Sportgala Schweinfurt

Warum Anne Haug keine Ironwoman sein will

Stargast bei der Schweinfurter Sportgala am Wochenende: Profi-Triathletin Anne Haug. Foto: Michael Bauer

Eine Frage mag Anne Haug gar nicht, Moderator Sven Schröter stellt sie bei der Schweinfurter Sportgala trotzdem: Ob man sie denn als Hawaii-Siegerin Ironwoman nennen müsse? Doch Haug ist höflich („Nein, nein, das heißt bei uns auch Ironman“) als Stargast im Konferenzzentrum auf der Maininsel. Tags darauf bei der Triathlon-Night in Langen, wo sie zur Triathletin des Jahres 2019 ausgezeichnet wird, sagt sie aber, dass man ihr diese Frage besser nicht mehr stellen sollte.

Anne Haug hat Mitte Oktober, nach Platz drei im Vorjahr, als erste Deutsche den Hawaii-Ironman gewonnen, war in 8:40 Stunden die drittschnellste Frau in der Geschichte dieses Wettkampfes. In Schweinfurt, wo sie insbesondere den Triathleten der TG 48 als Schweinfurter Mannschaft des Jahres gratulieren darf, erzählt sie, was aber noch schöner als Zeit und Titel ist: "Wenn man ins Ziel kommt und die Schmerzen nachlassen." In Hawaii bei bis zu 60 Grad 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und einen Marathon laufen fordert eben auch einen Profi wie die 36-Jährige.

Längst in der Weltspitze etabliert

Die gebürtige Bayreutherin, die des Stützpunktes wegen in Saarbrücken lebt, hat sich in der Weltspitze längst etabliert, ist U23-Weltmeisterin, Vize-Weltmeisterin bei den Aktiven, zweifache Olympia-Teilnehmerin (2012 und 2016) und nun Hawaii-Siegerin. Auch bei den Männern hat mit Jan Frodeno ein Deutscher gewonnen, beide haben in Dan Lorang den selben Trainer. Beinahe selbstredend, dass in Langen auch Frodeno zum Triathleten des Jahres gewählt wird.

In Schweinfurt bekommen andere die Auszeichnung Felix, ein bronzenes Schweinchen. Faustball-Weltmeister Fabian Sagstetter wird Sportler, die deutsche Bahnrad-Vizemeisterin mit der Mannschaft, Lisa Fischer, Sportlerin des Jahres. Eigens ein zweites Mal auf die Bühne kommt sie aber nur zu den Triathlon-Kollegen der TG 48 Schweinfurt, die ihr eines voraus haben: Sie waren dieses Jahr Dritte unter 142 Mannschaften im deutschen Triathlon-Mekka Roth - wo Haug noch nicht am Start war. "Das muss ich unbedingt in Angriff nehmen, ist ja fast so etwas wie ein Heimspiel."

Gruppenbild mit Dame: Die Schweinfurter Mannschaft des Jahres, das Triathlon-Team der TG 48 (links im Bild) mit Hawaii-S... Foto: Michael Bauer

Zuvor erzählt sie, dass sie sich "an Schmerz gewöhnt" habe, dass kaum mehr als zwei, maximal drei Ironman-Wettkämpfe im Jahr möglich seien ("da brauche ich mindestes drei Wochen Regeneration") und dass sie 1000 Stunden im Jahr trainiert. Zusammen mit den Wettbewerben komme da eine Vollzeit-Stelle unter dem Strich heraus, weswegen sie Amateure wie das Schweinfurter Trio Andreas Vollert, David Kiesel und Christen Carson bewundere: "Profis und Amateure absolvieren die gleiche Strecke. Nur dass die Amateure zusätzlich noch einen Beruf ausüben."

Fleiß steht an vorderster Stelle

Solche Statements sind typisch für die in sich ruhende, ausgeglichene Athletin, die Fleiß an vorderster Stelle sieht und damit auch die aktuelle Spitzenstellung deutscher Sportlerinnen und Sportler in dieser Disziplin zu erklären versucht: "Den Deutschen liegt offenbar der Fleiß. Und unser Sport lebt auf der Langstrecke primär von Trainingsfleiß."

Haugs Karriere ist zwar für den Triathlonsport nicht untypisch, viele sind Quereinsteiger wie die Bayreutherin. Und doch war bei ihr etwas ungewöhnlich: "Ich habe mir erst mit 20 selbst das Schwimmen beigebracht. Zwar habe sie als Kind schon mal geschwommen, aber eine Chlorallergie habe sie ausgebremst, "ich konnte keine 50 Meter am Stück kraulen". Erst während des Studiums an der Universität München sei sie zum Triathlon gekommen - nachdem sie dort Lorang, ihren jetzigen Coach, kennengelernt hatte. Das war vor 16 Jahren und seitdem hat Anne Haug vielleicht ein paar Mal zu oft erklären müssen, warum auch Frauen als Sieger ein Ironman sind.

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