Fußball: Regionalliga Bayern

Corona: FC 05 fehlen 200000 Euro, Kurzarbeit ist ein Thema

Auch wenn es den Schweinfurtern durch fehlende Einnahmen nicht besser als allen Vereinen geht, verspricht Präsident und Sponsor Markus Wolf keine Einbußen für nächste Saison.
Bloß Niemanden anstecken? FC-05-Trainer Tobias Strobl hat ein Auge darauf, dass seine Spieler soziale Kontakte reduzieren und sich über individuelle Trainingspläne fit halten. Foto: foto2press/Frank Scheuring

Aktuell zeigt kein Fußballer des FC 05 Schweinfurt Symptome einer Infektion am Coronavirus. Das ist die aktuell positivste Nachricht, die Trainer Tobis Strobl aus dem Lager des Tabellenzweiten der Regionalliga Bayern verkünden kann. Und privat natürlich: "Am 18. April kommt unser Baby." Vor allem auch wegen der anstehenden Geburt von Tochter Lisa bleibt der Ingolstadter mit seiner Frau derzeit in der Schweinfurter Wohnung ("wir schauen alle Serien auf Netflix"), statt, wie die meisten Spieler, nach Hause zur Familie zu fahren.

Derweil hat sich sportlich etwas getan: Der FC 05 meldet einen weiteren Neuzugang für die Saison 20/21, Nico Rinderknecht wechselt vom FC Gießen zu den Schweinfurtern. Der 22-Jährige hat einen Zweijahresvertrag unterschrieben. „Ein wichtiger Grund für meine Entscheidung war der Trainer, da ich Tobi Strobl aus Ingolstadt kenne", sagte der Mittelfeldspieler. "Ich glaube, dass meine Stärken im Spielaufbau liegen und im Zweikampf." Aktuell kommt er für den FC Gießen in der Regionalliga Südwest auf 21 Einsätze in der laufenden Saison. Der 22-Jährige wurde in der Jugend bei Eintracht Frankfurt ausgebildet. 2015 lief Rinderknecht in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund für Frankfurt auf. Danach spielte er unter anderem 14 Mal für Preußen Münster in der Dritte Liga. Für Strobl ist Rinderknecht kein Unbekannter durch die gemeinsame Zeit beim FC 04 Ingolstadt: „Er ist ein starker Aufbauspieler, der uns definitiv weiterhelfen kann."

Wie geht der FC 05 mit der komplett veränderten sportlichen Situation um?

"Ich habe kein Gefühl dafür, ob diese Unterbrechung auf unbestimmte Zeit für uns gut oder schlecht ist", will Strobl nicht bewerten, ob der FC 05, der in der Liga neun Punkte Rückstand auf Tabellenführer Türkgücü München hat, nach der Restrunden-Auftaktniederlage in Heimstetten von der Pause profitieren könne, oder nicht. "Ich wäre nur glücklich, wenn es danach weiter gehen kann, wie wir es kennen. Und ich bin sehr glücklich, dass kein Entscheidungsträger auf meine Gedanken angewiesen ist, wie es weitergehen kann." Er könne mit einer Annullierung der Runde genauso leben wie mit einer Wertung des aktuellen Tabellenstandes.

Wie halten sich die Spieler fit? Gibt es individuelle Trainingspläne?

Zunächst hat der Regionalligist auf individuelles Training auf Vertrauensbasis gesetzt. Strobl: "Die Spieler haben ja auch einen persönlichen Weg vor sich, und der erste Gedanke war: Machen sie etwas freiwillig, tun sie es mit Herz." Aber da die Pause nun mindestens plus-minus fünf Wochen dauern wird, und der überwiegende Teil der Aktiven nach Hause gefahren ist, gibt es ab nächste Woche Trainingspläne. "Grundlagenkondition braucht es weniger. Es geht um Intervallläufe, damit der Körper in eine Reizsituation kommt. Die Jungs sollen sich an 100-Prozent-Sprints herantasten." Zudem stehen Übungen für die Stabilität von Rumpf, Rücken und Beinen auf dem Zettel. Der Coach selbst feilt an Modellen für unterschiedliche Spielweisen auf unterschiedlichen Böden.

Welche Auswirkungen hat die nicht absehbare Pause auf die Vertragssituation der Spieler?

