Ipthausen

Wie sich Julian Grell von Louis van Gaal inspirieren lässt

Als Spieler des TSV Aubstadt hatte er die Kapitänsbinde am Arm, jetzt hat Julian Grell (vorne) das Heft als Trainer des SV Euerbach/Kützberg in der Hand.
Foto: Steffen Krapf | Als Spieler des TSV Aubstadt hatte er die Kapitänsbinde am Arm, jetzt hat Julian Grell (vorne) das Heft als Trainer des SV Euerbach/Kützberg in der Hand.

Julian Grell war ein Fußballer und ist ein Mensch mit Ecken und Kanten, der sich nicht verbiegen lässt und zu seiner Überzeugung steht. Grell selbst fügt an: „Wobei es nie um meine Person geht, sondern um den Erfolg der Mannschaft.“ Womit er irgendwie auch an seine beiden Großonkel, die Köhler-Zwillinge Werner und Gerd erinnert, die gerade Sechzigsten feierten. Grell ist 34 Jahre alt, von Beruf Industriemechaniker und lebt im Bad Königshöfer Stadtteil Ipthausen. Er spielte für seinen Heimatverein TSV Bad Königshofen in der Kreis-, Bezirks- und Bezirksoberliga, ging als Kapitän immer voran. Beim TSV Aubstadt ebenso, in der Landes-, Bayern- und Regionalliga. In der letzten Winterpause wechselte er, zunächst als spielender Co-Trainer, zum Landesligisten SV Euerbach/Kützberg.

Der letzte „halbe Abschter“ verließ im Januar den TSV

Mit sechs Jahren schnürte Grell erstmals die Stiefel für den TSV Bad Königshofen, für den er in allen Junioren-Mannschaften spielte, zwischendurch ein Jahr beim FC Haßfurt. Von seinen fünf Trainern im Männerbereich, den absoluten Experten Werner Köhler, Dieter Kurth, Frank Mauer und Bernd Knahn, hat der immer Lernwillige und Ehrgeizige „von jedem etwas“ mitbekommen, was ihm jetzt in seiner neuen Aufgabe zugute kommt. 2011 wechselte er, zur selben Zeit wie Josef Francic, nach Aubstadt, seinem zweiten Heimatverein, mütterlicherseits. Sie nannten ihn den „letzten halben Abschter“, bis zu seinem Wechsel nach Euerbach im Januar 2020. Bis dahin hatte er, sehr bald wieder als Kapitän, 248 Einsätze und 54 Tore erzielt. Für einen Mittelstürmer nicht so sehr überragend wie seine Körpergröße von 1,97 Meter. Er hatte seinen Mehrwert in den gefühlt fünf Mal so häufigen Torvorlagen: mit dem Kopf, der Brust oder den Füßen. Er war der Zielspieler, ging dahin, wo es weh tat und war verantwortlich für den tödlichen Pass. Und er bekam viel auf die Socken.

Wie waren die 28 Jahre als aktiver Fußballer? „Insgesamt hatte ich eine wunderschöne Zeit, egal wo. Ein bisschen was würde ich aus heutiger Sicht sicherlich anders machen. Man lernt immer dazu“, sagt Grell. „Ich war sehr ehrgeizig, zumal mir die körperlichen Voraussetzungen von der Athletik her nicht so in die Wiege gelegt wurden.“ In der Königshöfer Flur kannte er jede Ackerscholle von seinen individuellen Laufeinheiten her. Seit wann er sich mit dem Gedanken, Trainer zu werden, beschäftigte? „Als Louis van Gaal Trainer bei den Bayern war. Der ließ den schönen Fußball spielen, wie ich ihn mir vorstellte und ich fragte mich, wie macht der das. Ich habe mit Josef viel darüber geredet und konnte so viel mitnehmen.“ Francic habe ihn dann irgendwann gefragt, ob er, „da war ich 30“, nicht diese Schiene fahren wolle. „Natürlich auch vor dem Hintergrund, ehemalige Spieler im Verein zu halten.“

Von Josef Francic in den letzten Jahren viel gelernt

Vor vier Jahren stieg Julian Grell dann ein mit der B-Lizenz, die er durch mehrere Lehrgangswochen in Oberhaching erwarb. „Weil der Notendurchschnitt passte, konnte ich weitermachen. In Aubstadt befasste man sich damit, eines Tages einen Trainer mit A-Lizenz haben zu müssen, sprich in der Regionalliga. „Dann habe ich mit der Jugend-Elite-Lizenz begonnen, die Voraussetzung für die A-Lizenz ist. Das läuft zurzeit online mit Präsenz-Tagen in Duisburg. Auch das ist jetzt alles etwas schwierig“, erklärt Grell.

