Schweinfurt

FC 05: Marco Fritschers Gegenspieler heißt Corona

Der Schweinfurter Außenverteidiger hilft während der Zwangspause in der Fußball-Regionalliga in einem Supermarkt aus. Wie er zudem seinen mentale Stärke steigern will.
Gegen das Virus statt gegen Stürmer: Marco Fritscher nutzt die Spielpause des FC 05 Schweinfurt, um in einem Gochsheimer Lebensmittelmarkt die Einkaufswägen hygienisch zu halten.
Gegen das Virus statt gegen Stürmer: Marco Fritscher nutzt die Spielpause des FC 05 Schweinfurt, um in einem Gochsheimer Lebensmittelmarkt die Einkaufswägen hygienisch zu halten. Foto: Michael Bauer

Marco Fritscher möchte ein Zeichen setzen, von dem er gedacht hatte, dass es gar nicht nötig sei: Er will helfen. "Ich bin so erzogen worden, dass es selbstverständlich ist, für andere Menschen in Notlagen da zu sein.  Aber wenn ich sehe, wie groß die Dankbarkeit in Deutschland für jede gute Aktion während der Corona-Krise ist, dann ist es offenbar doch nicht so selbstverständlich." Der 25-jährige Fußballer des FC 05 Schweinfurt unterstützt einen Lebensmittel-Discounter in Gochsheim im Umgang mit den Kunden.

In der Regionalliga Bayern gehört das Verteidigen zu seinem Handwerk, nun heißt sein Gegenspieler Corona. Lidl-Jacke statt Trikot, Sprühflasche und Putztuch statt Ball. Und das Tageswerk besteht daraus, Einkaufswägen zu desinfizieren sowie Kunden zu unterweisen, Abstände einzuhalten. Gelegentlich muss auch mal ein Regal eingeräumt werden. Ein Mini-Job nur, aber einer, den Fritscher ernst nimmt. "Ich will, dass das seriös rüber kommt, und nicht als Publicity-Gag für den Verein oder mich als Profi."

Nicht nach Hause zur Familie nach Offenbach

Der Lohn ist dabei nicht Motivation für den Kicker, dessen Gehalt beim FC 05 ab nächsten Monat vermutlich auf Null gefahren wird. 100 Prozent Kurzarbeit-Quote, da bleiben zum Leben "nur" noch 60 Prozent Kurzarbeiter-Geld vom Staat. Der Hesse hätte auch einfach nach Hause zur Familie nach Offenbach fahren können, zog es aber vor, zu helfen. Eigentlich sollte es ein Job als Erntehelfer sein, da in der Landwirtschaft der Bedarf aber nun doch über primär rumänische Hilfsarbeiter mit entsprechender Erfahrung gedeckt werden kann, eben Wägen schieben und reinigen.

Abwarten und Tee trinken ist nicht Marco Fritschers Ding: Er versucht, sich mental weiterzubilden und auf diesem Weg geistig fitter auf den Platz zurückzukehren.
Abwarten und Tee trinken ist nicht Marco Fritschers Ding: Er versucht, sich mental weiterzubilden und auf diesem Weg geistig fitter auf den Platz zurückzukehren. Foto: Michael Bauer

Da bei einem Mini-Job nur wenige Stunden in der Woche erlaubt sind, die einen Menschen wie Fritscher nicht ausfüllen, hat sich dieser neben dem individuellen Trainingsplan vom Verein noch ein paar Beschäftigungen gesucht - und diese auch gefunden. "Ich habe ein Ziel: Ich möchte in einer noch besseren Verfassung auf den Platz zurückkehren, wenn die Zwangspause irgendwann beendet ist."

So beschäftigt sich der sprintstarke Außenverteidiger mit Mentalem: "Da gibt es sehr viel Raum, sich weiterzubilden. Ich lese intensiv über richtige Ernährung und autogenes Training, analysiere aber auch anhand von Fernsehaufnahmen, wie sich Manager oder Führungskräfte in der aktuellen Krise verhalten, wie sie sich artikulieren." Davon könne er viel lernen, gerade im Hinblick auf den Anspruch, Führungsspieler zu sein.

"Ich habe ein Ziel: Ich möchte in einer noch besseren Verfassung auf den Platz zurückkehren, wenn die Zwangspause irgendwann beendet ist."
FC-05-Verteidiger Marco Fritscher, der sich aktuell mental weiterbildet

Das ist der 25-Jährige allemal: In 22 von 23 Regionalliga-Spielen stand er diese Saison auf dem Platz, lediglich in der einzigen Partie 2020, beim 1:2 in Heimstetten, fehlte er verletzungsbedingt. Von diesen 22 Einsätzen waren 18 über die vollen 90 Minuten. Seit seinem Wechsel vom SV Wacker Burghausen nach Schweinfurt im Sommer 2017 lief er in 85 Pflichtspielen für den FC 05 auf. Wann er dies das nächste Mal tun wird, steht in den Sternen, so lange ein Ende der Corona-bedingten Pause nicht absehbar ist. An ein reguläres Finale der Saison glaubt Fritscher jedenfalls nicht: "Ich gehe davon aus, dass die Runde abgebrochen wird. Es würde keinen Sinn machen, das in den Juli oder August zu ziehen."

Der Fußball fehlt Marco Fritscher schon. Aber er hält sich mit individuellen Einheiten fit.
Der Fußball fehlt Marco Fritscher schon. Aber er hält sich mit individuellen Einheiten fit. Foto: Michael Bauer

Zumal er befürchtet: "Die schlimmste Phase kommt erst noch. Die Zahl der Infizierten dürfte weiter steigen, ich sehe eine Entspannung der Lage frühestens in ein paar Wochen. Und dann muss man auch erst schauen, wie sich die Bevölkerung verhält." Danach könne man als Sportler aber nicht aus dem Stehgreif heraus wieder starten. Selbst der Verband hat ja angekündigt, eine mögliche Fortsetzung wegen der nötigen Vorbereitung mit zwei Wochen Vorlauf ankündigen zu wollen.

Junge Mannschaft charakterlich schon gefestigt

Auf seine Mitspieler glaubt Fritscher, sich derweil hundertprozentig verlassen zu können. "Die Jungs halten sich ebenfalls sehr gut fit, und es sind einige dabei, die sich wie ich parallel weiterbilden. Unsere Mannschaft ist für ihr junges Alter charakterlich erstaunlich weit."

Dann dreht sich Marco Fritscher um und erspäht einen etwas zu stürmischen Kunden. Freundlich, aber bestimmt erklärt er ihm die Regeln im Lebensmittelmarkt. Langsam bewegen, Abtand halten zu den anderen Einkaufenden und insbesondere zum Personal. "Es geht nur miteinander."

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