Bad Königshofen

Werder Bremen bleibt ein Angstgegner für den TSV Bad Königshofen

Bastian Steger (im Bild) brachte den TSV Bad Königshofen mit einem Erfolg über den Bremer Marcelo Aguirre in Führung.
Foto: Rudi Dümpert | Bastian Steger (im Bild) brachte den TSV Bad Königshofen mit einem Erfolg über den Bremer Marcelo Aguirre in Führung.

So überraschend mancher der acht Siege des TSV Bad Königshofen in dieser Saison in der Tischtennis-Bundesliga auch gelungen sein mag, so überraschend mutet die 1:3-Heimniederlage gegen Werder Bremen an. Zumindest für den, der sich nur an der Tabelle orientiert. Allein dieser nach durfte sie nie passieren. Wäre sie auch nicht, wäre man im November oder Dezember auf den SV Werder Bremen getroffen.

Da kam  der aktuelle Vize-Weltmeister Mattias Falck, der vor seiner Hochzeit noch Karlsson hieß, völlig außer Form von den Bubble-Turnieren in China zurück und verlor sieben Spiele gegen Gegner, gegen die Bastian Steger und/oder Kilian Ort gewonnen haben. Inzwischen ist der Schwede wieder in WM-Form und bestätigte den Hallensprecher Jürgen Halbig bei seiner Vorstellung: "Er ist die Lebensversicherung der Bremer, weil er fast immer zwei der drei nötigen Punkte holt."

Bastian Steger sorgt für eine seltsame Art von Spannung

Dies trat auch voll und ganz ein. Zunächst allerdings sorgte Bastian Steger für das 1:0 der Gastgeber. Wobei der Oberpfälzer gegen Marcelo Aguirre, den Paraguayer mit italienischen Wurzeln und Temperament, eine seltsame Art von Spannung erzeugte. Natürlich war von Steger kein Geburtstagsgeschenk für den bisher jüngsten Olympia-Teilnehmer der Geschichte - als Fünfzehnjähriger spielte er 2006 in Peking - zu erwarten, der am Tag zuvor 28 geworden war.

8:2 führte der Bad Königshöfer Einser gegen den taktischen Bremer Zweier, ließ ihn auf 9:9 herankommen und verhinderte gerade noch mit 11:9 einen Fehlstart. Spiegelbild des Verlaufs im zweiten Durchgang, den Steger mit 6:1 und 10:7 anführte und es wieder eng werden ließ – 11:9. Im dritten lief ihm der Bremer bis 3:7 und 9:10-Satzball davon. Als wäre es selbstverständlich machte Steger aber den Satz mit 12:10 zu.

Filip Zeljko füllt die Außenseiterrolle hingebungsvoll aus

Anschließend wehrte sich Filip Zeljko mit Hingabe in der Außenseiterrolle gegen Mattias Falck, den Achten der Weltrangliste. Sehr gut sah es zunächst für ihn aus, als er sein aggressives Tischtennis in der Tasche ließ und für seine Verhältnisse extrem defensiv, fast übervorsichtig, begann – und damit auf 8:4 davonzog. Das war nicht nur auf Augenhöhe, sondern Unterkante Augenbraue.

Am Ende fehlten ihm doch die Mittel, als der Schwede auspackte und Einblick gab, wie er Vizeweltmeister geworden war – 9:11. Und wieder dieses sonderbare Bild im zweiten Satz: wieder 8:4 für Zeljko, wieder 11:9 für Falck. Im dritten lief dann alles wie eigentlich erwartet. Falck ließ nichts anbrennen und sorgte für das Unentschieden zur Pause.

Im Duell der taktischen Dreier Kilian Ort gegen Kirill Gerassimenko wollte der Lokalmatador sich endlich wieder einmal gegen den gleichaltrigen Kasachen durchsetzen, den er schon zweimal geschlagen hat. Doch der konnte viel früher die zunächst bei beiden deutlich bemerkbare Nervosität ablegen. Schließlich war unschwer ausrechenbar, dass dieses das Schlüsselspiel der ganzen Begegnung, vielleicht das Spiel für den Schlüssel zu den Play-offs für die Gastgeber sein würde. Mit Falcks Sieg hinterher gegen Steger musste man rechnen. Gewänne Ort also, könnte das Schlussdoppel entscheiden.