Womit wir bei der Übernahme seiner ersten Trainerstation wären. „Alles halt etwas schwierig wegen Corona.“ Und das gleich zum Einstand bei einem Landesligisten. Dort, beim SV Euerbach/Kützberg, war Ulli Baumann noch Trainer und bot Grell im Dezember an, in der Rückrunde als Co-Trainer noch mitzuspielen und ab Juli von ihm zu übernehmen. „Dass ich eine neue Mannschaft aufbauen sollte, war für mich der springende Punkt, der es interessant gemacht hat. Ulli war ja jahrelang der Ausbilder des Schweinfurter Nachwuchses.“ Francic hat auch über Jahre eine Mannschaft aufgebaut. Was konnte er von ihm besonders mitnehmen? „Sehr gut beherrscht hat er die Belastungssteuerung, weshalb wir auch immer in einem körperlich sehr guten Zustand waren. Wir haben quantitativ vielleicht etwas weniger als andere Mannschaften trainiert, dafür umso intensiver. Er spürte aber auch, wenn?s nötig war, das Tempo rauszunehmen.“

Mit vier Spielern seines Kaders in Aubstadt zusammen gespielt

Mit vier Spielern seines jetzigen Kaders hat er noch in Aubstadt zusammen gespielt. Christoph Schmidt und Jannik Binder sind zeitgleich mit ihm zum SV Euerbach/Kützberg gewechselt. Steffen Schmidt und Markus Thomann kamen über den Umweg Abtswind. Die beiden und noch zwei weitere Abtswinder Zugänge sind allerdings noch gesperrt. Die Test-, Liga- und Ligapokal-Spiele unter Julian Grell brachten nur von den Ergebnissen her ein Auf und Ab. In ein gemachtes Nest hat er sich nämlich nicht legen können, es gab einiges aufzuarbeiten. Die vier gesperrten Neuzugänge vermisse er daher sehr.

„Personell war es etwas eng. Ich musste sogar selber mal mitspielen. Von der Harmonie und dem Engagement her bin ich aber hoch zufrieden. Ich habe auch das Gefühl, dass ich ankomme und angekommen bin.“ Ziele? Da hält es Grell mit Francic: „Einen Schritt nach dem anderen.“ Und der große Schritt? „Der Verein schaut mittelfristig Richtung Bayernliga. Ich habe von Josef gelernt, die Latte nicht zu hoch zu legen. Gewinnen und erfolgreich sein wollte ich aber schon immer. Ich hoffe, ich kann das als Trainer auch rüberbringen.“ Womit auch mal die Ähnlichkeit mit Aubstadt zu erwähnen wäre. Dorfverein, Hauptsponsor, junge Mannschaft aufbauen – da gibt es viele Übereinstimmungen. Dazu nicht eine Kopie von Francic, aber einen Schüler von ihm.

Ob er davon träume, eines Tages mal die eine oder andere Stufe höher zu klettern: „Ich bin ganz am Anfang und muss mich hier erst mal beweisen. Visionen und Träume sind lieb und recht, Realitätssinn und Bodenhaftung aber auch.“ Sollte eines Tages einmal ein Angebot aus Aubstadt kommen, wäre das schön. „Aber erst muss ich mal etwas vorzeigen können.“ Er lache gerne und habe gern Spaß. Wenn man das mit Fleiß, Leidenschaft und Ehrgeiz kombinieren könne, wenn sein demokratisch-partnerschaftlicher Führungsstil Kreativität, Spontanität und Übernahme von Verantwortung bei den Spielern fördere, sehe er sich auf dem richtigen Weg.

Julian Grell war in seiner aktiven Zeit von vielen Gegenspielern nur mit unfairen Mitteln zu stoppen.
Foto: Rudi Dümpert | Julian Grell war in seiner aktiven Zeit von vielen Gegenspielern nur mit unfairen Mitteln zu stoppen.
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