Fußball: Bayernliga Nord

Corona: Bayernligisten glauben nicht an reguläres Saisonende

In Abtswind, Großbardorf, Karlburg, Sand und beim Würzburger FV liegt das Augenmerk auf Planungssicherheit. Was für eine Verschiebung spricht und was für eine Annullierung.
Wann wird der Ball auf bayerischen Plätzen wieder rollen? Wie wird die Saison gewertet? Bei den fünf Bayernligisten der Region herrscht große Ungewissheit. Ihnen fehlt Planungssicherheit.
Wann wird der Ball auf bayerischen Plätzen wieder rollen? Wie wird die Saison gewertet? Bei den fünf Bayernligisten der Region herrscht große Ungewissheit. Ihnen fehlt Planungssicherheit. Foto: Heiko Becker

Die Corona-Krise setzt den Sportbetrieb auf unbestimmte Zeit außer Kraft. In einigen Diszipilinen wurde bekanntgegeben wie die unterbrochene Saison zu werten ist. Nicht im Fußball. Die Verbände hoffen weiter auf eine zeitlich überschaubare Begrenzung der Pause und halten sich mit Entscheidungen bedeckt - auch der Bayerische Fußball-Verband. Für die Vereine bedeutet das: keine Planungssicherheit, da für einige Mannschaften ja noch Auf- und Abstiegsfrage geklärt werden muss.

Der Münchner Merkur hat zu diesem Thema in einer Leserumfrage zehn mögliche Szenarien durchgespielt, wie man die Fußball-Saison fortführen oder abbrechen könnte. Diese Szenarien sehen vor für einen einen Abbruch: 1. nur die Hinrunde zu werten, 2. die aktuelle Tabelle zu werte, 3. die Saison zu annullieren, 4. die aktuellen Aufsteiger aufsteigen zu lassen, auf Absteiger zu verzichten und die Ligen aufzustocken; für ein Play-Off-System um Auf-und Abstieg: 5. Auf-und Absteiger in einer Gruppe auszuspielen; 6. Auf-und Absteiger in unterschiedlichen Gruppen auszuspielen; 7. Auf-und Absteiger im K.o.-System auszuspielen; für eine zeitliche Anpassung des Spielbetriebs: 8. mehr Englische Wochen, 9. die Saison später zu Ende spielen, 10. die Saison nächste Saison weiterzuspielen mit einer jetzt langen Pause.

Die Sportredaktion der Main-Post hat bei den fünf Bayernligisten der Region - den TSV Abtswind, TSV Großbardorf, TSV Karlburg, FC Sand und Würzburger FV - ein Stimmungsbild eingefangen.

TSV Abtswind

Sportleiter Thorsten Götzelmann: "Von Denkansätzen wie der Einführung von Play-Offs - oder einer Wertung der Hinrunde halte ich nichts. Das wird man wohl nicht gerecht hinbekommen. Da nun die Europameisterschaft verschoben wurde, könnte man die Saison später beenden." Team-Manager Christoph Mix: "Aufgrund der Nachrichtenlage gehe ich davon aus, dass die Ausgangsbeschränkung nur sukzessive gelockert wird. Ansammlungen von größeren Menschenmengen - wozu ich Fußballspiele zähle - werden als letztes aufgehoben. Der Spielbetrieb sollte nicht vor der zweiten Mai-Hälfte aufgenommen werden. Selbst wenn man alle Spiele in Englischen Wochen abspulen würde und Nachholspiele berücksichtigt, wäre das Saisonende frühestens Anfang Juli denkbar. Play-offs wären eine halbwegs gerechte Option, die gerechteste aber: Saisonabbruch und Annullierung."

TSV Großbardorf

Sportleiter Andreas Lampert: „Ich gehe zu 99 Prozent davon aus, dass die Saison nicht fertig gespielt wird. Der Verband müsste sich ja nach Ostern darauf festlegen, Anfang Mai den Spielbetrieb erneut zu starten. Die einfachste Lösung wäre zu sagen: die Saison hat nie stattgefunden. Im Sommer fängt man mit denselben Klubs bei Null an. Immer vorausgesetzt, dass man im Sommer wieder spielen kann. Besser aber wäre es, wenn es eine Wertung gäbe. Und zwar auf der Basis aller absolvierten Partien. Es wird ein Quotient gebildet. Wer den höchsten Punkte-Schnitt hat, ist Meister und steigt auf. Der mit dem niedrigsten Quotienten steigt ab. Nur die Begegnungen der Hinrunde als Basis heranzuziehen, ist keine Option. Es wäre totaler Krampf, wenn schon absolvierte Spiele einfach wegfallen würden. Play-off-Spiele wären nur bei den Profis vorstellbar. Das wäre für die Amateurvereine nicht zumutbar.“

TSV Karlburg

Sportleiter Michael Gehret: "Ich kann im Augenblick wirklich nicht sagen, wie es weitergehen könnte. Wir müssen abwarten, wie sich die allgemeine Lage entwickelt. Es ist doch erst einmal das Wichtigste, dass sich die Gesundheitssituation in Deutschland bessert. Im Augenblick gibt es wichtigere Dinge als Fußball. Gut wäre, dass der Verband eine Entscheidung fällt, mit der die Vereine längerfristig planen können. Vielleicht mit Play-offs im Mai oder Juni. Im Augenblick haben unsere Jungs ihre Trainingspläne, aber keiner hat ein wirkliches Ziel, weil niemand weiß, wie es weitergeht. Klar ist aber auch: Eine gerechte Lösung für alle kann es nicht geben."

FC Sand

Sportleiter Erich Barfuß: "Es wäre das Beste, die Saison zu annullieren, denn die anderen Möglichkeiten sind mit Unwägbarkeiten verbunden. Natürlich ist das hart für die Vereine, die vorne stehen, aber ließe man die aufsteigen, dann wollen die Zweitplatzierten auch ihre Relegation - aber gegen wen, wenn keiner absteigen soll. Außerdem glaube ich, dass für eine Relegation keine Zeit bleibt. Eine Saisonvorbereitung ist für die nächste Saison kaum möglich, sollte der Spielbetrieb nochmals aufgenommen werden. Wenn man schnell die Annullierung der Runde bekannt gäbe, könnten die Vereine wenigstens sicher planen. Der wichtigste Punkt für mich ist aber, dass man auch später noch auf Gegebenheiten reagieren kann. Sollte im Juli noch kein Spielbetrieb möglich sein, könnte der Verband die Runde auch später starten und die Vereine wüssten von Spieltag eins an, wie sie die Saison spielen müssen."

Würzburger FV

Finanz-Vorstand Peter Büttner: "Wir sind entspannt. Als Tabellensiebter haben wir mit dem Auf- und Abstieg nichts zu tun. Die Szenarien unterscheiden sich vor allem darin, wie man mit den Teams oben und unten umgeht. Ich gehe davon aus, dass die Pandemie noch lange nicht ausgestanden ist, und bin für eine Annullierung der Saison. Die drei Spitzenklubs dürften sich nicht zu laut beschweren, weil aufgrund des geringen Punkteabstandes keiner sicher für die Regionalliga planen kann. Ich gehe davon aus, dass es erst Ende August mit der neuen Runde weitergehen kann. Die Winterpause könnte man dann verkürzen, nachdem es bei uns mittlerweile sehr mild ist. Wenn die Corona-Pandemie sogar noch länger anhalten sollte, könnte ich mich mit der Variante anfreunden, die laufende Saison im Frühjahr 2021 zum jetzigen Stand fortzusetzen."

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