Jekaterinburg

Schachturnier um WM-Herausforderer beginnt

Fabiano Caruana       -  Auch der US-amerikanische Großmeister Fabiano Caruana ist beim Kandidatenturnier dabei.
Foto: Soeren Stache/dpa | Auch der US-amerikanische Großmeister Fabiano Caruana ist beim Kandidatenturnier dabei.

Acht Großmeister, sieben Runden, ein Sieger.

Wenn von Montag an in Jekaterinburg das Kandidatenturnier der Schach-WM fortgesetzt wird, wollen die russischen Organisatoren alles dafür tun, um die vom Amerikaner Fabiano Caruana als „extrem paranoid” beschriebene Atmosphäre der ersten Turnierhälfte vergessen zu machen. In der Millionenstadt am Ural wird der Herausforderer des norwegischen Weltmeisters Magnus Carlsen gekürt. Die 500.000 Euro Preisgeld finanziert der Onlinehändler Andrej Simanowski, ein glühender Putin-Fan. Das Duell der Denker soll dann im November im Emirat Dubai im Rahmen der wegen der Corona-Pandemie verschobenen Weltausstellung Expo beginnen.

Anders als bei den wenigen Turnieren der Weltelite, die in Norwegen und den Niederlanden unter strengen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden konnten, müssen die Spieler in Jekaterinburg nicht mindestens zehn Tage vorher anreisen. Lediglich ein PCR-Test vor der ersten Runde ist vorgesehen. Sogar Publikum darf in den Spielsaal im Hyatt Regency Hotel. Nur die Masken der Zuschauer werden daran erinnern, dass die Pandemie noch nicht überstanden ist.

Ende März 2020 mussten sich Spieler, Trainer und Offizielle täglich ärztlich untersuchen und mehrmals auf eine Covid-Infektion testen lassen. Mahlzeiten durften damals nur im Hotelzimmer eingenommen werden. Zuschauer gab es nicht. Der einzige ausländische Reporter blieb in seinem Zimmer in Quarantäne. Als Russlands Präsident Wladimir Putin - zwei Wochen später als Mitteleuropa - den Lockdown ausrief, passte ein öffentlicher Schachwettbewerb nicht mehr ins Bild. Nach sieben von 14 Runden wurde das Turnier unterbrochen.

Eile bei der Fortsetzung herrschte nicht, weil auch die Weltausstellung in Dubai um ein Jahr verschoben wurde. Carlsens Herausforderer nicht am Brett, sondern online auszuspielen, schloss der Weltschachbund Fide stets aus. Allenfalls Ding Liren und Wang Hao unter schiedsrichterlicher Aufsicht aus China teilnehmen zu lassen, falls sie nicht reisen dürfen, wurde ernsthaft überlegt. Ohne die Reisebeschränkungen Chinas und der EU hätte das Turnier längst wieder gestartet werden können, versicherten die Organisatoren in Russland. Seit Monaten gibt es dort kaum noch Einschränkungen.

Die beste Ausgangsposition für ein Duell gegen Carlsen haben die beiden gemeinsam mit einem Punkt Vorsprung führenden Jan Nepomnjaschtschi (Russland) und Maxime Vachier-Lagrave. Der Franzose kam als Nachrücker zum Zug, weil der Aserbaidschaner Teimur Radschabow wegen der Pandemie nicht antreten wollte.

Während „Nepo” inzwischen russischer Meister wurde, erlitt Vachier-Lagrave zuletzt in Wijk aan Zee ein Fiasko. Bei dem niederländischen Traditionsturnier zeigten sich Anish Giri und auch Caruana in guter Form - ihre Chancen auf den ersten Platz gelten als intakt. Dagegen fehlt den anderen vier Kandidaten seit einem Jahr jede Praxis bei Turnieren mit klassischer Bedenkzeit.

Zwei Teilnehmer sind geimpft. Die Organisatoren boten den russischen Sputnik-Impfstoff allen Teilnehmern an, die bereit waren, zwei Wochen früher anzureisen. Nachdem der als Mitfavorit gestartete Ding Liren zwei Wochen Quarantäne in Russland schlecht verkraftet hatte, ging keiner darauf ein.

Weil es kein WM-Finale ist, sondern nur um die Qualifikation dafür geht, fällt das Kandidatenturnier nicht unter die zwischenzeitlich vom Internationalen Sportgerichtshof Cas gegen Russland verhängten Sanktionen. Auch die Schacholympiade darf 2022 in Moskau stattfinden, weil der wichtigste Nationenwettbewerb nicht als WM tituliert ist. Der Weltverband wird seit 2018 von Arkadi Dworkowitsch geführt, der vorher stellvertretender Ministerpräsident Russlands war. Ohne russische Geldgeber wie Simanowski kommt die Fide nicht aus.

© dpa-infocom, dpa:210416-99-227155/2

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