Fußball: Regionalliga Bayern

Emotionsloser FC-05-Auftritt macht fassungslos

Schweinfurt lässt viele Chancen ungenutzt, wird von Nürnberg eiskalt bestraft und ergeht sich dann in Mitleid. Warum die Zeit für eine Mini-Krise extrem ungünstig ist.
Eine Halbzeit lang Aktivposten: Der Schweinfurter Tim Danhof (grün) initiierte einige Chancen, setzt sich hier gegen die Nürnberger (von links) Tim Latteier und Linus Rosenlöcher durch. Foto: Marion Wetterich

Herbst-Krisen kennt der Schweinfurter Fußball-Anhänger. Erst vergangene Saison hatte der FC 05 in der tristen Jahreszeit mit einer noch tristeren Serie seine Titelchancen vergeigt. Und jetzt dieser Auftakt in den Oktober: Dem Pokal-Aus in Aschaffenburg folgte ein 0:2 (0:0) gegen den 1. FC Nürnberg II. Ausgerechnet vor den Top-Spielen in Bayreuth und gegen München. "Das haben wir uns ganz anders vorgestellt", war Sportleiter Björn Schlicke erst gar nicht danach, diese Momentaufnahme schönzureden.

  • Hier gibt's zum Nachlesen den Live-Ticker vom 0:2 gegen Nürnberg

"Die Pokal-Niederlage darf nicht als Ausrede gelten", glaubte Schlicke nicht an mentale Spätfolgen. "Wenn wir in der ersten Halbzeit einen über die Linie drücken, wäre das Schnee von gestern gewesen." Der stark beginnende FC 05 ließ aber einige gute Möglichkeiten allzu fahrlässig liegen, um dann zuschauen zu müssen, wie der Nürnberger Philipp Harlass die ersten beiden Torschüsse der Gäste zum 0:2 nutzte (52., 60.). "Ich hätte das andersrum erwartet", so Schlicke. "Dass wir effektiver sind. Aber so hat uns die junge Profi-Reserve vorgemacht, wie es geht." In der Tat, es war ein Lehrstück an Effizienz, das zumindest für den Moment fassungslos machte.

Keine 05-Torchance in der zweiten Halbzeit

Danach fanden die emotionslosen Schweinfurter kein Mittel mehr, sich gegen die drohende Niederlage zu stemmen. In der gesamten zweiten Halbzeit hatten sie keine einzige Tormöglichkeit. "Der letzte Pass kam nicht mehr an, Ideen hatten wir auch keine", lautete Lukas Billicks nüchterne und ernüchternde Bilanz. "Die Köpfe waren unten, wir sind in Mitleid verfallen", sagte Trainer Timo Wenzel.

Lief viel, hatte aber auch kein Abschlussglück: 05-Stürmer Adam Jabiri (grün), hier im Zweikampf mit dem Nürnberger Tobias Kraulich. Foto: Marion Wetterich

So mutete es beinahe skurril an, dass ausgerechnet der 35-jährige Stoßstürmer Adam Jabiri allein auf weiter Flur die meisten Kilometer abspulte. Zur Seite konnte ihm kein zweiter brandgefährlicher Stürmer springen, weil es den aktuell in Schweinfurt nicht gibt. So erfolgten bei noch zwei möglichen Optionen nach dem Rückstand nur positionsgetreue Wechsel auf den Außen.

"Für unser Budget bekommen wir halt keinen Jabiri in 23."
FC-05-Sportleiter Björn Schlicke zur Frage nach einem weiteren Stürmer

"Wir halten Augen und Ohren offen", beantwortete Schlicke die Frage nach weiteren Torgaranten noch vergleichsweise offen, schränkte aber ein: "Aber für unser Budget bekommen wir halt keinen Jabiri in 23." Coach Wenzel wollte das Thema indes nach der Niederlage nicht vertiefen. "Es ist so, wie es ist. Und so bleibt es." Dem Sportleiter war wenigstens noch zu entlocken, dass der an den Stammtischen der Region viel diskutierte Geesdorfer Landesliga-Torjäger Vincent Held kein Kandidat sei für den Sprung um zwei Ligen nach oben.

Gegen Nürnberg hätte aber vermutlich selbst ein Erstliga-Angreifer Probleme gehabt, zu treffen. Wenzel: "Wir hätten heute noch zwei Mal 90 Minuten spielen können und hätten kein Tor gemacht." Die hoch verteidigenden Gäste ließen die ligabekannte Schweinfurter Wucht nicht oft nahe ans Tor kommen. Was FCN-Coach und -Legende Marek Mintal zu erstaunlichen Schlüssen motivierte: "Wir sind nach Schweinfurt gekommen, um einen Punkt zu holen, dann waren es auf einmal drei. Wir haben es letzte Woche beim Schlusslicht verkackt, gewinnen dafür jetzt beim Ersten. Fußball ist ohne Logik."

Spitzenspiele gegen Bayreuth und München

Wenzel schrieb den Nürnberger Sieg der größeren Cleverness zu, will seine Mannschaft nach der ersten Heimniederlage der Saison aber "jetzt nicht in die Tonne klopfen". Nun ist in ihm ohnehin mehr der Psycholge gefragt. Immerhin geht's am Samstag zum ursprünglichen Mitfavoriten Bayreuth, ehe am Montagabend, 21. Oktober, Türkgücü München zum Liga-Gipfel kommt. Jene Münchner, die an diesem Montag mit einem Sieg in Burghausen an den Nullfünfern vorbeiziehen würden. Dass die beiden jüngsten Niederlagen nachwirken könnten auf diese zwei Spitzenspiele, glaubt Wenzel nicht: "Wir sind stark genug, um erfolgreich weiterzumachen."

Die Statistik des Spiels
Fußball, Regionalliga Bayern
FC 05 Schweinfurt - 1. FC Nürnberg II 0:2 (0:0)
Schweinfurt: Zwick - Fritscher, Billick, Krätschmer, Köppel (46. Lo Scrudato) - Korb, Fery - Laverty (75. Pieper), Danhof, Suljic (69. Maderer) - Jabiri.
Nürnberg: Klandt - Suver, Knothe, Kraulich, Rosenlöcher - Zietsch, Piwernetz - Heinze, Heußner (80. Stoßberger), Latteier (69. Schleimer) - Harlass (64. Besong).
Schiedsrichter: Markus Huber (SSV Wurmannsquick). Zuschauer: 1156. Tore: 0:1, 0:2 Philipp Harlass (52., 60.). Gelb: Köppel, Billick, Pieper, Fery - Heinze.

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