GEWICHTHEBEN: BAYERNLIGA

Warum Gewichtheben weit mehr als pure Kraft ist

Die Kraftsportler des AC 82 Schweinfurter deklassieren Schlusslicht Dachau und mischen in der Bayernliga weiterhin vorne mit. Was diesen Sport so besonders macht.
Ist das sogar ein Lächeln? Der Schweinfurterin Stephanie Kotterer scheint das Heben ihrer Last leicht zu fallen. Foto: Steffen Krapf

GEWICHTHEBEN

Bayernliga

HG Eichenau/Neu-Ulm – TSV Waldkirchen 333,0 : 438,8
KSV Kitzingen – KSV Bavaria Regensburg 356,7 : 434,0
AC 82 Schweinfurt – KSC Attila Dachau 434,0 : 262,2
ESV München Ost – ESV Mü.-Neuaubing 409,1 : 392,0

1. (1.) TSV Waldkirchen 6 6 0 0 2438,4 : 2053,2 17
2. (4.) AC 82 Schweinfurt 7 5 0 2 2778,0 : 2324,2 13
3. (6.) KSV Bavaria Regensburg 7 3 0 4 2717,5 : 2666,5 11
4. (2.) KSV Kitzingen 6 3 0 3 2351,3 : 2182,3 10
5. (3.) ESV Mü.-Neuaubing 6 3 0 3 1994,3 : 2165,1 10
6. (5.) HG Eichenau/Neu-Ulm 6 3 0 3 2186,5 : 2161,6 9
7. (8.) ESV München Ost 6 3 0 3 2072,6 : 2211,3 8
8. (7.) 1.AC Regensburg 6 2 0 4 2056,1 : 2261,2 6
9. (9.) KSC Attila Dachau 6 0 0 6 1782,2 : 2351,5 0

AC 82 Schweinfurt – KSC Attila Dachau 434,0 : 262,2

Es gibt sie die Sportarten, die außerhalb der großen Turniere – allen voran der Olympischen Spiele – kaum Beachtung finden. Dennoch ist dort eine enthusiastische Basis zu finden, die sich fast tagtäglich ihrem Sport widmen. Eine davon ist das Gewichtheben. In Schweinfurt leistet dort der AC 82 hervorragende Arbeit für den Sport. Beim jüngsten Heimwettkampf ging es in der Bayernliga gegen den Tabellenletzten KSC Attila Dachau. „Alles andere als ein klarer 3:0-Sieg, würde mich sehr überraschen“, sagt Thomas Walz bevor es losgeht – und soll recht behalten.

Thomas Walz ist als Kampfrichter im Einsatz, er ist außerdem der Vorsitzende des Vereins mit Sitz im Schweinfurter Stadtteil Bergl. Wer Gewichtheben als plumpe Kraftprotzerei ansieht, den wird Walz in wenigen Minuten bestimmt vom Gegenteil überzeugen. Viel mehr Begeisterung und Passion für eine Sportart als bei ihm, dürften kaum möglich sein. „Für mich ist Gewichtheben eine der besten Sportarten überhaupt“, sagt er aus vollster Überzeugung.

Viel trainieren und weit fahren

Wer bei einem Wettkampf in der Bayernliga auf der Matte stehen möchte, der muss viel investieren. Bis zu vier Trainingseinheiten á zwei bis zweieinhalb Stunden in der Woche stehen für die Sportler auf dem Programm. Hinzu kommen die Wettkampftage am Wochenende, oft mit Reisen über 600 Kilometer. Reißen und Stoßen heißen die Disziplinen. Ziel ist es, mit der korrekten Technik das höchstmögliche Gewicht über Kopf zu bekommen. Drei Versuche hat jeder Heber pro Disziplin. Errechnet werden die Punkte für die jeweiligen Leistungen durch das Körpergewicht des Athleten, das gehobenen Gewicht und einem Relativabzug. Die Formel für die männlichen und weiblichen Aktiven unterscheidet sich dabei. Das Endresultat der Mannschaften wird durch die Ergebnisse im Reißen, Stoßen und in der Zweikampfverwertung ermittelt.

„Nicht nur Kraft spielt eine Rolle“, erklärt Walz: „Es geht sehr viel um Schnelligkeit, Technik, Beweglichkeit und Koordination. Die Sportart ist sehr dynamisch.“ Ohne ein spezifisches Training im Gewichtheben geht nichts. Die Kraftbolzen aus den Fitnessstudios seien in der Regel viel zu unbeweglich und kaum geeignet für das Gewichtheben. „Am besten ist es, man fängt schon als Kind damit an“, findet Walz: „Aber da haben wir oft mit Vorbehalten bei den Eltern zu kämpfen. Dabei wird da eigentlich nur die Technik geübt. Nur mit der korrekten Technik kann man bis ins hohe Alter verletzungsfrei heben. Wir haben auch Mitglieder, die mit 80 Jahren noch Gewichte heben.“ Auch bei den Leichtathleten oder im Rudern werden die Grundlagen des Gewichthebens trainiert. Beim im immer populärer werdenden Cross-Fit, das verschiedene Athletik-Sportarten verbindet, wird zu großen Teilen Gewichtheben betrieben.

Wie geschickt man beim Reißen oder Stoßen vorgehen muss, zeigen die Protagonisten des Abends recht eindrucksvoll. Auf Schweinfurter Seite gehen mit Stephanie Kotterer, Ekaterina Marchenko, Julia Metzger, Katharina Sindel und Ulrike Zehner fünf Frauen und mit Philipp Lendner ein Mann an den Start. Dem gegenüber stehen nur fünf Dachauer Heber, darunter eine Frau – den Kader hat das Bayernliga-Schlusslicht nicht vollbekommen.

Mentale Stärke gefordert

Voller Konzentration legen die Schweinfurter gleich Punkt um Punkt vor. Fehlversuche gilt es erstmal zu vermeiden. „Gewichtheben ist auch mental ein sehr anspruchsvoller Sport“, merkt Walz an: „Du stehst da vor den Zuschauern und deinem Team und musst abliefern. Hier kann sich kein Sportler hinter einem anderen verstecken, auch wenn er mal einen schlechteren Tag erwischen sollte. Diese Erfahrung hilft den jungen Leuten ganz bestimmt auch in ihrem normalen Leben.“ Wer sich an welche Lasten heranwagt, bestimmt der Athlet zusammen mit dem Trainer direkt vor dem Wettkampf. „Es ist ja noch lange nicht gesagt, dass du das Gewicht, dass du unter der Woche im Training, auch im Wettkampf schaffst. Da spielen die Nerven und die Tagesform eine Rolle“, erklärt Walz.

Am Ende des Abends strahlen die Schweinfurter Gesichter dann aber besonders. In allen Disziplinen ist der AC überlegen. Durch den 3:0-Erfolg springen die Gewichtheber des Athleten-Club 1982 auf den zweiten Tabellenplatz.

Einzelleistungen der AC-Heber (Reißen/Stoßen/Zweikampf/Relativpunkte): Stephanie Kotterer 28,5/42,5/128/71,0; Philipp Lendner 21,5/47,5/244/69,0; Ekaterina Marchenko 21,5/47,5/156/84,0; Julia Metzger 18,5/31,5/87/50,0; Katharina Sindel 34,5/58,5/148/93,0; Ulrike Zehner 28/39/101/67,0.

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