Fußball: Regionalliga Bayern

Türken stören die FC-05-Gala

Die Schweinfurter gewinnen gegen Rain mit 6:0 und können dennoch nur den Moment genießen. Wie Türkgücü München mit einer kuriosen Wende seine acht Punkte Vorsprung behält.
Der zweite Streich: Der Schweinfurter Kevin Fery (grün) umkurvt Rains Keeper Christoph Hartmann und schiebt zum 2:0 ein. Im Hintergrund schaut Gästespieler Dominic Robinson missmutig zu. Foto: Wolfgang Müller

Es läuft die Nachspielzeit in Memmingen, die Allgäuer führen mit 3:2 gegen Spitzenreiter Türk Gücü München. Die Gäste verschießen einen Elfmeter und gewinnen trotzdem noch mit 4:3. Der Ex-Schweinfurter Dominik Weiß erzielt den Siegtreffer in der fünften Plus-Minute. Ach, ja, der FC 05 Schweinfurt hat zu diesem Zeitpunkt bereits mit 6:0 den TSV Rain/Lech abgewatscht und plötzlich doch wieder die alten acht Punkte Rückstand. 

Da musste 05-Coach Tobias Strobl schon ein bisschen mit den Worten jonglieren, ehe er die Kurve von "ich müsste lügen, wenn mich das nicht geärgert hätte" zu "wir lassen uns die Freude an unserer tollen Leistung nicht nehmen" gekriegt hatte. Zweimal Haken dahinter: Natürlich ist das kuriose Münchner 4:3 unter der Leitung des selben Schiedsrichters wie des vergleichbar kuriosen 2:3 des FC 05 in Eichstätt ärgerlich für die Schweinfurter; doch durften sie zu Recht stolz sein auf eine zweite Gala-Vorstellung nach dem 3:0 von Burghausen. Drei Spiele unter Strobl, drei Siege, 10:0 Tore - eine formidable Bilanz.

Doppel-Torschütze Amar Suljic

Findet auch Doppel-Torschütze Amar Suljic: "So lange wir zu Null spielen, so lange wir gewinnen, so lange wir uns nur um uns kümmern, haben wir auch eine Chance am Ende oben zu stehen. Wir müssen immer 300 Prozent geben und mit Herz spielen." Könnte man 1:1 unterschreiben, wenn da nicht diese verflixte rechnerische Wahrscheinlichkeit wäre, die mit jedem verstrichenen Spieltag sinkt, wenn es um das Aufholen von acht Punkten geht.

Schweinfurter Jubel nach dem Treffer zum 1:0 durch Adam Jabiri. Foto: Wolfgang Müller

Gleichwohl Strobl nicht falsch damit liegt, der Mathematik dir Gefühlsebene entgegen zu stellen: "Da wird Jemand nervös einige Kilometer entfernt, wenn er sieht, wie bei uns eine Euphorie wächst." Mit dem Jemand wird er kaum den TSV Bergrheinfeld gemeint haben. "Irgendwann werden auch die Münchner Fehler machen. Und dann werden wir da sein, das verspreche ich euch" - donnernder Applaus im ViP-Zelt.

"Wir haben den Jungs wieder den Spaß an ihrer Arbeit vermittelt, ihnen Mut gegeben und die Mittel, mit Fehlern umzugehen."
FC-05-Trainer Tobis Strobl über das wiedergewonnene Selbstvertrauen

Man möchte es den Schweinfurtern langsam abnehmen, dass sie da sein werden, und auch dass sie eine in der Regionalliga selten dagewesene Serie spielen können. Gegen Rain war das eine derartige Machtdemonstration, dass Gästetrainer Alexander Käs, mit dem Strobl letzte Saison noch in Ingolstadt zusammengearbeitet hatte, sich nur verbeugen konnte, also verbal: "Tobi hat es hier in drei Wochen geschafft, dass die Spieler viel intensiver in die Laufwege gehen." Ja, den Dreh raus, die nötigen Prozentpunkte rauszukitzeln, hat er offenbar und sagt auch selbst: "Wir haben den Jungs wieder den Spaß an ihrer Arbeit vermittelt, ihnen Mut gegeben und die Mittel, mit Fehlern umzugehen."

Den Rest erledigt das 3-5-2-System, das im Mittelfeld eine stete Überzahl schafft, mit der nu schon drei Liga-Kontrahenten nicht zurecht gekommen sind. Es fällt auf, dass die Gegner kaum noch zu Chancen kommen. "Dadurch, dass wir hoch pressen, fällt es uns leichter, den gegner schon im Aufbau zu stören. Das war heute schon außergewöhnlicher Fußball", fand Suljic. Ein Fußball, der auch das gerne überkritische Haupttribünen-Publikum begeisterte, dass sich vor allem bei der Auswechslung von Suljic und Adam Jabiri nach einer Stunde zu stehenden Ovationen hinreißen lassen hatte.

Da stand es bereits 5:0. Jabiri per Kopf nach mustergültiger Fritscher-Flanke (13.), Kevin Fery nach gewiefter Einzelleistung (26.), Benedict Laverty nach feiner Vorarbeit von Tim Danhof und Jabiri (33.) sowie Suljic per Kopf nach Krätschmer-Freistoß (37.) und Abstauber nach Jabiri-Pass (58.) hatten getroffen. Den Deckel drauf machte der eingewechselte Florian Pieper (81.). Dass es mit etwas mehr Effektivität auch zweistellig hätte ausgehen können, wollte hernach kein Zuschauer bekritteln.

Strobl begeistert vom Fan-Support

Schon gar nicht die 05-Fans, die ein Herz und eine Seele mit der Mannschaft waren beim üblichen Abklatschen am Zaun. "Ich kenne das aus meinen Stationen bisher nicht", so Strobl, "dass Fans das Team so feiern. Ich hatte Gänsehaut. So einen Support hat in dieser Liga kein Verein außer Schweinfurt", sieht er darin auch einen Pluspunkt gegenüber München - das nun aber auch einmal stolpern müsste. Vielleicht ja nächste Woche gegen Buchbach, das gerade mal eben den Dritten aus Bayreuth mit 3:1 abgefertigt hat. Ein Störsignal haben die Schweinfurter mit ihrer Torflut zumindest gesendet.

Fotoserie

FC 05 - Rain/Lech

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Die Statistik des Spiels
Fußball, Regionalliga Bayern
FC 05 Schweinfurt -
TSV Rain/Lech 6:0 (4:0)
Schweinfurt: Zwick - Billick, Kleineheismann, Krätschmer - Fritscher (69. Lo Scrudato), Danhof, Korb, Fery, Laverty - Suljic (60. Awata), Jabiri (60. Pieper).
Rain: Hartmann - Robinson (82. Götz), Bär, Bobinger, Triebel, Ekin (38. Brandt) - Schröder - S. Müller, J. Müller, Krabler - Kurtishaj (70. Luburic).
Schiedsrichter: Thomas Ehrnsperger (FC Rieden/Oberpfalz). Zuschauer: 794. Tore: 1:0 Adam Jabiri (13.), 2:0 Kevin Fery (26.), 3:0 Benedict Laverty (33.), 4:0, 5:0 Amar Suljic (37., 58.), 6:0 Florian Pieper (81.). Gelb: Billick, Pieper - Robinson, S. Müller, Bobinger.

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