EISHOCKEY: BAYERNLIGA

ERV streckt wieder spät die Waffen

HC Landsberg – ERV Schweinfurt 5:4 (2:1, 1:2, 2:1)

Dass man das Glück nicht gepachtet hat, wenn man am unteren Ende der Tabelle steht, ist eine Binsenweisheit. Möglicherweise fehlt die Qualität im Kader, um das Glück auch mal zu zwingen. Möglicherweise fehlt die Mentalität im Kader, um sich das Glück zu verdienen. Möglicherweise fehlt aber auch die psychische Stabilität, um ein Spiel so lange offen zu halten, bis es zu den eigenen Gunsten kippt. Genau das scheint aktuell beim ERV Schweinfurt der Fall zu sein, wie die 4:5-Niederlage beim HC Landsberg erneut zeigte: Gut gespielt, mehrfach zurückgekommen, um am Ende doch mit leeren Händen dazustehen.„Wir finden momentan immer einen Weg zur Niederlage“, hatte Steffen Reiser Mitte Dezember als Interimstrainer gesagt und es damit auf den Punkt gebracht.

„Wir haben gut begonnen und sind verdient in Führung gegangen“, stellte sein Nachfolger Zdenek Vanc fest, der sich bereits in der siebten Minute über einen Powerplay-Treffer von Jeff Murray freuen durfte. „Danach war es ein ausgeglichenes Spiel, in dem wir auch mehr Tore hätten erzielen können“, war Vanc mit dem Auftritt seines Teams durchaus zufrieden. Zumal sich alle an die Vorgaben hielten und das defensivorientierte Konzept des Trainers bereitwillig umsetzten. Dennoch gab es statt eines 2:0-Vorsprungs, der den Knoten im Kopf der Spieler hätte lösen können, in Unterzahl den Ausgleichstreffer (15.) und keine zwei Minuten später nach einem individuellen Fehler sogar die Führung der Gastgeber (17.).

Traumtor wie in der NHL

Für die Mighty Dogs spricht, dass sie sich von solchen Nackenschlägen nicht aus der Bahn werfen ließen, gegen sie, dass sie momentan nicht in der Lage sind, ein Spiel zu ihren Gunsten zu drehen. So besorgte Semjon Bär kurz nach der ersten Pause ebenso den erneuten Ausgleichstreffer (22.), wie Domantas Cypas (34.) nachdem die Gäste zwischenzeitlich wieder in Führung gegangen waren (28.). Gleiches galt für Kevin Marquardt, der nach dem wiederholten Führungstreffer der Hausherrren (41.) in der 51. Minute auf 4:4 stellte. Für nur 27 Sekunden. Dann besiegelte ein Traumtor der Landsberger die nächste Niederlage der Mighty Dogs. „Wir verteidigen eigentlich gut in der neutralen Zone. Dann geht ein Abpraller nach außen weg, der Landsberger Spieler geht die Bande entlang und spielt einen Cross-Pass auf die andere Seite und Michael Fischer schließt hoch und scharf ab, sodass unser Goalie keine Chance hat. Solche Tore sieht man sonst in der NHL“, erkannte Vanc die besondere Leistung des Gegners in diesem Moment an.

Vielleicht macht der ERV solche Situationen aber auch erst möglich, weil der Glaube an ein Happy End fehlt. Zumal, wenn noch, wie im letzten Drittel in Landsberg, Kraftprobleme hinzukommen, weil Vanc neben Andi Kleider während des Spiels auch noch die Verteidiger Jona Schneider, Maurice Köder und Kevin Faust ersetzen und somit im Schlussdrittel auf nur vier Verteidiger umstellen musste. Es bleiben also Fragezeichen rund um die Leistungsfähigkeit der Mighty Dogs. Denn auch wenn sich die Mannschaft scheinbar auf dem richtigen Weg befindet: Um die Köpfe frei zu kriegen und den Glauben an die eigene Stärke herzustellen, helfen am Ende wohl wie immer nur Ergebnisse.

Schweinfurt: Kessler – Cypas, L. Kleider, Schneider, Babinsky, Köder, Pfister, Faust – Grüner, Murray, Kouba, Bär, Nold, Marquardt, Fröhlich, Manger, Adam.

Tore: 0:1 (7.) Jeffrey Murray (Jona Schneider, Jan Kouba 5-4), 1:1 (15.) Petr Machacek (Tobias Wedl, Dennis Sturm 5-4), 2:1 (17.) Michael Fischer (Markus Jänichen, Daniel Menge), 2:2 (22.) Semjon Bär (Kevin Marquardt, Eugen Nold), 3:2 (28.) Marek Charvat (Sturm), 3:3 (34.) Domantas Cypas (Kouba, Murray 5-3), 4:3 (41.) Jänichen (Machacek, Wedl), 4:4 (51.) Marquardt (Kouba, Murray), 5:4 (51.) Fischer (Sven Gäbelein, Menge). Strafminuten: 10/4. Schiedsrichter: Dominik Merath (B. Vorgeitz). Zuschauer: 1055.

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