Fußball: Regionalliga Bayern

FC 05 mitten in der Herbst-Krise

Extrem schwache Schweinfurter sind mit dem 1:3 in Bayreuth noch gut bedient. Warum das etwas mit den Vereinen zu tun haben könnte, von denen die Neuen gekommen sind.
Frustriert: FC-05-Innenverteidiger Lukas Billick nach dem Schweinfurter 1:3 in Bayreuth. Foto: Peter Kolb

Drei Spiele im Oktober, drei Niederlagen. Bei der SpVgg Bayreuth wurde der FC 05 mit 3:1 (1:0) abgewatscht und damit noch gut bedient. Türkgücü München geht mit drei Punkten Vorsprung ins Spitzenspiel am Montag in einer Woche. Fakten, die der Schweinfurter Kapitän Stefan Kleineheismann zu einer bitteren Erkenntnis aufaddierte: "Ob man es jetzt Delle nennt, oder Krise, ist egal. Es ist beides zutreffend. Wie wir aktuell spielen, liegt an unserer Aktivität und Einstellung."

Zwei Attribute, die sich am Samstagnachmittag einzig und allein die Bayreuther aufs Trikot pappen durften. Sie waren giftiger, in den Zweikämpfen körperlich präsenter und in den Laufduellen schneller. Sie nahmen die Derbysituation an, Schweinfurt überhaupt nicht. "Das war unser schlechtestes Spiel", blieb Timo Wenzel angesichts der Chancenlosigkeit seiner Mannschaft nur übrig, das Täfelchen mit der Null-Punkte-Wertung zu ziehen. "Wir haben heute alles vermissen lassen, haben selbst in Unterzahl kein Mittel gefunden."

Unterzahl stachelt die Bayreuther erst recht an

In der Tat waren die Minuten 24 bis 26 ausschlaggebend für die Peinlichkeit, in die der blutleere Schweinfurter Auftritt führte. Erst unterlief Aaron Frimpong Manu, der diesmal für den gelb-gesperrten Sascha Korb in der Doppelsechs ran durfte, nach einem Weimar-Freistoß ein Eigentor zum 1:0, dann musste der Freistoß-Schütze wegen eines Fouls an Manu mit Gelb-Rot runter. In der folgenden Rudelbildung erwischte es auch noch SpVgg-Trainer Timo Rost mit Rot. Die Oberfranken stachelte das zu einer Energieleistung an, Wenzels Mannen lud es erst recht zu schwer nachzuvollziehender Orientierungslosigkeit ein.

Der Ex-05er Christopher Kracun hätte zuvor schon fast jubeln dürfen, sein Freistoß klatschte ans Lattenkreuz (14.). Trotzdem feixte er hinterher: "Dieser Sieg gegen Schweinfurt freut mich sehr, mein Abschied ist ja nicht ganz reibungslos gelaufen. Wir sind eben Mentalitätsmonster." Kleineheismann war deutlich weniger nach Späßen zumute. "So können wir uns nicht präsentieren. Wir haben das Derby nicht angenommen", schimpfte er. Und nahm sich selbst samt Kollegen fürs München-Spiel in die Pflicht: "Rückschläge gehören zum Leben dazu, aber jetzt müssen wir als Mannschaft zeigen, ob wir wieder aufstehen können."

"Das war heute ein Schlag ins Gesicht aller Verantwortlichen. Wir haben alle versagt. Alle."
FC-05-Trainer Timo Wenzel über die Leistung seiner Mannschaft

Man darf daran Zweifel hegen, wenn man Wenzels Argumentation folgt, warum dieser Leistungsknick nicht überraschend komme: "Die Jungs, die zu uns gekommen sind, waren Abstiegskampf gewohnt. Haben einen Punktgewinn bejubelt. Jetzt müssen sie regelmäßig das Spiel machen. Vielleicht können sie mit diesen Erwartungen nicht umgehen." Messbar auf dem Platz ist das das seit zwei Wochen in ängstlichem Aufbauspiel, zögerlichen Flankenläufen und einer extrem anfälligen Defensive. Die Torquote passt noch, die Zahl der Gegentore ist für einen Titelanwärter einfach zu hoch.

In Bayreuth waren es aber neben Jungspund Manu vor allem erfahrene Defensivkräfte, die versagten. Lukas Billick lud Ivan Knezevic zum 2:0 ein (52.), Marco Fritscher den aufgerückten Innenverteidiger Steffen Eder zum 3:0 (54.). Und es hätte noch schlimmer kommen können. So blieb Florian Piepers Ehrentreffer (81.) trotz seines später folgenden Kopfballs an die Latte schmeichelhaft. "Ich habe nicht das Gefühl, dass wir, anders als unsere Gegner, bedingungslos verteidigen. Das war heute ein Schlag ins Gesicht aller Verantwortlichen", sagte Wenzel, schloss sich aber ins Debakel mit ein: "Wir haben heute alle versagt. Alle." Immerhin waren seine Umstellungen diesmal genauso glücklos wie beim Pokal-Aus.

Wenzels düstere Prognose fürs München-Spiel

Sein Gegenüber Timo Rost konnte sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: "Die Hälfte meiner Mannschaft ist am Vortag erst spät aus der Arbeit heimgekommen", spielte er auf das Schweinfurter Vollprofitum an. Die jungen Nullfünfer werden aktuell den daraus resultierenden Ansprüchen nicht gerecht. In Bayreuth spielten einfach ein paar alte Hasen mehr und haben das Spiel auch entschieden. Ohne die Schweinfurter an die Wand zu spielen, aber deren Fehler gnadenlos ausnutzend. An die nicht minder ausgebufften Münchner wollte Wenzel da besser gar nicht denken: "Wenn wir da genauso spielen, bekommen wir fünf Dinger eingeschenkt."

Die Statistik des Spiels
Fußball, Regionalliga Bayern
SpVgg Bayreuth - FC 05 Schweinfurt 3:1 (1:0)
Bayreuth: Kolbe - Messingschlager, Weber, Eder (60. Fenninger), Weimar - Kracun - Makarenko (21. Schiller), Wolf, Piller - Marinkovic (74. Koussou), Knezevic.
Schweinfurt: Zwick - Fritscher, Kleineheismann, Billick, Lo Scrudato - Manu (46. Laverty), Fery - Danhof, Krätschmer, Maderer (46. Suljic) - Pieper (67. Jabiri).
Schiedsrichter: Wolfgang Haslberger (TSV St. Wolfgang). Zuschauer: 1494. Tore: 1:0 Aaron Frimpong Manu (24., Eigentor), 2:0 Ivan Knezevic (52.), 3:0 Steffen Eder (54.). Gelb-Rot: Weimar (26.). Gelb: Fenninger, Makarenko - Billick, Danhof, Lo Scrudato.

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