Bremen

„Schüchterner Junge” Wamangituka als Provokateur

Silas Wamangituka       -  Stuttgarts Doppeltorschütze Silas Wamangituka bejubelt sein Tor zur 1:0-Auswärtsführung in Bremen.
Foto: Carmen Jaspersen/dpa | Stuttgarts Doppeltorschütze Silas Wamangituka bejubelt sein Tor zur 1:0-Auswärtsführung in Bremen.

Am Ende bekam der spielentscheidende Mann nicht wegen seiner sportlichen Klasse, sondern wegen einer anderen Aktion die größte Aufmerksamkeit.

Silas Wamangituka sorgte zunächst für den dritten Saisonsieg des VfB Stuttgart, vergrößerte die Sorgen bei Werder Bremen und war dann das große Gesprächsthema.

Die Schlaglichter zum 2:1-Auswärtssieg des Aufsteigers an der Weser:

DER MATCHWINNER: Er zeigte eine super Leistung und fiel am Ende doch auch negativ auf: Doppeltorschütze Wamangituka hatte sich frei vor dem leeren Tor aufreizend viel Zeit gelassen, bevor er den Ball zum vorentscheidenden 2:0 über die Linie schoss. Bremens Stürmer Davie Selke war damit gar nicht einverstanden und bezeichnete die Aktion als „respektlos”.

Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo nahm seinen sonst so schnellen Offensivmann in Schutz: „Wenn man Silas kennt, weiß man, dass er ein schüchterner Junge und nicht arrogant ist”, sagte er. „Das Erste, was ich empfunden habe, war, dass er auf Zeit spielt, wie wenn man zur Eckfahne geht.” Auch Werder-Coach Florian Kohfeldt wollte die Aktion „nicht überdramatisieren”.

Wamangituka hatte zuvor nicht nur wegen seiner beiden Tore - in der 31. Minute hatte er per Foulelfmeter das 1:0 erzielt - ein super Spiel gemacht. Mit seinem Tempo und zielstrebigen Angriffsaktionen sorgte er immer wieder für Furore. „Er hat eine sehr gute Entwicklung gemacht”, lobte Matarazzo den 21 Jahre alten Kongolesen und präzisierte: „Was seine Bewegung nach vorne und die Torgefährlichkeit angeht, hat er einen großen Schritt nach vorne gemacht seit der letzten Saison.”

VfB-Sportdirektor Sven Mislintat verteidigte Wamangituka. „Ich finde es maximal grenzwertig, was dem Jungen da vorgeworfen wird”, sagte der 48-Jährige. „Ich kann komplett nachvollziehen, dass die Bremer das nicht super fanden”, sagte Mislintat. Er betonte aber auch: „Wir können mal die Kirche im Dorf lassen. Er hat das Ding nicht viermal hoch gehalten, keinen Fallrückzieher auf der Linie gemacht, keinen Moonwalk gemacht oder sonst was. Aus der Nummer wird viel zu viel gemacht.”

Wamangituka selbst hat sich inzwischen via Instagram für die Aktion entschuldigt. „Ich habe in jeder Phase des Spiels Respekt vor dem Gegner. Bei meinem zweiten Tor wollte ich fur meine Mannschaft in diesem wichtigen Spiel Zeit gewinnen”, schrieb der Kongolese. „Auf keinen Fall wollte ich den Bremer Torhuter und meinen Gegenspieler provozieren.”

DER MAHNER: Werder fehlte diese Torgefährlichkeit am Sonntag über weite Strecken des Spiels. Die beste Chance für die Norddeutschen vergab Yuya Osako bereits in der fünften Minute. Bis zur Nachspielzeit und Selkes Anschlusstreffer passierte dann direkt vor dem VfB-Tor nicht mehr viel. Die Tendenz mit nun zwei Niederlagen nacheinander und insgesamt sieben sieglosen Spielen gibt langsam Anlass zur Sorge. „Wir müssen extrem wachsam sein. Da haben wir aus der letzten Saison gelernt”, sagte Kohfeldt mit Blick auf den Fast-Abstieg der Bremer im vergangenen Sommer. „Wir dürfen nicht darauf warten, dass die Punkte irgendwann zu uns kommen, sondern wir müssen diese absolute Schärfe vor beiden Toren haben.”

Einer, der diese Schärfe reinbringen kann, ist Selke. Der 25-Jährige ist nach längerer Verletzungspause zwar noch nicht wieder bei 100 Prozent seiner Leistungsfähigkeit, sorgte nach seiner Einwechslung aber sichtlich für Belebung im Bremer Offensivspiel.

Auch in den kommenden beiden schweren Partien bei RB Leipzig und gegen Borussia Dortmund werden Mittelstürmer Niclas Füllkrug und Flügelflitzer Milot Rashica noch ausfallen. Gut möglich, dass Selke deshalb bald deutlich längere Spielzeiten bekommt als zuletzt, zumal auch Kohfeldt vom Auftritt des Stürmers angetan war. Für die vollgepackten Spielwochen bis einen Tag vor Heiligabend gab der Trainer die Devise aus: „Es darf nichts Wichtigeres geben, als bis Weihnachten in den nächsten Spielen alles reinzuhauen, egal wer da kommt.”

© dpa-infocom, dpa:201206-99-595473/4

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