Wie Phönix aus der Asche taucht Kilian Ort im vierten Satz auf

Total ausgeglichen verlief der erste Satz, der durch ein paar vermeidbare Fehler von Ort erst hintenraus auf 9:11 kippte – unnötig. Im zweiten schien ihm das Spiel aus den Händen zu gleiten, war das Leichtgewicht aus der Hansestadt schnell mit 8:4 weg. Orts Aufholjagd sah nur bis 8:9 erfolgversprechend aus. Doch diesmal kippte der Satz nicht. Im dritten Durchgang tauchte Ort auf wie Phönix aus der Asche und meldete sich mit 11:4 zurück.

Und im vierten zeichnete sich ab, dass Ort überwiegend bei den kurzen Ballwechseln punktete, so dass ihn Gerassimenko in die langen zwang, die er für sich entschied. Zwei der drei Matchbälle konnte Ort bei 7:10 noch abwehren. Der Punkt zum 9:11 war dann symptomatisch für dieses Spiel, in dem gegen den Bad Königshöfer so ziemlich alles lief, was auf der Rasierklinge tanzte: Es war ein unerreichbarer Kantenball.

Nun hätte Bastian Steger also zaubern müssen, um diese Bremer Lebensversicherung zu besiegen. Im ersten Satz (6:11) sah es danach nicht aus. Doch im zweiten zeigte der 1,70-Meter-Mann dem einen Kopf Größeren, wo der Hammer hängt und dass er nicht gewillt war, sich nur ehrenhaft aus der Affäre zu ziehen. Einen Satzball wehrte er ab und verwandelte seinen zweiten zum 13:11.

Doch so sehr er sich in den Sätzen drei und vier mit Händen und Füßen, aber auch mit Herz und Verstand wehrte, reichte es doch nicht dazu, Ort und Zeljko ins Entscheidungsdoppel zu schicken. Bremen ist und bleibt ein Angstgegner der Bad Königshöfer. Von acht TTBL-Begegnungen gewannen die Norddeutschen sechs.

Am Dienstagabend geht es in Fulda weiter

Gut 48 Stunden nach dem Ende der Partie gegen Bremen beginnt nach der kürzesten Reise der Saison das osthessisch-unterfränkische Derby im Fuldaer Stadtteil Maberzell (Dienstag, 26. Januar, 19 Uhr). Beim Hinspiel, am ersten Spieltag der Saison, konnten die Bad Königshöfer den Bock endlich umstoßen und den ersten Sieg überhaupt gegen Fulda erzielen: 3:0 mit 9:4 Sätzen. Nach heutigem Wissenstand wurden da für beide Teams die Wegweiser für diese Runde im Zeichen von Corona gestellt.

Bei den TSV´lern folgten danach allerdings erst vier Niederlagen hintereinander, so dass man mit 2:8 Punkten den Blick nach hinten richten musste. Dann aber ließen sie sechs Siege in Serie folgen, die erst am vorletzten Sonntag von Borussia Düsseldorf beendet wurde. Während Fulda meistens Drittletzter war, inzwischen mit ausreichendem Abstand zu den Abstiegsplätzen. Da für die Gastgeber nach oben wie nach unten die Messe gelesen ist, dürfte der größere Druck auf den Gästen liegen, die sich mit einem Sieg noch vage Hoffnungen auf die Play-offs machen könnten.

Die Statistik des Spiels

Tischtennis: Bundesliga
TSV Bad Königshofen - SV Werder Bremen 1:3
Bastian Steger - Marcelo Aguirre 3:0 (11:9, 11:9, 12:10)
Filip Zeljko - Mattias Falck 0:3 (9:11, 8:11, 8:11)
Kilian Ort - Kirill Gerassimenko 1:3 (9:11, 8:11, 11:4, 9:11)
Steger - Falck 1:3 (6:11, 13:11, 8:11, 9:11)
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