Fußball: Regionalliga Bayern

Kommentar: FC 05 tut gut am Mittelmaß aus Vernunft und Risiko

Markus Wolfs Ziel als Präsident und Sponsor ist die Dritte Liga. Warum er mit den vorhandenen Mitteln an Grenzen stößt und sich notfalls mit Regionalliga abfinden muss.
Weiß, dass der FC 05 Schweinfurt finanziell an den Grenzen seiner Möglichkeiten arbeitet: Präsident und Hauptsponsor Markus Wolf.
Weiß, dass der FC 05 Schweinfurt finanziell an den Grenzen seiner Möglichkeiten arbeitet: Präsident und Hauptsponsor Markus Wolf. Foto: foto2press/Frank Scheuring

Kommentatoren in sozialen Medien kennen oft nur schwarz und weiß, fällen Urteile mit dem Holzhammer. Und wenn's um Fußball geht, ist ohnehin Jeder Experte und Etikette noch weniger relevant. So war schon Minuten nach der Vertragsauflösung zwischen dem FC 05 Schweinfurt und Sportleiter Björn Schlicke klar: ein dummer Fehler des Vereins, unprofessionell. So würde das nie etwas mit der Dritten Liga.

Natürlich ist es richtig, dass man als ambitionierter Regionalligist im Stab professionell aufgestellt sein muss, um sich ernsthaft in Richtung Profifußball zu bewegen. Und es ist richtig, dass es angesichts der semiprofessionell ausgerichteten, sehr dichten Regionalliga-Spitzengruppe eine personell weit über dem Liga-Niveau angesiedelte Mannschaft braucht. Nur die kostet Geld. Viel Geld. Vor allem, wenn der Verein, zu dem dritt- oder zweitligaerfahrene Spieler kommen sollen, in der Provinz liegt. Mit einer Metropole wie München, kann sich Schweinfurt nicht vergleichen. Und so muss der FC 05 den Cent eben ein paar Mal mehr umdrehen.

Auch Türkgücü löst die Sportleiter-Nachfolge intern

Nichts anderes wird Wolf in der Causa Schlicke getan haben, der signalisiert haben soll, nach Saisonende nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Wer mag es ihm verdenken, den FC 05, wie auch Spieler, als Sprungbrett gesehen zu haben. In diesem Fall wäre eine Kaderplanung für 2020/21 halbgar geraten. Eine Trennung spart immerhin ein paar Monatsgehälter. Geld, das Wolf und Co. lieber in die Mannschaft investieren. Selbst Türkgücü München präsentierte als Nachfolger für den erfahrenen Kaderplaner Robert Hettich nicht gleich den nächsten Fuchs der Szene, sondern mit Maximilian Kothny eine vereinsinterne Nobody-Lösung für die Geschäftsführer-Position, einen 23-Jährigen, der zuletzt für Ticketing und Merchandise zuständig war.

In der Realität wird zunächst niemand anders als Vorstandsvorsitzender und Geldgeber Hasan Kivran gemeinsam mit Trainer Rainer Maurer die Fäden ziehen. Und in Schweinfurt eben Wolf im Team mit Trainer Tobias Strobl und Co Jan Gernlein. Einnahmequellen und Sponsorleistungen lassen es in der Regionalliga offenbar nicht zu, alle Aufgaben auf einmal mit Voll-Profis zu besetzen. Zumal Millionenbeträge gewohnte Bundesliga-Profis aus ihren vorherigen Betätigungsfeldern gerne hohe Erwartungshaltungen - auch an zu verpflichtendes Personal - mitbringen. Für Ex-Trainer Timo Wenzel werden 100000 Euro mehr ebenso wenig relevant gewesen sein wie für Schlicke. Doch im Etat von rund 1,4 Millionen, den der FC 05 Schweinfurt zur Verfügung hat, ist das eine Summe, die den Haushalt ins Wanken bringen kann.

Am Kurs des Vereins wird sich wohl nichts ändern

So mag beim FC 05 Vieles altbacken wirken. Doch hat die Fußball-Abteilung mit ihrer keine 20 Jahre zurückliegenden Insolvenz-Vergangenheit eine Verantwortung gegenüber Hauptverein und Stadt zu tragen. Wohin überbordendes Risiko führen kann, kennt man aus eigener Historie und auch insbesondere von einigen Ost-Vereinen. Zuletzt gingen in Erfurt die Lichter aus.

Der FC 05 Schweinfurt probiert es mit einem ihm gut zu Gesicht stehenden Mittelmaß aus Ambition und Vernunft, in die Dritte Liga zu kommen. 2020 hätte er es wohl geschafft, wenn da nicht ausgerechnet jetzt der finanzkräftigere Aufsteiger Türkgücü gewesen wäre. Vielleicht schafft er es ja sogar noch. Nur wird sich auch dann am Kurs des Vereins wenig ändern. Es sei denn Wolf, dessen Ego auf der Suche gelegentlich im Wege steht, fände endlich einen zweiten Großsponsor. Wenn nicht, muss er sich eingestehen, dass die Dritte Liga, die er nächstes Jahr ein letztes Mal in Angriff nehmen würde, mit diesen Mitteln in Schweinfurt nicht machbar ist. Dann wird er sein Engagement reduzieren und der FC 05 wird ein Regionalligist unter vielen.

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