Seit sich der Verein im Februar von Sportleiter Björn Schlicke getrennt hat, ist Strobl neben Co-Trainer Jan Gernlein mit Präsident und Hauptsponsor Markus Wolf verantwortlich für die Kaderplanung. Und damit auch in Vertragsgespräche mit den Spielern eng eingebunden. Dabei macht er einen positiven Effekt der Corona-Krise aus: "Die Verhandlungen mit Spielern werden für den Verein einfacher: Bei den Spielern herrscht große Ungewissheit, sie fühlen sich wohler, wenn ihre Zukunft sicher ist", macht er einen Rückgang der branchenüblichen Pokerspielen aus. Schwierig könne werden, dass einige Vertrage zum 30. Juni auslaufen, die Saison aber möglicherweise länger dauern wird. "Das wird vertraglich extrem kompliziert", so Strobl. Arbeitsrechtler Johan-Michel Menke, der für viele Sportfachverbände und Profiklubs tätig ist, sagte dazu gegenüber dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Wenn ein Profi sagt, er will gehen, ist er arbeitsrechtlich nicht zu halten. Bei einem späteren Saisonende müssten im Einklang mit den lizenzrechtlichen Vorgaben Sondervereinbarungen getroffen werden." 

Nachdenklich, aber auch optimistisch: FC-05-Präsident Markus Wolf. Foto: foto2press/Frank Scheuring

Wie kann der FC 05 die Unterbrechung des Spielbetriebes wirtschaftlich stemmen?

"Es geht uns so schlecht wie allen", sagt Wolf und rechnet für den Fall eines Saisonabbruchs mit einer Finanzlücke von 200000 Euro. Man versuche zunächst öffentliche Mittel auszuschöpfen, "und ich hoffe, dass sich auch die Stadt Schweinfurt bewegt. Für alle Vereine und die Kultur." Er hält die Vorsichtsmaßnahmen für angebracht und sagt: "Bis Ende April sind wir safe. Eine Insolvenz droht nicht." Dennoch habe man sich, um einen Teil der Kosten abzumindern, mit dem Thema Kurzarbeit für die Profis beschäftigt und will diese beantragen - gleichwohl das einer Gegenzeichnung des Spielers bedarf.

Trifft die Krise auch den Hauptsponsor und gefährdet die Finanzierung der nächsten Saison?

"Nein", sagt Wolf. "Zuschauereinnahmen machen nur 14 Prozent unseres Etats aus, das trifft uns also nicht so hart wie Vereine, die hauptsächlich von diesen Einnahmen leben." Für 2020/21 sieht Wolf aktuell keine Probleme: "Die Krise trifft zwar auch mein Unternemen. Aber sie wird keine Auswirkungen auf mein weiteres Engagement beim FC 05 haben." Wie es in diese Saison gehen wird, ist Wolf egal. Er könne mit einem Abbruch und Berechnung nach Ist-Zustand (dann wäre Hauptkonkurrent München aufgestiegen) genauso leben wie mit einer Annullierung - dann bliebe München in der Regionalliga, aber es dürfte erneut der Bayern-Meister direkt hoch. "Das wäre auch kein Nachteil."

Kurzarbeit in Vereinen
Arbeitsrechtler Johan-Michel Menke, der als Fachanwalt für Arbeitsrecht in Deutschland für Sportfachverbände und Vereine im Profi-Mannschaftssport tätig ist, sagte gegenüber dem Sport-Informations-Dienst zum Thema Kurzarbeit für Profi-Sportler: „Grundsätzlich hat ein nicht unter Quarantäne stehender Profi nach der sogenannten Betriebsrisiko-Lehre Anspruch auf Training gegen Grundgehalt. Beurlaubungen oder Kurzarbeit sind nur mit Einverständnis der Spieler möglich.“
Denn anders als bei größeren Betrieben, wo ein Betriebsrat dieses Gegenzeichnen durch seine Zustimmung kollektiv übernehmen könne, gebe es in Vereinen eine solche Institution nicht. Das heißt, dass die Vereinsführung jedem einzelnen Profi einen Kurzarbeit-Vertrag vorlegen muss, den dieser dann unterschreiben kann, oder eben nicht.
Darüber hinaus seien, so Menke, Beurlaubungen möglich. „Dann wird das Grundgehalt weiter bezahlt, allerdings keine Prämien. Auch Beurlaubungen sind nur mit dem Einverständnis der Spieler möglich.“ Betriebsbedingte Kündigungen hält der Jurist für weitgehend ausgeschlossen.

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