Fußball: Regionalliga Bayern

Beim FC 05 wird wieder von Charakter geredet

Nach dem 1:1 gegen München haben die Schweinfurter das schwerere Folge-Programm. Warum Sportleiter Schlicke vor Aktionismus warnt und was er unter Hausaufgaben versteht.
Ist da Skepsis im Blick, oder haben die beiden den richtigen Dreh gefunden? FC-05-Sportleiter Björn Schlicke (links) im Dialog mit Trainer Timo Wenzel. Foto: foto2press/Frank Scheuring

Mit dem Auswärtsspiel beim Vorjahreszweiten VfB Eichstätt beschließt der FC 05 Schweinfurt am Samstagnachmittag (14 Uhr) seine Vorrunde in der Regionalliga Bayern. Halbzeit also. Kurz vor der Halbzeit liegen die Nullfünfer knapp hinten im Titelrennen mit Türkgücü München. Und gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit wartet das Derby beim längst konstant starken TSV Aubstadt. Björn Schlickes Zwischenbilanz fällt dementsprechend zwiespältig aus: "Es geht immer besser, aber wir sind im Soll. Die nächsten beiden Spiele gehören jedoch definitiv zu dem Charaktertest, den wir jetzt bestehen müssen", sagt der Sportleiter mit Blick auf die drei Punkte, die es auf den Meisterschafts-Mitbewerber aufzuholen gilt.

Warum fehlen die drei Punkte auf München? "Weil unsere Schwächephase länger gedauert hat", so Schlicke. Nie hat Türkgücü zwei Punktspiele am Stück nicht gewonnen, der FC 05 aber eine erkennbare Schwächephase im Oktober, in dem er noch sieglos ist. "Aber wir sind noch in Schlagdistanz. Klar, wären es nach dem Spiel am Montag sechs Punkte gewesen, würde ich anders reden." Schlicke weiß natürlich, an welch seidenem Faden das sportliche Wohl des FC 05 hängt. Denn das Sechs-Punkte-Damoklesschwert hängt stetig über der Mannschaft, so lange der Ligaprimus siegt - was auch wahrscheinlich ist, angesichts der Heimspiel-Gegner Heimstetten und Schalding im gleichen Zeitraum, in dem die Schweinfurter besagte Charakter-Tests zu erledigen haben.

Den Wert des 1:1 gegen München erhalten

Es geht also schon in Eichstätt darum, das 1:1 vom Montag an Wert zu erhalten. "Ich denke, es ist in der Mannschaft durch die zweite Halbzeit gegen München wieder ein Gefühl erstanden, dass wir es können. Und Türkgücü hat seine Punkte eher da gelassen, wo keiner damit gerechnet hat", so Schlicke, der Nachverpflichtungs-Aktionismus ("wir schauen uns um, machen aber keine Schnellschüsse") ablehnt. "Es liegt aber an uns allein, unsere Hausaufgaben zu erledigen. Und diese Hausaufgaben sind, in Spielen, die auf der Kippe stehen, die eng sind, den Kampf anzunehmen und dort mental zu bestehen. Wenn's rund gelaufen ist, haben wir oft einen super Fußball gespielt."  

"Es geht nur über die Schiene, einen Gegner nicht einfach nur ausspielen zu wollen."
FC-05-Trainer Timo Wenzel fordert Kampf und mentale Stärke

Wenn nicht, oft nicht. "Es geht nur über die Schiene, einen Gegner nicht einfach nur ausspielen zu wollen", fügt sich Trainer Timo Wenzel nahtlos in die Analyse seines Sportleiters ein. "Burghausen hat das in Eichstätt nicht gemacht und die Quittung mit einem 2:0 schon zur Pause bekommen." Wenzel warnt vor Eichstätt, das sich nach dem Coup der Vorsaison bisher als Tabellenachter unter Wert verkauft, sich nach drei sieglosen Partien jedoch mit zuletzt zwei Erfolgen gefangen hat. "Das ist immer noch eine sehr zweikampfstarke Mannschaft, die sehr schnörkellos spielt." Schnörkellos mit langen Bällen auf Torjäger Fabian Eberle (8 Treffer), der neben Atdhedon Lushi (6) die Lebensversicherung des VfB ist.

"Wir müssen verinnerlichen, dass unsere Gegner Woche für Woche alles aus sich herausholen", erwartet Wenzel eine Eichstätter Mannschaft, die sich auch für die zwei Niederlagen aus der vorangegangenen Runde revanchieren will. Er ist aber nach zumindest teilweise überstandenem Durchhänger sicher: "Wir haben eine charakterlich gute Mannschaft, die genau das probiert." Auf dem hohen Ross in die Universitätsstadt einzureiten, hat sie auch gar keinen Grund: Der VfB hat zwar drei Tore weniger erzielt als der FC 05, aber auch drei weniger kassiert. Und wie schwer sich die Schweinfurter gegen gut stehende Defensiven tun, ist hinlänglich bekannt.

Adam Jabiris Einsatz ist fraglich

Zumal ein Einsatz von Goalgetter Adam Jabiri höchst fraglich ist. Der 35-Jährige, der es bislang auf neun Treffer gebracht hat, klagt nach der schweren Beckenprellung aus dem München-Spiel noch immer über Schmerzen und hat erst am Donnerstag wieder vorsichtig mit Lauftraining begonnen. Aus dem Alternativen-Topf mit Florian Pieper, Mohamad Awata und Stefan Maderer ("die drei können Mittelstürmer spielen") will Wenzel erst kurzfristig, den Trainingsleistungen entsprechend greifen. Nicht aber sein 4-2-3-1-System ändern.

Ein Fragezeichen steht auch noch hinter Rechtsverteidiger Christian Köppel, der nach seiner Zerrung ebenfalls erst am Donnerstag ins Training eingestiegen ist. Linksverteidiger Marco Fritscher hat sich eine Prellung zugezogen, sollte am Samstag aber auflaufen können. Sicher ausfallen werden die Langzeitverletzten Ronny Philp, Lukas Ramser und Lamar Yarbrough.

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