter kennen“, sagt Tobias Miller. Der 22-Jährige ist einer von drei Abteilungsleitern beim TSV Heustreu und hat einen dezentralen Trainer-C-Lehrgang (Kinder und Jugend) in Heustreu mitorganisiert. Anfang Januar fanden die ersten Unterrichtseinheiten statt und auch die Schiedsrichterprüfung haben alle Teilnehmer mittlerweile erfolgreich abgelegt.

Auf einer Online-Plattform des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) konnten sich die angehenden Trainer die nötigen Informationen über die Regeln aneignen. „Das hat jeder von uns selbst gemacht und hat super funktioniert“, sagt Miller. Zum Abschluss der Ausbildung fand dann unter der Leitung von Schiedsrichter Niklas Baudach (Schiedsrichtergruppe Würzburg) eine achtstündige Präsenzveranstaltung in Heustreu statt.

Hierbei wurde den Teilnehmern neben den Schwerpunkten der wichtigsten Regeln auch die praktische Anwendung auf dem Spielfeld näher gebracht. Am Ende des Tages stand die schriftliche Prüfung mit 30 Fragen auf dem Programm. „Damit entspricht der Kurs dem Umfang eines Schiedsrichteranwärter-Lehrgangs in den Gruppen. Auch dort wird inzwischen viel mehr die Online-Ausbildung genutzt“, sagt Horst Schäfer (Friedberg bei Augsburg). Er ist Mitglied im Verbands-Schiedsrichter-Ausschuss und verantwortlich für die Schiedsrichterausbildung im Rahmen der C-Trainer-Ausbildung in Bayern.

Komplett abgeschlossen ist die Schiedsrichterausbildung damit aber noch nicht. Erst müssen die Lehrgangsteilnehmer noch drei Spiele als Schiedsrichter leiten. „Diese können seit diesem Jahr auch im eigenen Verein gepfiffen werden“, informiert Schäfer.

„Durch den Einsatz als Schiedsrichter erfahren viele Trainer zum ersten Mal die Perspektive auf der anderen Seite“, hebt er die positiven Aspekte dieser neuen Ausbildungsform hervor. „Die Schwierigkeiten einer Spielleitung mit all ihren Regeln, die Trainerkollegen, die oft anderer Meinung sind und nicht zu vergessen die vielen Mütter und Väter am Spielfeldrand bilden ein nicht immer einfaches Umfeld.“ Mit diesem Gesamtpaket solle daher die Belastung gerade junger Schiedsrichter aufgezeigt und der Respekt gegenüber dem Unparteiischen gesteigert werden.

Froh über jeden neuen Referee

Auch auf einen positiven Nebeneffekt hofft der BFV. Vielleicht wird ja doch bei dem einen oder anderen Trainer das Interesse am Hobby Schiedsrichter geweckt. „Priorität hat zwar die Regelausbildung der angehenden Trainer, aber natürlich sind wir froh über jeden einzelnen neuen Schiedsrichter. Zumal diese oft schon viel fußballerisches Know-how aus ihrer Tätigkeit als Trainer mitbringen und dadurch schnell integriert werden können“, sagt Schäfer. „Die Ausbildung ist auf alle Fälle zwei Jahre gültig.“ Dadurch können die Teilnehmer fast ohne Verzögerung als vollwertige Schiedsrichter agieren. „Der Interessent muss sich nur noch der jeweiligen Schiedsrichtergruppe seinen Wohnortes anschließen“, ergänzt Schäfer.

Tobias Miller kann sich sehr gut vorstellen, in Zukunft neben seiner Tätigkeit als Trainer der U-9-Junioren der SG Heustreu und aktiver Fußballer auch als Schiedsrichter auf dem Sportplatz zu stehen. Auch von einigen anderen Teilnehmern hat er bereits positive Rückmeldungen bekommen. „Die Schiedsrichter werden schnell kritisiert, doch die wenigsten wissen, wie schwer diese Aufgabe ist. Ich hatte schon ein paar Mal überlegt, an einem Schiedsrichter-Neulingskurs teilzunehmen. Die lange Ausbildungsdauer über mehrere Wochen hat mich aber abgeschreckt“, sagt der 22-Jährige. „Durch den Trainer-C-Lehrgang konnte ich jetzt aber zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“

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