Fußball: BFV Pokal Viertelfinale

Schwache Halbzeit kostet FC 05 das Pokal-Halbfinale

Erst mit der Einwechslung von Stammkräften kommt Schwung ins Schweinfurter Spiel. Warum das nicht gegebene 1:1 keinesfalls entscheidend für das Aus in Aschaffenburg war.
Zum Haare raufen: FC-05-Torhüter Luis Zwick kann das Schweinfurter Ausscheiden nicht fassen. Foto: Frank Scheuring

Raus aus dem BFV-Pokal, DFB-Pokal noch möglich. "Wir haben jetzt nur noch eine Option", brachte FC-05-Verteidiger Christian Köppel das 1:2 (0:1) der Schweinfurter bei Viktoria Aschaffenburg im Viertelfinale zunächst emotionslos auf den Punkt. Denn seit Donnerstagnachmittag gilt das ganze Augenmerk dem Thema Meisterschaft. Der Titelgewinn würde schließlich auch in den nationalen Cup-Wettbewerb führen. Drinnen aber brodelte es in Köppel. Denn trotz einer starken zweiten Halbzeit hatten sich die Nullfünfer das Aus selbst zuzuschreiben.

"Die Niederlage war nicht unverdient. Eine Halbzeit reicht eben nicht", schoss es aus Köppel ("ich bin sehr enttäuscht") doch noch heraus. "Wenn du nur 45 Minuten stark bist, kannst du gegen einen gleichwertigen Gegner nicht gewinnen." Schon gar nicht, wenn diese erste Hälfte für die Aschaffenburger "die beste der ganzen Saison" war, wie Viktoria-Trainer Jochen Seitz sagte. Denn die Gastgeber machten bis zur Pause vor, wie es geht: Zweikämpfe gewinnen, blitzschnell über den Flügel kommen und effektiv abschließen. Wie in der 25. Minute: Nach einer zu kurz abgewehrten Rechtsflanke hielt Jonas Fritsch den Kopf rein - 1:0.

Eine Halbzeit mit zu vielen Schwächen

Bis zum Seitenwechsel sah es mehr nach dem 2:0, denn dem Ausgleich aus. Und so war das Experiment von FC-05-Trainer Timo Wenzel gescheitert, Kräfte fürs sonntägliche Liga-Spiel gegen Nürnberg zu schonen und von Akteuren aus der zweiten Reihe 100 Prozent zu erwarten. "Vielleicht haben einige auch zu viel gewollt, aber es kann auch nicht sein, dass einige mit Nocken die falschen Schuhe wählen", schimpfte Wenzel. "Dass wir ausgeschieden sind, kotzt mich einfach nur an." Lediglich der Wechsel in der Defensive war nötig: Kevin Fery hatte sich an der Leiste verletzt, für ihn blieb Pius Krätschmer auf der Sechs, rückte Außenverteidiger Christian Köppel nach innen. 

Die Szene vor dem vermeintlichen 1:1-Ausgleich: Der Schweinfurter Adam Jabiri (schwarz) setzt sich eigentlich regelkonform gegen den Aschaffenburger Luca Dähn durch - wird aber wegen hohen Beins zurück gepfiffen. Foto: Frank Scheuring

Andere Nachrücker wie Mohamad Awata, Florian Pieper oder Stefan Maderer wussten ihre Chance nicht zu nutzen. Awata und Pieper hielten ihre Rollen als Doppelspitze entgegen der Anordnung bisweilen auch gegen den Ball bei - Folge war ein Loch im Zehner-Bereich. Nicht umsonst wurde das Trio in der 58. Minute ausgewechselt. Mit Adam Jabiri, Tim Danhof und Amar Suljic kam postwendend Schwung. Und eigentlich auch der Ausgleich. Denn wo Schiedsrichter Steffen Brütting ein hohes Bein von Jabiri gesehen haben wollte, dürfte sein Geheimnis bleiben. Der Aschaffenburger hatte den Kopf nahezu auf Kniehöhe. Statt 1:1 zurecht Schweinfurter Proteste (62.). "Einfach unglaublich, das zu pfeifen", wetterte Wenzel nach Ansicht des Videos. "Sehr bitter zu diesem Zeitpunkt, weil wir da im Spiel waren."

"Einfach unglaublich, das zu pfeifen. Sehr bitter zu diesem Zeitpunkt, weil wir da im Spiel waren."
FC-05-Trainer Timo Wenzel zum angeblichen Foul vor dem nicht gegebenen 1:1

Auch wenn Köppel anmahnte, dass "wir den Pokal-Fight zu spät angenommen haben", jetzt spielte nur noch der FC 05. Allein Jabiri hätte dreimal ausgleichen können. Die Viktoria machte es dennoch nicht ungeschickt, zog sich mit Mann und Maus zurück, konterte dann gefährlich. Und hatte die größte Chance überhaupt, genau genommen eine dreifache. Denn binnen zwei Sekunden scheiterte Philipp Beinenz zweimal an 05-Keeper Luis Zwick und setzte den dritten Versuch knapp neben das Tor (79.).

An ihnen lag's nicht: Die 05-Fans feuerten ihre Mannschaft 90 Minuten lang lautstark an. Foto: Frank Scheuring

Das 2:0 fiel dennoch, mitten in das Alles-oder-Nichts-Spiel der Schweinfurter. Luca Dähn überwand nach einer Verkaj-Flanke Zwick per Kopfball-Bogenlampe (86.). Die Entscheidung, hätte man meinen mögen, wenn Brütting nicht das schlechte Gewissen geplagt haben dürfte. Erst "schenkte" er den Schweinfurtern einen Foulelfmeter, den Krätschmer zum 2:1 verwandelte (89.), dann eine so lange Nachspielzeit, dass sie sogar noch zwei halbe Ausgleichchancen hatten.

Eine kleine Lücke hinter der FC-05-Stammelf

Dass der Ball aber nicht mehr über die Linie wollte, wertete Seitz als gerechten Ausgleich für das Liga-Spiel, das der FC 05 in letzter Minute gewonnen hatte. Sein Kollege Wenzel wusste derweil nicht, was ihn mehr ärgerte - das Aus oder die Tatsache, dass hinter der Stammelf doch eine kleine Lücke klafft. "Wir haben eigentlich in alle Spieler Vertrauen. Aber das war tote Hose", sagte er vielsagend. Köppel ("ich halte die Methodik, hungrige Spieler zu bringen, für gut") war sich sicherer: "Ein Pokalsieg hätte für die Liga einen Schub bedeuten können. Ich sehe solche Spiele nicht als Doppelbelastung." Nun, die ist jetzt vom Tisch.

Die Statistik des Spiels
Fußball, BFV-Pokal Viertelfinale
Viktoria Aschaffenburg - FC 05 Schweinfurt 2:1 (1:0)
Aschaffenburg: Birk - Boutakhrit, Schmidt, Dähn, Zehnder - Baier - Fritsch, Schnitzer (89. Ech Chad), Desch, Meßner (69. Beinenz) - Harrer (77. Verkaj).
Schweinfurt: Zwick - Fritscher, Kleineheismann, Köppel, Lo Scridato - Korb, Krätschmer - Laverty, Maderer (58. Suljic) - Awata (58. Danhof), Pieper (58. Jabiri).
Schiedsrichter: Steffen Brütting (SpVg Effeltrich). Zuschauer: 1967. Tore: 1:0 Jonas Fritsch (25.), 2:0 Luca Dähn (86.), 2:1 Pius Krätschmer (90.+1, Foulelfmeter). Gelb: Desch - Korb, Krätschmer.

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